Panorama

SchweinegrippeÄrzte rechnen mit Impf-Flop

29.08.2009, 09:09 Uhr

Die Bundesärztekammer erwartet eine niedrige Beteiligung an der geplanten Massenimpfung gegen die Schweinegrippe. "Die Impfaktion wird kein Renner", so der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Montgomery. Eine Umfrage stützt die Vorhersage.

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Ulrich Montgomery (Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Bundesärztekammer erwartet eine niedrige Beteiligung an der geplanten Massenimpfung gegen die Schweinegrippe. "Die Impfaktion wird kein Renner", sagte der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, dem "Focus". "Von jenen, denen das Vakzin empfohlen wird - Übergewichtige, chronisch Kranke, Einsatzkräfte -, wird die Hälfte Folge leisten, in der Gesamtbevölkerung 15 bis 20 Prozent." Für mehr reichten die Kapazitäten auch gar nicht aus, sagte Montgomery. Das Gesundheitsministerium plant mit 64 Millionen Impf-Willigen.

Die ersten Chargen des Impfstoffs gegen den Virus A (H1N1) sollen Mitte Oktober bereit stehen. Montgomery sagte, nach seinen Informationen würden die Pharmafirmen anderthalb bis zwei Millionen Dosen pro Woche ausliefern. "Jeder Impfling erhält zwei Spritzen. Bis Jahresende kann man also vielleicht nur weniger als zehn Millionen Menschen schützen." Befragt nach der Sicherheit des Impfstoffs sagte Montgomery, er wolle niemandem Angst machen, "aber es beunruhigt, dass die Verstärkersubstanz nicht getestet ist".

Die Vorbereitungen und Vorhersagen der vergangenen Wochen bezeichnete Montgomery als "Hysterie". Als Klinikarzt habe er mehrere Dutzend Fälle gesehen, die unter normalen Umständen größtenteils gar nicht in medizinische Behandlung gegangen wären. Deutschland könne allerdings Lehren ziehen für den Fall, dass die "viel gefährlichere" Vogelgrippe (H5N1) doch noch zuschlage. "Dann dürften wir nicht so lange herumdiskutieren," sagte Montgomery.

Die Erwartungen Montgomerys werden gestützt von einer aktuellen Umfrage, nach der sich die Mehrheit der Deutschen nicht gegen die Schweinegrippe impfen lassen. Wie aus der Umfrage des "Spiegel" hervorgeht, wollen sich nur 13 Prozent der Deutschen gegen das Influenza-Virus H1N1 immunisieren lassen. 25 Prozent wollen sich der Impfung "wahrscheinlich" unterziehen. Besonders impfunwillig sind demnach junge Menschen: Bei den 18- bis 29-Jährigen stehen der Impfung nur 28 Prozent positiv gegenüber. Aus dieser Gruppe stammen viele der bisher mehr als 15.000 registrierten Schweinegrippe-Fälle hierzulande.

Quelle: jmü/AFP