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Mit dem Antlitz eines Toten: Erfolgreiche Gesichtstransplantationen

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Das Gesicht gilt als Inbegriff der Individualität. (Foto: picture alliance / dpa)

Das Gesicht gilt als Inbegriff der Individualität.

Das Gesicht gilt als Inbegriff der Individualität.

In der menschlichen Wahrnehmung repräsentiert es wie kein anderer Körperteil Charakter, Aussehen und Attraktivität einer Person.

Aus diesem Grund sind großflächige Verletzungen im Gesicht nicht nur auf körperlicher, sondern auch auf seelischer Ebene eine Katastrophe.

Für Angehörige und Mitmenschen ein Anblick, den man nur schwer ertragen kann.

Durch massive Verletzungen im Gesicht scheinen die Menschen nicht nur einen Großteil ihrer Gesundheit, sondern auch ihrer Identität zu verlieren.

Ärzte setzen aus diesem Grund alles daran, um das Leben dieser Patienten wieder lebenswert zu machen.

In aufwendigen Operationen werden Verletzungen in Gesichtern bei einigen Patienten nicht mehr nur so gut es geht mit Eigenhaut und -gewebe wiederhergestellt, sondern große Partien oder ganze Gesichter transplantiert, ...

... erstmals im November 2005 bei Isabelle Dinoire.

Das Gesicht der damals 38-jährigen Französin, das durch den Biss ihres Labrador-Mischlings völlig zerstört worden war, ...

... wurde in einer aufwendigen Operation mit der Gesichtsspende einer hirntoten Frau neu aufgebaut.

Dinoire wurden Nase, Mund, Kinn und Teilen der Wangen verpflanzt.

Die komplizierte Operation wurde mit einer Computersimulation vorbereitet.

Den beiden leitenden Ärzten Jean-Michel Dubernard (r) und Bernard Devauchelle war damals klar, dass die Teiltransplantation eines Gesichtes ethische Fragen aufwerfen würde.

Sie entschlossen sich trotzdem dafür, weil es für die Mediziner der einzige Weg war, der Patientin langfristig zu helfen, und leisteten damit Pionierarbeit.

Kritiker bleiben dennoch bis heute skeptisch - sowohl aus ethischen als auch aus medizinischen Gründen.

Für die Französin ist dieses Gesicht wie ein "zweites Leben". Sie zeigte sich erstmals nach der Operation im Februar 2006 auf einer Pressekonferenz.

Bereits im November 2006 war sie in der Lage, ein wenig zu lächeln. Der Eingriff wurde als großer medizinischer Erfolg gefeiert.

Das Gesicht des Chinesen Li Guoxing wurde im Jahr 2006 in einer Klinik in Xi'an im Nordwesten Chinas durch Transplantate eines Spenders neu aufgebaut.

Bei einem Angriff durch einen Bären war vor allem die rechte Gesichtshälfte des Mannes komplett zerstört worden.

Die Operation dauerte nach Angaben des Krankenhauses 13 Stunden und war die erste erfolgreiche Gesichtstransplantation in China.

Li Guoxing konnte nach der OP wieder feste Nahrung zu sich nehmen.

Er starb allerdings 2008 im Alter von nur 32 Jahren. Sein Tod hatte jedoch, so beteuern die Ärzte, nichts mit der Gesichtstransplantation zu tun.

Es wird vermutet, dass Li statt der Medikamente zur Hemmung der körpereigenen Abwehr Heilkräuter eingenommen hatte und deshalb so früh sterben musste.

Eine nahezu komplettes Gesicht wurde einer US-Amerikanerin im Dezember 2008 in der Cleveland Clinic transplantiert.

Der Ehemann von Conni Culp schoss 2004 bei einem fehlgeschlagenen erweiterten Suizid seiner damals 21-jährigen Frau mit einer Schrotflinte ins Gesicht.

Der Schuss zerstörte die Nase, die Wangen, den oberen Mundbereich und ein Auge komplett.

Insgesamt wurden 80 Prozent des Gesichts einer verstorbenen Frau in einer Operation im Dezember 2008, die 22 Stunden dauerte, verpflanzt. Heute kann Conni Culp sprechen, lächeln, riechen und schmecken. Ihrem Mann hat sie vergeben.

Rafaels Gesicht wurde nicht durch einen Unfall entstellt. Er leidet an einer genetischen Erkrankung - der Neurofibromatose, die im Nervengewebe Tumoren wachsen lässt.

Ihm wurden in einer 30-stündigen Operation im Januar 2010 zwei Drittel des unteren Gesichts ersetzt.

