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Streifzug durch die Geschichte: Erfindungen und ihre Erfinder

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Beginnen wir den Spaziergang durch die Welt der Erfindungen ganz willkürlich mit der Geschirrspülmaschine. Sie wurde von einer Frau erfunden: ... (Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Beginnen wir den Spaziergang durch die Welt der Erfindungen ganz willkürlich mit der Geschirrspülmaschine. Sie wurde von einer Frau erfunden: ...

Beginnen wir den Spaziergang durch die Welt der Erfindungen ganz willkürlich mit der Geschirrspülmaschine. Sie wurde von einer Frau erfunden: ...

... von Josephine Cochrane. Die US-Amerikanerin musste nie selbst spülen, doch ihrem Personal ging beim Abwasch viel Geschirr kaputt - so viel, dass Cochrane immer wieder neues kaufen musste. Ihr wertvolles Porzellan wollte die reiche Dame daher lieber einer Maschine anvertrauen.

Also bastelte sie Drahtkörbe und befestigte diese auf einem Rad. Das war drehbar, lag in einem Kessel und wurde von unten mit heißem Seifenwasser bespritzt. 1886 ließ Josephine Cochrane ihre Erfindung - den mechanischen Geschirrspüler - patentieren.

Gut 40 Jahre später, 1929, konstruierte Carl Miele dann die erste elektrische Geschirrspülmaschine Europas.

Der Kaffeefilter: Auch diese Erfindung geht auf eine Frau zurück, auf die Dresdnerin Melitta Bentz. Sie brütete 1908 über einer heißen Tasse Kaffee, und plötzlich kam ihr eine Idee: ...

Mit Nagel und Hammer durchlöcherte sie den Boden eines alten Messingtopfes, lieh sich von ihrem Sohn Löschpapier, schnitt dieses so zu, dass es in den Topf passte, füllte es mit Kaffeepulver und schüttete siedendes Wasser darüber.

Schluss mit dem Kaffeesatz in der Tasse. Der sollte fortan nur noch Wahrsager interessieren.

Das Telefon: Anders als häufig angenommen, war es nicht Alexander Graham Bell, der das Telefon erfand. Jedoch war er 1876 der erste, der die wirtschaftliche Bedeutung des neuen Kommunikationsmittels erkannte. Das Patent für das Telefon erhielt Bell zu Unrecht.

Schon 1861 nämlich hatte Philipp Reis im Physikalischen Verein zu Frankfurt am Main einen "Ferntonapparat" vorgestellt. Das Gerät konnte Töne in elektrischen Strom umwandeln und an einem anderen Ort als Schall wiedergeben.

Leider verstand man den testweise ins Telefon gesprochenen Satz am anderen Ende der Leitung kaum. Das lag nicht am Inhalt, auch wenn der kurios war. Der Satz lautete: "Das Pferd frisst keinen Gurkensalat"...

Tatsächlich war das Gerät noch nicht dazu geeignet, menschliche Sprache verständlich zu übertragen. Zu seinen Lebzeiten erkannte daher niemand das Potenzial der Reisschen Erfindung. 1876, zwei Jahre nach dem Tod des Physiklehrers, reichte Bell sein Patent für ein verbessertes Telefon ein.

Anderer Ort, andere Zeit, andere Geschichte: 12.000 Goldfrancs hatte Napoleon Bonaparte Anfang des 19. Jahrhunderts demjenigen versprochen, dem es gelang, Lebensmittel länger haltbar zu machen.

Nicolas Appert war Zuckerbäcker in Paris, und er schaffte es, Napoleons Forderung zu erfüllen. Appert sterilisierte Lebensmittel, indem er sie auf 100 Grad Celsius erhitzte und luftdicht verschloss. Allerdings verwendete er dafür keine Dosen, sondern Flaschen.

1810 hatte dann Peter Durand die Idee, statt Flaschen Blechkanister zu benutzen. Damit erfand Durand die Konservendose.

Für den Büstenhalter - kleiner Themenwechsel - gibt es gleich mehrere Patentträgerinnen und –träger. Der erste moderne Büstenhalter (vorher trug frau Leibchen) wurde 1889 von der Französin Herminie Cadolle patentiert. 1891 meldete Hugo Schindler in Deutschland ein Patent für seinen Brusthalter an.

