Sonntag, 18. November 2007
Köln entgeht Bluttat: Amoklauf verhindert
Genau ein Jahr nach der Bluttat von Emsdetten hat die Polizei einen Amoklauf an einer Kölner Schule verhindert. Nach einem Tipp von Mitschülern des Georg-Büchner-Gymnasiums konnte sie einen 17-Jährigen und einen mutmaßlichen Komplizen im Alter von 18 Jahren ausfindig machen, wie die Ermittler berichteten. Der jüngere nahm sich das Leben. Er warf sich vor eine Straßenbahn, nachdem ihm die Polizei auf die Spur gekommen war. Der als Mittäter verdächtigte Jugendliche wurde festgenommen. Er legte ein Geständnis ab.
Bei einer Durchsuchung der Wohnung des 17-Jährigen und des 18jährigen Mitschülers entdeckten die Fahnder nach eigenen Angaben mehrere leichte Schusswaffen, eine Armbrust sowie eine Liste mit 17 Vornamen von Lehrern und Schülern, die wahrscheinlich getötet werden sollten. Der Geständige habe erklärt, dass er und sein Mitstreiter Menschen hätten verletzen und umbringen und sich dann selbst das Leben nehmen wollen, sagte der Leiter der Direktion Kriminalität, Norbert Wagner.
Jahrestag von Emsdetten
Das Attentat war laut Wagner für Dienstag geplant, dem ersten Jahrestag des Amoklaufs von Emsdetten, das nördlich von Köln an der Grenze zwischen Nordhein-Westfalen und Niedersachsen liegt. Am 20. November 2006 hatte dort ein schwer bewaffneter 18-Jähriger die Geschwister-Scholl-Realschule überfallen, die er selbst besucht hatte. Nachdem der Jugendliche 37 Menschen teils schwer verletzt hatte, erschoss er sich.
Und wieder Columbine
Am Freitagmittag habe sich die Leitung des Gymnasiums im Stadtteil Weiden an die Polizei gewandt, weil der mutmaßliche Haupttäter Bilder des Amoklaufs im amerikanischen Columbine ins Internet eingestellt habe, berichtete Wagner. Mitschüler hatten die Schulleitung darauf aufmerksam gemacht. Der 17-Jährige habe als Grund Protest gegen solche Taten genannt. In einem Gespräch mit der Polizei habe er Einsicht gezeigt, dass genau dies solche Attentate befördere, und sich einverstanden erklärt, die Bilder wieder von der Seite zu nehmen. Unmittelbar danach habe sich der Jugendliche, der als unauffällig und ruhig beschrieben wurde, auf dem Weg nach Hause vor eine Straßenbahn geworfen, um sich zu töten. Im Zuge weiterer Ermittlungen habe die Polizei den mutmaßlichen Komplizen ausfindig gemacht. Dieser Schüler befinde sich weiter in Gewahrsam. Beide seien Schüler der zwölften Klasse gewesen. Wer die treibende Kraft gewesen sei, stehe noch
nicht fest.
Erinnerungen an Erfurt
Der bisher folgenschwerste Amoklauf an einer deutschen Schule ereignete sich am 26. April 2002 am Erfurter Gutenberg-Gymnasium. Nachdem ein 19-jähriger zwölf Lehrer, eine Sekretärin, zwei Schüler und einen Polizisten erschoss, tötete er sich selbst.
Der Unterricht am Georg-Büchner-Gymnasium fällt am Montag aus.
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