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Essen mit Ekelfaktor: Nahrungstabus hier, da und dort

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Es gibt Pflanzen und Tiere, die zwar grundsätzlich essbar sind, jedoch als Nahrungsmittel gemieden werden – zumindest in einigen Kulturkreisen. Was für die einen als Tabu auf dem Teller gilt, ist für andere mitunter eine schmackhafte Delikatesse. Weltweit gelten die Chinesen als das Volk mit den wenigsten Nahrungstabus. In Mitteleuropa sind es die Franzosen. (Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Es gibt Pflanzen und Tiere, die zwar grundsätzlich essbar sind, jedoch als Nahrungsmittel gemieden werden – zumindest in einigen Kulturkreisen. Was für die einen als Tabu auf dem Teller gilt, ist für andere mitunter eine schmackhafte Delikatesse. Weltweit gelten die Chinesen als das Volk mit den wenigsten Nahrungstabus. In Mitteleuropa sind es die Franzosen.

Es gibt Pflanzen und Tiere, die zwar grundsätzlich essbar sind, jedoch als Nahrungsmittel gemieden werden – zumindest in einigen Kulturkreisen. Was für die einen als Tabu auf dem Teller gilt, ist für andere mitunter eine schmackhafte Delikatesse. Weltweit gelten die Chinesen als das Volk mit den wenigsten Nahrungstabus. In Mitteleuropa sind es die Franzosen.

Und auch die Deutschen bereiten traditionellerweise Gerichte zu, bei denen andere der Ekel packen kann.

Ungefähr so wie uns, wenn wir diesen vietnamesischen Köchen über die Schulter schauen.

In Vietnam gehört Rattenfleisch schon seit Jahrhunderten auf den Speiseplan.

Die Zubereitung variiert, meist jedoch wird es gekocht oder frittiert gegessen.

Auch die kleine Schwester der Ratte gelangt in manchen Ländern auf den Teller. Gekocht, gepökelt oder getrocknet werden Feldmäuse im afrikanischen Malawi verzehrt.

Die Tiere werden nach der Mais-Ernte gejagt, wenn sie sich mit Körnern, Gras und Insekten rund gefressen haben. Malawi ist eines der ärmsten Länder der Welt.

Ein anderer Nager gehört schon seit Langem zu den favorisierten Speisen ...

... der peruanischen Hochland-Indianer. Mittlerweile findet sich das Meerschweinchen ...

... auch auf den Speisekarten der Restaurants in Lima.

Wie das Meerschweinchen ist auch der Hund bei uns ein beliebtes Haustier, das als Nahrungsmittel absolut tabu ist. Anders in Korea …

… und China (hier ein Bild von 1993). Im Reich der Mitte sollen die Kaiser schon vor 2000 Jahren Hundefleisch gegessen haben.

Doch bei offiziellen Banketten wird es nicht serviert. Es gilt eher als "Arme-Leute-Essen".

Der Verzehr von Hundefleisch stößt nicht nur bei europäischen Tierschützern, sondern auch in China selbst auf Proteste.

Auch gegen die Tötung von Meeresschildkröten wird vielerorts demonstriert.

Die Schildkrötensuppe wurde im 18. Jahrhundert in Großbritannien erfunden. Sie avancierte alsbald zum Statussymbol für das gehobene europäische Bürgertum. In den 1980er Jahren führten Artenschutzgesetze in Deutschland zu einem Einfuhrverbot für Meeresschildkröten.

In Südamerika und Asien steht Schildkrötenfleisch weiterhin auf dem Speiseplan. Allein in Mexiko werden in der Woche vor Ostern etwa 10.000 Schildkröten verzehrt – trotz Fangverbot. Wasserschildkröten dürfen nämlich auch in der Fastenzeit gegessen werden. Sie gehen in diesem Fall als Fisch durch.

Ebenfalls eine mexikanische Spezialität: Heuschrecken. In anderen Ländern sind sie eine Plage, in Mexiko eine Delikatesse.

Etwas weiter südlich lässt man sich Ameisen auf der Zunge zergehen. Geröstet sind sie in Kolumbien ein beliebter Snack. Kenner essen nur das fleischige Hinterteil der 2,5 Zentimeter großen Exemplare. Die Insekten sollen so ähnlich schmecken wie Popcorn oder Nüsse.

Insekten verzehrt man auch in Asien gern, so zum Beispiel in Kambodscha. Frittierte Grillen werden dort in großen Mengen auf dem Markt verkauft. Geschmacklich sollen die Tiere an Kopfsalat erinnern.

Ebenfalls in Kambodscha im Angebot: geröstete Vogelspinnen. Auch in Laos und Thailand gehören die achtbeinigen Insekten, die vielen von uns schon in ungegartem Zustand einen Schauer über den Rücken jagen, zu den kulinarischen Höhepunkten.