Sigmund Lindauer aus Bad Cannstadt ließ 1912 den ersten Büstenhalter in Serienfertigung gehen: den "Hautana". Dieser BH war "ohne Versteifung auf der Haut zu tragen". Er sorgte für mehr Bewegungsfreiheit, denn bis dahin waren Büstenhalter mit Fischbein, Knochen oder sogar Stahl versehen. Weltweit folgten zahlreiche weitere Patente.

Übrigens tragen heutzutage nur etwa 30 Prozent aller Frauen einen BH.

Ebenfalls weiblich inspiriert ist der Strandkorb. Er entstand auf Wunsch einer einzelnen Dame, die – rheumakrank wie sie war - eine geschützte Sitzgelegenheit für den Strand suchte. Hof-Korbmacher Wilhelm Bartelmann fertigte 1882 den ersten Strandkorb an.

Ein Jahr später eröffnete er in der Nähe des Warnemünder Leuchtturms die erste Strandkorbvermietung. Ein Patent meldete Bartelmann nicht an. Spötter belächelten seine Erfindung als "aufrecht stehenden Wäschekorb".

Die weibliche Welt freute sich auch über die Erfindung des Chemikers Wallace Hume Carothers. 1937 ließ er "eine durchsichtige, seidig schimmernde Faser" patentieren, "die reißfest, schlagfest, temperaturresistent und unverwüstlich ist." Er nannte die Faser Nylon.

Als 1939 ein erster Testverkauf von 4000 aus Nylon hergestellten Damenstrümpfen stattfand, waren diese innerhalb von drei Stunden an die Frau gebracht. Später hatte aber auch das Militär Interesse an der Faser. Wegen seiner Reißfähigkeit wurde Nylon 1941 zum kriegswichtigen Material erklärt. Für die Herstellung von Strümpfen blieb nicht mehr viel von dem Gewebe übrig. So kam es, dass Nylonstrümpfe zu einer beliebten Ersatzwährung auf dem Schwarzmarkt wurden.

Auch Karl Nessler hatte die Damenwelt als Zielgruppe für seine Erfindung vor Augen gehabt. Obwohl sein Vater in einer Schuhfabrik arbeitete, faszinierte ihn selbst die Idee von der perfekten Welle: der Dauerwelle. Als Versuchskaninchen musste zunächst Nesslers Frau Katharina herhalten. Sie bekam Brandblasen, als Karl ihr seine selbst konstruierte Hitze-Zange an metallene Wickler im Haar hielt.

Nessler, 1872 in Todtnau geboren, lebte eine Zeitlang in London, floh vor dem Ersten Weltkrieg nach New York und baute dort ein Dauerwellen-Imperium auf. Mit dem Börsencrash 1929 ging er jedoch bankrott.

Bleiben wir bei den Haaren: King Camp Gilette wollte mit einer Idee reich werden. Er musste sich ein bisschen gedulden, doch im Alter von 40 Jahren schließlich kam dem Handlungsreisenden der rettende Einfall: Gilette dachte an einen Rasierhobel mit einer Klinge, die man nicht zu schleifen brauchte, sondern austauschen konnte.

1903 nahm die Gilette-Company die Produktion auf. Im ersten Jahr verkaufte die Firma 168 Klingen, im zweiten bereits 123.000. 1917 war das Unternehmen im Auftrieb: Die US-Regierung gab 36 Millionen Rasierklingen für die im Ersten Weltkrieg kämpfenden US-Soldaten in Auftrag.

Gilettes großes Vorbild war William Painter, denn auch Painter hatte einen Wegwerfartikel für den täglichen Gebrauch erfunden: ...

... den Kronkorken. 1892 meldete Painter sein Patent an. Der Kronkorken löste den Bügelverschluss auf den Bierflaschen ab. Er war günstiger und beschleunigte die Befüllung der Flaschen.

Apropos Kronkorken: Als es dem Österreicher Anton Dreher 1841 gelang, untergäriges Bier herzustellen, revolutionierte er damit die Biergeschichte. Dreher benutzte das Eis gefrorener Teiche, um im Keller seines Wirtshauses für anhaltend niedrige Temperaturen zu sorgen.

