Defizite an SchulenAmokgefahr weiter groß
Es ist durchaus möglich, Amokläufe im Vorfeld zu verhindern. Das sagt der Kriminologe Frank J. Robertz gegenüber n-tv.de. Doch er warnt auch.
Es ist durchaus möglich, Amokläufe im Vorfeld zu verhindern. Das sagte der Kriminologe und Sozialpädagoge Frank J. Robertz gegenüber n-tv.de. Zudem beklagte der wissenschaftliche Leiter des Berliner Instituts für Gewaltprävention und angewandte Kriminologie, dass es an den Schulen immer noch zu wenig Psychologen und Sozialarbeiter gibt. Sollte sich dies nicht ändern, sei in naher Zukunft mit weiteren Bluttaten zu rechnen.
"Es kommt darauf an, Warnsignale wie etwa Gewaltzeichnungen, Lobpreisungen vorangegangener Taten oder Androhungen zu erkennen und dann zu prüfen, ob es ein einmaliges Ereignis war oder ob Substanz dahintersteckt", sagte Robertz.
Eine "Abhakliste für Amokläufer" gebe es jedoch nicht. "Was wir uns vielmehr anschauen müssen, ist die Handlungsweise, die Ausdrucksweise, die Phantasien von diesen jungen Männern", so Robertz.
Verhältnis zu schlecht
Robertz zufolge ist die Polizei mittlerweile zwar gut auf Amokläufe vorbereitet und hat aus dem Amoklauf in Erfurt 2002 auch viele Lehren gezogen. Für die Schulen gelte das allerdings nicht. "Wenn wir so weitermachen, dann werden in den nächsten Jahren beständig neue Amokläufe an deutschen Schulen auftreten", befürchtet Robertz.
Notwendig sei eine gute Primärprävention in den Schulen. "So kann soziales Lernen als Schulfach etabliert werden, um gerade jene Faktoren zu stärken, an denen es jugendlichen Amokläufern mangelt": Perspektiven in der Gesellschaft, Möglichkeiten an Anerkennung zu kommen, Verarbeitung von Kränkungen. Allerdings bräuchten die Schulen auch mehr Schulsozialarbeiter und Schulpsychologen. "Bei einer Abdeckung von durchschnittlich 1:16.000 kommt die deutsche Schulpsychologie international nicht in ein gutes Licht", erklärte Robertz. "Niemand kann effektiv 16.000 Schülern helfen."
An die Medien appellierte er, in der Berichterstattung dafür zu sorgen, dass Jugendliche sich nicht so leicht mit den Tätern identifizieren können. "Etwa durch das Verpixeln von Gesichtszügen auf Photos und in Filmen, durch das Weglassen von Namen oder indem keine vorschnellen und vereinfachten Vermutungen zum Motiv geäußert werden. Denn die Motivlage ist stets hochkomplex. Spiegeln wir ihnen dagegen einfache Gründe dann denken sie 'oh, denen ging es wie mir - was die getan haben kann auch für mich eine Lösung sein'."
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