Panorama

Beben erschüttert UnglücksregionArbeiter stirbt im AKW Fukushima

14.05.2011, 11:35 Uhr

Seit über zwei Monaten arbeiten die Reparaturtrupps in der Atomruine Fukushima unter lebensgefährlichen Bedingungen bis zur Erschöpfung. Jetzt ist dabei erstmals ein Arbeiter ums Leben gekommen. Und noch immer wird die Unglücksregion von starken Nachbeben heimgesucht.

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Proteste vor der Tepco-Zentrale in Tokio. (Foto: REUTERS)

Bei den Reparaturarbeiten im havarierten Atomkraftwerk Fukushima ist erstmals ein Arbeiter vermutlich aus Erschöpfung ums Leben gekommen. Der zwischen 60 und 70 Jahre alte Mitarbeiter einer Vertragsfirma kollabierte und verlor das Bewusstsein. Der Mann war gerade mit dem Transport von Materialien an einer Abfallbeseitigungsanlage im AKW beschäftigt, wie der Betreiber der Atomanlage, Tepco, bekanntgab. Radioaktive Substanzen seien an ihm nicht festgestellt worden, auch habe er keine Verletzungen aufgewiesen.

Der Mann hatte seit Freitag in der Atomanlage gearbeitet und zum Zeitpunkt des Unfalls Schutzkleidung getragen, wie der Betreiber weiter mitteilte. Er sei einer Strahlenhöhe von 0,17 Millisievert ausgesetzt gewesen, hieß es. Eine Stunde nach Dienstbeginn am frühen Samstagmorgen sei er kollabiert. Er sei in bewusstlosem Zustand in ein Sanitätszimmer und anschließend in ein Krankenhaus in der Stadt Iwaki gebracht worden, wo sein Tod festgestellt wurde.

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Neue Kühlsysteme werden für das AKW Fukushima gebraucht. (Foto: AP)

Ein Kollege, der an seiner Seite arbeitete, habe nicht über gesundheitlichen Beschwerden geklagt. Es ist der erste Todesfall während der Reparaturarbeiten in dem vom Erdbeben und Tsunami vom 11. März zerstörten Atomkraftwerk. Der Betreiberkonzern Tepco setzte am Samstag seine Arbeit zur Errichtung eines Ersatz-Kühlsystems im Reaktor 1 fort. Dort war ein großer Teil der Brennstäbe geschmolzen.

Hochradioaktive Asche zu Zement verarbeitet

Unterdessen wurde bekannt, dass Ende März in einem Klärwerk der japanischen Hauptstadt Tokio hochradioaktive Asche entdeckt wurde. Die Asche, die eine nicht näher identifizierte Substanz mit einer Radioaktivität von 170.000 Becquerel pro Kilogramm enthielt, stammte aus der Müllverbrennungsanlage des Klärwerks im östlichen Stadtteil Koto, wie die Tageszeitungen "Nikkei" und "Sankei" unter Berufung auf Vertreter der Stadtverwaltung berichten.

Demnach wurde ein Großteil der Asche, die bei der Verbrennung nicht-organischer Abfälle entstand, bereits zu Baumaterial wie Zement weiterverarbeitet. Auch in zwei anderen Kläranlagen in den Stadtteilen Ota und Itabashi sei Ende März Asche mit einer Radioaktivität von 100.000 bis 140.000 Becquerel pro Kilogramm entdeckt worden, heißt es in dem Berichten. Forscher prüften nun, ob es sich bei der Substanz um Cäsium handelt.

Hamaoka vollständig vom Netz genommen

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Das AKW Hamaoka wird heruntergefahren. (Foto: AP)

Das erdbebengefährdete Atomkraftwerk Hamaoka ist inzwischen vollständig vom Netz genommen worden. Die Abschaltung der Atomanlage sei abgeschlossen, sagte ein Sprecher der Betreiberfirma Chubu Electric Power. Ministerpräsident Naoto Kan hatte die Abschaltung gefordert, bis eine höhere Tsunami-Schutzmauer gebaut und andere Sicherheitsvorkehrungen getroffen sind.

Das am Pazifik gelegene AKW befindet sich nahe einer tektonischen Erdplatte. Seismologen warnen, dass in der Region ein schweres Erdbeben überfällig sei. Japanische Atomkraftgegner argumentieren seit langem, dass die seismisch aktive Gegend rund um Hamaoka das AKW zum gefährlichsten in ganz Japan mache.

Weiteres Erdbeben in der Fukushima-Region

Erst am Samstag bebte in der Region Fukushima wieder die Erde. Das Epizentrum lag rund 60 Kilometer nordwestlich der an der Pazifikküste gelegenen Stadt Iwaki. Angaben über mögliche Schäden wurden nicht gemacht. Iwaki liegt in der Präfektur Fukushima. Dort war nach der Katastrophe vom 11. März ein Atomkraftwerk havariert. Das Beben und der darauffolgende riesige Tsunami, der ganze Orte wegspülte, rissen tausende Menschen in den Tod. Nach Behördenangaben liegt die Zahl der Toten oder Vermissten der Katastrophe bei mehr als 24.400.

Quelle: AFP/dpa/rts