Dort brachte er untergärige Hefe zur Gärung und erfand damit ein Bier, das nicht nur frei war von Schwebstoffen, sondern auch gelagert werden konnte. Der Ansturm auf das so erfundene Lagerbier war enorm. Bis zur Jahrhundertwende entstanden weltweit über 60 Lagerbierbrauereien.

Übrigens war es erst 1876 möglich, auf die Eisblöcke vom nahe gelegenen Tümpel zu verzichten.

Denn erst dann erfand der deutsche Ingenieur Carl Paul Gottfried von Linde die erste nutzbare "Kälteerzeugungsmaschine". Sie ähnelte dem heutigen Kompressorkühlschrank. Der Kompressor wurde mit einer Dampfmaschine betrieben, Kühlmittel war Ammoniak. Da dieses ätzend ist und nicht gut riecht, mussten erst Ersatzchemikalien gefunden werden, bevor der Kühlschrank auch für die Küche geeignet war.

1937 dann hatte in Amerika jeder zweite Haushalt einen Kühlschrank.

Carl von Linde war es auch, der den Glastechniker Reinhold Burger (im Bild) damit beauftragte, Aufbewahrungsgefäße für flüssige Luft zu entwickeln. Am 1. Oktober 1903 wurde Burger ein Patent erteilt für ein alltagstaugliches "Gefäß mit doppelten, einen luftleeren Hohlraum einschließenden Wandungen".

Die Thermoskanne war geboren.

Der Wecker: Levi Hutchins, ein US-amerikanischer Uhrmacher, erfand ihn 1787. Hutchins musste jeden Morgen um vier Uhr aufstehen.

Das war also die Zeit, zu der ihn der Wecker per Glockenschlag zuverlässig aus dem Schlaf riss. Schade nur, dass das Gerät zu keiner anderen Uhrzeit funktionierte.

1847 erst patentierte der Franzose Antoine Redier als erster einen Wecker mit einstellbarer Weckzeit.

Die Erfindung Christian Hülsmeyers aus dem Jahr 1904 "hat eine Vorrichtung zum Gegenstand, durch welche die Annäherung bzw. Bewegung entfernter metallischer Gegenstände (Schiffe, Züge o. dgl.) mittels elektrischer Wellen einem Beobachter durch hör- oder sichtbare Signale gemeldet wird…"

Hülsmeyer erfand das Telemobiloskop, das wir heute als Radarfalle kennen. Auf dem Rhein meldete es durch die Aktivierung einer Klingel zuverlässig jedes vorbeifahrende Schiff. Zu seiner Zeit konnte man mit diesem Patent noch nicht viel anfangen, doch 30 Jahre später wurde das Ur-Radar weiter entwickelt. In der Kriegsführung spielte es eine entscheidende Rolle.

1959 dann wurde in Deutschland erstmals ein Radargerät zur Überwachung des Straßenverkehrs eingesetzt. Der aus Eydelstedt stammende Hülsmeyer jedoch war bereits 1957 verstorben.

Der Fahrstuhl: Im New Yorker Kristallpalast stieg der Mechaniker Elisha Graves Otis 1853 auf eine Plattform, die sich zwischen vier Pfosten an einem Tau gezogen nach oben bewegte. Als Otis seinem Assistenten den Befehl gab, das Zugseil zu kappen, passierte nichts. Und genau so sollte es auch sein: Das Ziel war, nicht mit dem Fahrstuhl abzustürzen. Stecken bleiben durfte er schon.

Für den Bau von Hochhäusern und Wolkenkratzern war Otis' Erfindung eine unabdingbare Voraussetzung.

Etwas jünger als der Fahrstuhl ist die Rolltreppe. Die erste Fahrtreppe bestand aus einem schrägen Förderband. Sie gilt als Vorläufer der Rolltreppe und wurde von dem US-Amerikaner Jesse W. Reno erfunden. 1892 erhielt er dafür das Patent (im Bild eine ältere, nie hergestellte Variante von Nathan Ames).

