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Sonntag, 21. Dezember 2008

Traurige Weihnachten in Haiti: Armut ist größer geworden

"Dieses Jahr ist Weihnachten besonders traurig", sagt Elvira, eine 50-jährige Frau aus der haitischen Hauptstadt Port-au-Prince. Haiti, das ärmste Land Amerikas, dessen Wirtschaft ohnehin zerrüttet ist, leidet in diesem Jahr noch mehr: Im September und Oktober stürzten mehrere Hurrikans das karibische Land noch tiefer ins Unglück. Es kamen mindestens 793 Menschen ums Leben, 300 Einwohner gelten als vermisst, rund 80. 000 Menschen wurden obdachlos. So ist Weihnachten dieses Jahr wohl für die Mehrheit der Haitianer ein Fest, das sie sich einfach nicht leisten können.

Die Lichter der Weihnachtszeit sind in den Straßen der Städte und Ortschaften deshalb nicht zu sehen. In der Hauptstadt gibt es nur einen einzigen großen Christbaum, und der steht vor dem Präsidentenpalast. Ansonsten sind die roten und weißen Weihnachtssterne, die "Nochebuenas", die einzigen bunten Zeugen der Weihnachtszeit. Tannenbäume, oder Bäume, die wie Christbäume aussehen könnten, gibt es nicht, weil die Wälder bis auf kleine Reste abgeholzt wurden.

Not macht erfinderisch

Doch Not macht erfinderisch. Seit neuestem werden an einigen Orten in Port-au-Prince Weihnachtsbäume der besonderen Art verkauft. Sie bestehen aus Hunderten Kiefernzapfen, die von den ausgewachsenen Arcoria-Kiefern oberhalb der Stadt heruntergefallen sind. Sie werden aneinandergebunden und auf einem mit einem Netz versehenen Drahtgestell befestigt, das sich nach oben zuspitzt. Die "Zapfenbäume" sind zwischen 60 Zentimeter und zwei Meter hoch. Kostenpunkt: bis zu 200 Dollar.

Diese Bäume können sich nur wohlhabende Haitianer und Ausländer leisten. Letztere sind in Haiti, um dem Land zu helfen, einen Ausweg aus der Katastrophe zu finden. Für die meisten Haitianer ist der Gang zur Weihnachtsmette das einzige, was sie an das wichtigste katholische Fest erinnert. Dass sie sich mal den Bauch vollschlagen können, wie vielleicht in früheren Zeiten, dürfte dieses Jahr ein Traum bleiben.

Kein Geschenk unter dem Baum

"Die Misere ist der Normalzustand", erklärt der Chef der Deutschen Welthungerhilfe, Michael Kühn. Besonders schlimm ist die Lage für Kinder. "Vier von zehn Kindern in Haiti sind unterernährt. Sie leben unter der Armutsgrenze", beschreibt er die Lage. "Ihre Lage ist Besorgnis erregend." Deshalb seien die internationalen Hilfsorganisationen seit einiger Zeit dazu übergegangen, insbesondere den notleidenden Kindern bis zu fünf Jahren zu helfen und ihnen Lebensmittel zukommen zu lassen.

Eine Untersuchung der Welthungerhilfe ergab, dass in dem Ort Grison Garde im Norden des Landes die Einkommen auf unter einen Dollar gesunken sind. Die Armut ist größer geworden. Nur ganz wenige Kinder in Haiti werden am Heiligabend unter einem Christbaum ein Geschenk finden.

Franz Smets, dpa

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