Bei einer Pressekonferenz im Rocio-Krankenhaus in Sevilla bedankte sich der Mann ausgiebig bei Ärzten und Krankenschwestern und zeigte sich zuversichtlich. Er sehe jetzt sogar jünger aus als vorher, erklärte er.

Die Geschichten von Menschen, die sich einer Gesichtstransplantation unterziehen müssen, sind tragisch, ihre Leidenswege oft lang.

Auch Oscar konnte 2010 mit einer Gesichtstransplantation geholfen werden. Vier Monate nach der Operation trat der damals 31-Jährige vor die Presse und bedankte sich bei Ärzten, Pflegern und der Familie des Spenders. Er wird in die Medizingeschichte eingehen: Bei Oscar wurde erstmals weltweit ein Gesicht vollständig verpflanzt.

Der Spanier hatte sich aus Versehen selbst ins Gesicht geschossen. Dabei wurden seine Nase, sein Kiefer, Zähne, Wangenknochen und Augenlider völlig zerstört. Er konnte fünf Jahre lang weder selbstständig atmen noch essen.

Sein Gesicht samt Knochen und Muskeln wurde in einer 24-stündigen Operation im Hospital Vall d'Hebron in Barcelona durch das Spendergesicht ausgetauscht. Abstoßungserscheinungen bekamen die Ärzte mittels Medikamenten in den Griff.

Als "Mann ohne Gesicht" erlangte Dallas Wiens aus den USA traurige Bekanntheit.

Von einer Sekunde auf die nächste wurde das Leben des damals 23-Jährigen ein anderes.

Bei einem Arbeitsunfall wurde der US-Amerikaner von Starkstrom getroffen, sein Gesicht zerschmolz regelrecht. Der Strom verletzte die ganze linke Seite seines Rumpfes und sein Rückgrat schwer.

Trotz der schweren Verletzungen überlebte Wiens den Unfall. Nach zahlreichen Operationen bestand der Bereich, wo normalerweise ein Gesicht ist, nur noch aus verpflanzter Haut. Augen, Nase und Lippen fehlen.

Wiens nahm sich selbst wie einen lebenden Toten wahr. Doch auch ihm konnte geholfen werden.

Mit einer vollständigen Transplantation des Gesichts bekam der Mann 2011 nicht nur ein neues Aussehen, sondern auch ein neues Leben geschenkt.

Ein Team von 30 Personen war daran beteiligt, dem 25-jährigen Texaner ein vollständig neues Gesicht aufzupflanzen.

Das freut nicht nur die behandelnden Ärzte und Pfleger, sondern auch Wiens Tochter Scarlette. Der Mann mit dem Gesicht eines Toten hat im April 2013 erneut geheiratet. Seine Frau lernte er im Krankenhaus kennen. Sie wurde als Brandopfer behandelt.

Auch Carmen Blandin Tarleton (r.) bekam durch eine komplette Transplantation ein neues Gesicht geschenkt.

Und zwar von der an einem Hirnschlag verstorbenen Cheryl Denelli-Righter.

Bei der aufwendigen Operation transplantierte ein Team aus 30 Ärzten im Brigham and Women's Hospital in Boston, Massachusetts innerhalb von 17 Stunden nicht nur das Gesicht, sondern auch Muskeln, Nerven und Sehnen der Spenderin.

Die zweifache Mutter wurde 2007 von ihrem Ehemann mit ätzender Lauge übergossen und dadurch bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Zuvor schlug der Mann aus Eifersucht seiner Frau mit einem Baseballschläger auf den Kopf. Der Mann wurde für diese Tat zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Die Familientragödie, die der ehemaligen Krankenschwester, die auf Transplantationen spezialisiert war, das Gesicht und das Augenlicht nahm, konnte Tarleton trotz aller Schwierigkeiten und einem jahrelangen Leidensweg nicht den Lebensmut nehmen.

Tarleton musste nach der Attacke 55 Mal innerhalb von fünf Jahren operiert werden, bevor sie im Februar 2013 ihr neues Gesicht bekam, mit dem sie sich im Mai 2013 auf einer Pressekonferenz präsentierte. Die Transplantierte zeigte sich dankbar und glücklich.

Auch die Tochter der Spenderin Marinda Righter äußerte ihre Freude über die gelungene Transplantation.

Sie küsste Carmen Blandin Tarleton und sagte: "Ich kann die Haut meiner Mutter wieder fühlen, ich sehe ihre Sommersprossen."

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