Als eigentlicher Erfinder der Fahrtreppe gilt aber George A. Wheeler, obwohl auch ihm mit der neuen Konstruktion kein Durchbruch gelang. Das geschah erst auf der Pariser Weltausstellung 1900, und bis dahin hatte Charles Seeberger das Patent seines Kollegen gekauft.

Bis die erste Rolltreppe Deutschlands installiert wurde, dauerte es noch weitere 25 Jahre: Am 11. Juli 1925 rollten die Menschen erstmals durch die Etagen des Kölner Kaufhauses Tietz.

Wo es gerade ums Rollen ging: Das Rad, das wir so oft neu erfinden, hat sehr wahrscheinlich mehrere Ursprünge. Es wurde an diversen Orten gleichzeitig entwickelt. Aus Ägypten und Babylon stammen Funde, die fünf- oder sechstausend Jahre alt sind. Fahrzeuge mit Rädern ersetzten den Schlitten als Beförderungsmittel.

Die ersten Speichenräder baute man etwa 2000 vor Christus.

Nicht ganz so alt sind falsche Zähne. Doch schon um 700 vor Christus füllten die Etrusker unschöne Gebisslücken mit Zahnersatz aus Elfenbein, aus Holz oder mit Gebissteilen von verstorbenen Mitmenschen ...

... und Tieren. Dabei befestigten sie die Ersatzzähne mit Golddraht an den noch vorhandenen Zähnen. Einen Nachteil hatte dieser schicke Ersatz allerdings: Kauen konnte man mit den falschen Zähnen nicht.

Da wir gerade bei Zähnen sind: 1907 erfand der Dresdener Apotheker Ottomar von Mayenburg die Zahnpasta. Unter dem Namen "Chlorodont" wurde sie weltbekannt.

"Chlorodont" bestand aus Bimssteinpulver, Kalziumkarbonat, Seife, Glycerin und Kaliumchlorat und schmeckte nach Pfefferminz. Bis zu Mayenburgs Erfindung war es üblich, sich die Zähne mit einem Pulver auf Kreidebasis zu reinigen und dann mit Mundwasser zu spülen.

Eine weitere Errungenschaft auf dem Gebiet der Hygiene: Das Wasserklosett. Sir John Harington erfand es bereits 1596. Doch anscheinend war die Zeit noch nicht reif für die neue Form der Fäkalienbeseitigung, als der Dichter die erste Toilette auf seinem Anwesen installierte.

Seine Landsleute beurteilten Haringtons Erfindung als schlechten Scherz. Niemand interessierte sich für die Bauanleitung. So geriet das Wasserklosett wieder in Vergessenheit.

Fast 200 Jahre dauerte es dann, bis der Engländer Alexander Cummings ein Patent für seine eigene Ausführung des Klosetts erhielt. Und erst weitere 35 Jahre später, 1810, wurde das erste WC in Betrieb genommen.

Vom stillen Örtchen zum Kreuzworträtsel: Arthur Wynne, amerikanischer Journalist, dachte sich 1913 das erste Kreuzworträtsel aus. Vom Verleger der Tageszeitung "New York World" war er beauftragt worden, sich etwas Besonders für die Weihnachtsausgabe einfallen zu lassen.

Schließlich stellte Wynne das "World-Cross-Puzzle" in Form eines Diamanten zusammen. 1925 druckten fast alle Tageszeitungen, auch in Europa, Kreuzworträtsel.

Beenden wir den Spaziergang so, wie wir ihn begonnen haben: mit der Erfindung einer Frau. 1949, vor ziemlich genau 60 Jahren, bot Herta Heuwer an ihrem Berliner Imbissstand erstmals gebratene Brühwurst mit einer Sauce aus Tomatenmark, Currypulver und Worcestershiresauce an. Seither sind nicht nur Berliner verrückt nach Currywurst.

Heuwer ließ den Namen ihrer Sauce – Chillup – als Marke schützen und lehnte es ab, der Firma Kraft Rezept und Markenrecht zu verkaufen.

Neben Berlin beansprucht auch Hamburg die Erfindung der Currywurst für sich.

Das Ruhrgebiet hält sich raus aus der Debatte. Dort isst man die Currywurst einfach nur sehr gern - nach eigener Rezeptur, übrigens.

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