Auch bei unseren mitteleuropäischen Nachbarn gelangen Tiere auf den Teller, die hierzulande nicht jedermanns Sache wären. Wiesenpieper …

… und andere Singvögel werden zum Beispiel in Italien gern gegessen.

Frösche und insbesondere ihre Schenkel ...

... sind in französischen Spezialitäten-Restaurants beliebt.

Seit den 1970er Jahren wurde der besonders fleischige Seefrosch massenweise aus Zentralasien und Osteuropa nach Frankreich exportiert, rund 5000 Tonnen pro Jahr.

Allerdings landete nicht jedes Tier auf dem Teller eines Gourmets. Einige hüpften aus den Froschfarmen davon. Da der Seefrosch sehr konkurrenzstark ist, lange lebt und sich schnell vermehrt, hat er die ursprünglich in Frankreich beheimateten Froscharten fast vollständig verdrängt.

In den USA und Großbritannien sind Frösche ein Nahrungstabu. Schnecken dagegen sind dort ebenso ein Lebensmittel wie in Frankreich oder auch ...

... in Deutschland. Die hier abgebildeten Tiere tummeln sich auf einer Schneckenfarm in Brandenburg, die die Gastronomie beliefert.

Das Judentum lehnt den Verzehr von Schnecken aus religiösen Gründen ab. Von den religiös motivierten Nahrungstabus gibt es noch einige mehr.

So werden zum Beispiel auch Hummer, ...

... Muscheln ...

... und Garnelen, die in Deutschland im Allgemeinen gern verspeist werden, in der Tora als Nahrungsmittel verboten. Im Judentum darf aus dem Meer nur gegessen werden, was Schuppen und Kiemen hat.

Das in Deutschland als Fleischlieferant so beliebte Schwein ...

... ist nach jüdischen Speisegesetzen ebenfalls verboten. Auch im Islam gehört es bekanntermaßen zu den religiös motivierten Nahrungstabus.

In jüdischen Schriften wird auch der Hase als Bestandteil einer Mahlzeit ausgeschlossen. In vielen Teilen der Welt landet er jedoch traditionellerweise immer wieder auf dem Teller.

Manch einen kostet es aber einige Überwindung, Hasenfleisch zu probieren.

Auch Pferdefleisch wird selbst in den Ländern, in denen es offiziell zu den Nahrungsmitteln gehört, oft gemieden. Während es in Deutschland Pferdemetzger gibt und das Fleisch zum Beispiel in Polen, den Niederlanden, Frankreich, Italien und der Schweiz im Supermarkt verkauft wird, zählt es in Großbritannien, den USA und Australien sowie in Judentum und Islam zu den Nahrungstabus.

Nach dem BSE-Skandal wurden auch in Großbritannien Versuche gestartet, Pferdefleisch auf dem Markt zu etablieren. Es war sogar besonders preiswert. Britische Fleischkonsumenten honorierten das Angebot aber nicht.

Der beliebte Rheinische Sauerbraten, heute meist ein Rindfleisch-Gericht, wurde traditionell übrigens aus Pferdefleisch zubereitet.

BSE ließ auch deutsche Verbraucher zunächst seltener zum Rindfleisch greifen. Doch inzwischen liegt der Pro-Kopf-Konsum in Deutschland wieder bei 12 Kilogramm Rindfleisch im Jahr.

Im Hinduismus ist der Verzehr von Rindern verboten. Die Kuh gilt als Verkörperung der Göttin Prithivi Mata, der Mutter Erde. Außerdem sichert der Besitz einer einzigen Kuh den Status vieler indischer Kleinbauern.

Übrigens ist auch die Abkehr vom Kannibalismus streng genommen ein Nahrungstabu.

Archäologische Funde deuten darauf hin, dass Kannibalismus in der Frühgeschichte der Menschheit durchaus verbreitet war. Meist waren es gefangene Feinde, die getötet und gegessen wurden, oder ...

... es handelte sich - wie etwa bei den Azteken - um einen Opferkult.

Mittlerweile ist Kannibalismus in fast allen Kulturen ein starkes Tabu. Akzeptiert wird er nur noch in Extremsituationen, zum Beispiel, wenn es um das Überleben Schiffbrüchiger geht.

Selten, aber durchaus existent sind pflanzliche Nahrungstabus. Beim Stamm der Hua in Neuguinea zum Beispiel dürfen Männer bestimmtes Obst und Gemüse nicht essen. Verboten sind alle Sorten, die mit Weiblichkeit und weiblicher Sexualität in Verbindung gebracht werden.

Solche Pflanzen gibt es natürlich auch in den westlichen Kulturen. Doch dort isst man sie dann als (vermeintliches) Aphrodisiakum besonders gern.

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