Panorama

Kabeldiebe legen Signalsystem lahm200 Verletzte bei Zugunglück

31.01.2013, 15:25 Uhr
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Die meisten Züge in Südafrika sind völlig veraltet. Doch beim jüngsten Unglück liegt die Ursache offenbar nicht in betagter Technik. (Foto: AP)

Mitten im Berufsverkehr krachen in Atteridgeville im Südafrika zwei vollbeladene Pendlerzüge aufeinander. Vermutlich zeichnen Kabeldiebe für die Katastrophe verantwortlich. Das Verkehrsministerium pocht jetzt auf drastische Maßnahmen.

Mehr als 200 Verletzte, immense Sachschäden – das ist die Bilanz eines verheerenden Zugunglücks in Südafrika. In der Nähe der Hauptstadt Pretoria fuhr im morgendlichen Berufsverkehr ein Zug auf einem bereits belegten Gleis in den Bahnhof von Atteridgeville ein. Es kam zum Zusammenprall. An Bord waren etliche Pendler. Wahrscheinlich sind Kabeldiebe für die Katastrophe verantwortlich.

Unter den 200 bis 300 Verletzten gelten 19 Menschen als schwer verletzt. Der Fahrer eines der Züge schwebt in Lebensgefahr. Der Lokführer war zunächst noch in seinem Führerhaus eingeklemmt gewesen. Rettungskräfte mussten das Wrack aufschneiden und konnten ihn erst zwei Stunden nach dem Unfall bergen. Die übrigen Unfallopfer werden in Krankenhäusern in Pretoria oder noch am Unfallort in Atteridgeville, etwa zehn Kilometer westlich von Pretoria, versorgt.

Zuglotsen mussten mit Handzeichen arbeiten

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Schwerverletzte kamen in Krankenhäuser in Pretoria. Leichtverletzte wurde noch am Unfallort versorgt. (Foto: AP)

Das für die Passagierzüge in Südafrika zuständige Unternehmen Prasa Rail nannte als Unglückursache Kabeldiebstahl. Mitarbeiter entdeckten am frühen Morgen, dass 25 Meter Kabel des Signalsystems fehlten. Das teilte Prasa-Rail-Chef Mosenngwa Mofi mit. Dadurch hätten die Mitarbeiter der Kontrollzentren in den manuellen Modus wechseln müssen - also den Lokführern per Handzeichen mitteilen, ob die Strecke frei ist. Was dann konkret der Auslöser für den Unfall war, müsse noch geklärt werden, sagte Mofi.

Womöglich seien die Kabeldiebe anders als sonst nicht an dem wertvollen Kupfer interessiert gewesen, fügte Mofi hinzu. Der Firmenchef vermutete streikende Bahnarbeiter hinter der Tat: "Wir haben den starken Verdacht, dass es mit dem derzeitigen Streik zusammenhängt."

Verkehrsminister will Kabeldiebe härter bestrafen

Verkehrsminister Ben Martins schloss Sabotage nicht aus und kündigte Ermittlungen an. "Es ist Zeit, Kabeldiebstahl als versuchten Totschlag oder versuchten Mord anzusehen", fügte er hinzu. Dazu führe er Gespräche mit der Polizei und dem Justizministerium. Außerdem werde geprüft, ob das begehrte Kupfer durch anderes Material ersetzt werden könne.

Die beiden Züge der zu Prasa Rail gehörenden Tochterfirma Metrorail, die den Vorortverkehr bedient, waren unterwegs ins Zentrum von Pretoria. Die Strecke zwischen Kalafong und der Hauptstadt wird täglich von 20.000 Menschen genutzt. Insgesamt transportieren Südafrikas Vorortzüge jeden Tag mehr als zwei Millionen Vorortbewohner zur Arbeit in die Städte und wieder zurück.

Fuhrpark ist jahrzehntealt

90 Prozent der südafrikanischen Züge sind älter als 50 Jahre, die jüngsten stammen aus dem Jahr 1986. Weil auch die Schienen und Signalanlagen oftmals veraltet sind, kommt es immer wieder zu Unfällen. Zuletzt hatte es 2011 ein schweres Zugunglück gegeben: Im Township Soweto bei Johannesburg wurden 857 Passagiere verletzt, als ein Passagierzug ebenfalls in einem Bahnhof auf einen stehenden Zug auffuhr.

Im Dezember 2012 hatte die Regierung angekündigt, das veraltete Schienennetz mit Milliardeninvestitionen zu renovieren. Prasa-Chef Mofi hatte damals erklärt, die meisten Pendler reisten in den Zügen "wie Vieh".

Quelle: ntv.de, dpa