Samstag, 14. Juni 2008
Von der Geschichte freigesprochen: 80 Jahre Che Guevara
Schwer vorzustellen, wie ein ergrauter Che Guevara seinen 80. Geburtstag gefeiert hätte. An diesem Samstag wäre es soweit gewesen. Vielleicht würde er zusammen mit Fidel Castro in einem Sanatorium sitzen, ebenso gebrechlich wie der kubanische Revolutionsführer. Die USA wären sicher noch immer sein liebster Gegner. Aber der kubanische Berufsrevolutionär aus Argentinien wurde am 9. Oktober 1967 von einem bolivianischen Soldaten erschossen und damit als Mythos vom ewig jungen und verwegenen Kämpfer für eine gerechtere Welt unsterblich.
Im kollektiven Gedächtnis politisch linker Lateinamerikaner und weit darüber hinaus geistert der Arzt und Guerillero auch heute noch als eine Art "Jesus mit Knarre" herum, wie Wolf Biermann in seinem Lied "Commandante Che Guevara" einmal dichtete. Seine Kritiker hingegen brandmarken ihn als "stalinistischen Massenmörder" und Vorläufer Osama bin Ladens, weil er mal gesagt haben soll, er hätte nichts dagegen, wenn New York dem Erdboden gleich gemacht werde.
Naiver Krieger
Mit dem tatsächlichen Leben und Wirken des am 14. Juni 1928 in der argentinischen Stadt Rosario geborenen Ernesto Guevara hat die Legende vom modernen Jesus nur in einem, allerdings wichtigen Punkt zu tun: Er setzte sich bis zur Selbstaufopferung für seine Vorstellung von einer gerechteren Welt ein. 1965 gab Guevara, der zusammen mit Fidel Castro 1959 den kubanischen Diktator Fulgencio Batista gestürzt hatte, seine Position als kubanischer Industrieminister auf, um erneut die Revolution nach Afrika und nach Bolivien zu exportieren. Aus heutiger Sicht ein naives Unterfangen.
Guevara war als Kind einer wohlhabenden Familie zunächst alles andere als politisch. Doch dann zog er 1952 und ab 1953 per Motorrad durch Lateinamerika. Bald identifizierte er den US-Imperialismus und den Kapitalismus als Ursache allen Übels und stieß 1955 in Mexiko zur Rebellengruppe um Fidel Castro. Die Härte und Gnadenlosigkeit, die er später im Guerillakrieg bei Hinrichtungen von Verrätern oder Deserteuren an den Tag legte, passen indessen wenig zum heutigen Bild des edlen Freiheitskämpfers.
Zu dem trug viel eher das berühmte Foto bei, das der Fotograf Alberto Korda 1960 aufnahm. Der bärtige Che scheint dabei leicht gedankenverloren in eine ferne Zukunft zu blicken. Zum Teil völlig losgelöst vom historischen Kontext Guevaras steht das Konterfei inzwischen für eine vage Vorstellung von Rebellion und dem Streben nach einer besseren Welt. Und oft ist es auch nur noch ein Werbelogo.
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