Panorama

Bahn-Entschädigung bei Attest500 Euro auf die Hand

21.07.2010, 16:02 Uhr

Die Deutsche Bahn zahlt einigen Opfern der Hitze-Pannen in ihren ICE-Zügen 500 Euro Schmerzensgeld. Alle bisherigen Entschädigungszusagen bleiben darüber hinaus bestehen. Bahnchef Grube reicht derweil die Kritik wegen der ausgefallenen Klimaanlagen an die ICE-Hersteller weiter. Hoffnung auf Besserung besteht kaum, es gibt kaum noch Züge in Reserve.

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Die Bergung dieser Person ist zum Glück nur eine Übung. (Foto: dpa)

Die Bahn zahlt Fahrgästen, die in überhitzten Zügen kollabiert sind, jetzt auch ein Schmerzensgeld. Alle Reisenden, die wegen ausgefallener Klimaanlagen ärztlich behandelt werden mussten, erhalten 500 Euro in bar, teilte der bundeseigene Verkehrskonzern in Berlin mit. Die Betroffenen müssten allerdings ein ärztliches Attest vorlegen. Unabhängig davon bleibt es für alle Betroffenen bei der bereits angekündigten Entschädigung in Form von Reisegutscheinen.

Bislang wurden nach Unternehmensangaben etwa 2200 Bahnfahrer mit Gutscheinen im Wert von rund 130.000 Euro entschädigt. Von defekten Klimaanlagen waren vor gut einer Woche an mehreren Tagen die Fahrgäste in etwa 50 Fernzügen betroffen. In einem dramatischen Fall am 10. Juli wurde ein Zug in Bielefeld gestoppt. Mehrere Schüler waren wegen der Hitze im ICE kollabiert. Neun von ihnen kamen ins Krankenhaus.

Mit der jetzt beschlossenen Wiedergutmachung halte die Bahn Wort, sagte Bahnchef Rüdiger Grube. „Leider können wir damit die Vorfälle nicht rückgängig machen, setzen aber alles daran, dies künftig zu verhindern.“ Das Schmerzensgeld liegt über jenen 300 Euro pro Person, die der Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Gerd Billen, als Richtwert genannt hatte.

Nach wie vor gilt: Fahrgäste aus Zügen, deren Klimaanlage komplett ausgefallen ist, erhalten auf Antrag 50 Prozent des gezahlten Fahrpreises als Gutschein. Passagiere, die ärztlich versorgt werden mussten, bekommen 150 Prozent des Fahrpreises als Entschädigung. Bei Verspätungen kämen die üblichen Erstattungen hinzu, stellte die Bahn klar.

Grube und Ramsauer informieren Ausschuss

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Bahnchef Grube gesteht Fehler ein, verwahrt sich aber gegen eine pauschale Verurteilung. (Foto: dpa)

Bahnchef Grube und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) wollen bei einem Treffen am Donnerstag Mitglieder des Bundestags-Verkehrsausschusses über Ursachen und Folgen der Pannenserie informieren. Betroffene Fahrgäste hatten auch das Verhalten einiger Bahnmitarbeiter kritisiert. Gegen den Zugchef des in Bielefeld gestoppten ICE ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf fahrlässige Körperverletzung und unterlassene Hilfeleistung. Es geht um die Frage, ob der Mann den Zug früher hätte anhalten müssen.

Probleme sind nicht neu

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Bei hohen Temperaturen kommt die Bahn ins Schwitzen - und das ist kein "neues Phänomen". (Foto: dpa)

Probleme mit den Klimaanlagen gab es nach Informationen des Berliner „Tagesspiegels“ schon früher. In einer internen Statistik des Unternehmens sei für den Juni 2008 bei durchschnittlich vier der 44 ICE-2-Züge „Klima defekt“ vermerkt. Der Mittelwert für den Juli lag bei drei, für den August bei sieben Zügen. Die Klimaanlagen in ICE-2-Zügen sind nur für Temperaturen bis 32 Grad ausgelegt.

Bislang hat die Bahn von einem neuen Phänomen gesprochen, das es in dieser Häufung zuvor nicht gegeben habe. Die Klimaanlagen des ICE 2 seien bis zur vorvergangenen Woche „völlig unauffällig gewesen“, sagte Bahnchef Grube in einem Interview.

Grube kritisiert ICE-Hersteller

Grube kritisierte unterdessen erneut die Hersteller der ICEs wegen der schlechten Qualität der Fahrzeugflotte. „Wir haben von der Industrie bislang fast nie Züge geliefert bekommen, die auch das geleistet haben, wofür wir bezahlt haben“, sagt Grube dem Magazin „Stern“.

Die Hoffnung auf baldige Verbesserung der Situation ist nach Grubes Darstellung denkbar gering. „Wir setzen alle Züge ein, die wir haben“, sagte der Bahnchef: „Früher konnten wir jeden zehnten Zug in Reserve halten. Aufgrund der zehnmal häufigeren Kontrollintervalle ist die Reserve jedoch geschmolzen.“ Wenn heute ein Zug ausfalle, „haben wir bei den ICEs eben kaum noch Ersatz“.

Die Bahn hat derzeit nicht nur Probleme mit überlasteten Klimaanlagen des ICE 2. Auch die Radachsen des ICE 3 und ICE T müssen nach einem Achsbruch im Juli 2008 häufiger per Ultraschall auf Risse hin kontrolliert werden. Damals war ein ICE in Köln entgleist. Die Kontrollen binden größere Teile der Wartungskapazitäten. „Wir fahren in den Werkstätten einen Drei-Schicht-Betrieb. Keine Frage, die sind stark ausgelastet“, sagt Grube.

Quelle: dpa/AFP