Panorama

Anwalt kämpft um Entschädigungen"BP hat Amerika geschadet"

14.05.2010, 09:18 Uhr
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In den USA formiert sich Widerstand gegen BP und Offshore-Bildungen. (Foto: AP)

Nach der verheerenden Ölpest im Golf von Mexiko will Rechtsanwalt Kuykendall den Ölriesen BP "zur Rechenschaft ziehen". Er erwartet, dass BP am Ende die höchste Schadensersatzzahlung leisten muss, die es je in den USA gegeben hat - wenn nicht sogar die höchste weltweit.

British Petroleum und Transocean haben den Profit höher bewertet als die Sicherheit, sagt Frederick T. Kuykendall, ein Rechtsanwalt aus Baltimore, "und dafür möchten wir sie zur Rechenschaft ziehen." Kuykendall vertritt Opfer der Ölpest am Golf von Mexiko, wie zum Beispiel Fischer entlang der Küste. Für den Anwalt steht außer Frage, dass BP am Ende zahlen wird. "Wir werden BP dazu anhalten, ihren Pfichten nachzukommen. Aber wenn sie das nicht tun, werden die amerikanischen Strafverteidiger sie dazu zwingen."

n-tv.de: Herr Kuykendall, Sie sind Anwalt der Opfer der Ölpest. Was glauben Sie, können die Menschen als Entschädigung erwarten? Werden Sie am Ende wirklich Geld sehen?

Frederick T. Kuykendall: Natürlich! BP hat deutlich gemacht, dass sie alles tun wollen, um den Leuten hier ihre Ausfälle zu ersetzen, obwohl es eine Obergrenze von 75 Millionen Dollar für den direkten Schadensersatz gibt, wozu auch noch die Zahlungen für sämtliche Aufräumarbeiten addiert werden müssen. Präsident Obama hat vergangene Woche auch klar gesagt, dass er da Druck ausüben wird. Allerdings muss hinter den Kulissen einiges getan werden, um sicherzustellen, dass BP seiner Pflicht auch nachkommt. Das wird am Ende wahrscheinlich die höchste Schadensersatzzahlung sein, die es je in den USA gegeben hat - wenn nicht sogar die höchste weltweit. Das hängt natürlich davon ab, ob und wo Öl an Land gelangt, wer alles betroffen sein wird und ob es BP gelingt, das Auslaufen bald zu stoppen. Ich vermute, dass die Summe etwa zwischen 20 bis 50 Milliarden US-Dollar betragen wird.

Diese Summen werden aber wohl nicht in diesem Jahr fließen, sondern vermutlich auch in späteren Jahren?

Ich glaube, dass die Langzeitfolgen dieses Ölteppichs uns ein Jahrzehnt lang beschäftigen werden.

Denken Sie, dass BP sich wirklich an sein Versprechen halten wird, alle Ausfälle zu kompensieren? Bei dem Fall der Exxon-Valdez-Katastrophe gibt es Menschen, die bis heute - 20 Jahre danach – noch immer kein Geld gesehen haben.

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Noch sind die Schäden nicht zu beziffern. (Foto: AP)

Lassen Sie mich es so sagen: Das System in den Vereinigten Staaten ist darauf ausgelegt, Menschen, die falsch gehandelt haben, verantwortlich zu machen. Ich bin einer der Anwälte, die genau das zu tun versuchen. Wenn BP seinen Verpflichtungen nicht nachkommen wird, werden sie dafür vor Gericht zur Verantwortung gezogen werden. In dieser Woche hat BP etwa Fischern versprochen, dass sie sich an den Aufräumarbeiten beteiligen können und dafür dann bezahlt werden. Allerdings hat BP entschieden, dass diese Helfer dann keinen Anspruch auf Schadensersatz mehr haben sollen. Ich und einige andere Anwälte haben vor Gericht erwirken können, dass die Formulierung aus den Arbeitsverträgen mit den Fischern entfernt wird, die das ermöglichen sollte. Meine Antwort auf Ihre Frage lautet, um es mit Ronald Reagan zu sagen: 'Man muss vertrauen können, aber es auch überprüfen.`Wir werden BP dazu anhalten, ihren Pfichten nachzukommen. Aber wenn sie das nicht tun, werden die amerikanischen Strafverteidiger sie dazu zwingen.

Also werden Sie wohl gut zu tun haben. Ihr Beispiel zeigt ja, dass BP offenbar alles versucht, um die eigenen Ausgaben gering zu halten.

Also, BP's Geschäft ist es, Gewinne einzufahren. Aber sie haben auch eine Verpflichtung gegenüber den Menschen, die ihre Ware kaufen. Lassen sich mich Ihnen ein Beispiel nennen, wie BP und Transocean, der Betreiber der Bohrinsel, versuchen, an jeder Ecke zu sparen: Der sogenannte akustische Schalter, eine Sicherheitsvorrichtung, die die Katastrophe hätte verhindern können, ist etwa in Norwegen oder Brasilien strikt vorgeschrieben. Diese Vorrichtung wäre verfügbar gewesen, hätte Transocean aber 500.000 Dollar gekostet. Soviel kostet BP allerdings die Miete der Bohrinsel für einen einzigen Tag. Um einen Akustik-Schalter anzuschaffen, hätte Transocean also auf nur eine einzige Tagesmiete verzichten müssen. Die Vorrichtung ist in den USA zwar nicht vorgeschrieben, aber viele Konkurrenz-Unternehmen verwenden sie trotzdem. Das Beispiel zeigt, dass BP und Transocean Profit höher bewerten als Sicherheit. Dafür möchte ich sie zur Rechenschaft ziehen.

BP hat in der Vergangenheit versucht, sich mit aufwendigen Werbekampagnen ein umweltfreundliches Image zu geben. Motto "It’s a start!" Wie bewerten Sie das im Nachhinein?

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Der Präsident von BP Amerika, Lamar McKay, schwört bei einer Anhörung vor dem Senat. (Foto: REUTERS)

Nun, BP ist ein Unternehmen. Ein Unternehmen ist ein seelenloses Gebilde. Es hat keine Seele, seine Seele ist Geld. Nur deswegen betreibt ein Unternehmen Geschäfte. BP ist in einer der gewinnträchtigsten Branchen der Welt tätig. Sie nehmen bis zu 10 Milliarden Dollar pro Quartal ein. Und das in einer Zeit, in der der Rest der Weltwirtschaft enorm schwächelt. Sie haben den einfachen Menschen hier vor Ort Schaden zugefügt und nun werden wir das Geld zurückholen, dass diese Leute verloren haben. Die Gegend hier am Golf von Mexiko ist wirtschaftlich bedeutend und sensibel. Von hier stammen 75 Prozent der in den USA gefangenen Fische und Meeresfrüchte, hier werden 30 Prozent des amerikanischen Öls gefördert. BP hat Amerika geschadet und wir Anwälte werden uns dafür einsetzen, dass das Geld, das hier am Golf verloren gegangen ist, den Menschen zurückgegeben wird, die so gelitten haben.

Es sind nicht nur Fischer betroffen, sondern etwa auch Menschen, die in der Tourismusbranche arbeiten. Insgesamt betrachtet also nicht unbedingt zahlungskräftige Kreise. Müssen ihre Klienten für ihre Anwaltskosten selber aufkommen? Können die sich das leisten?

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Trotz aller Bemühungen ist die Ölpest bislang noch nicht eingedämmt. (Foto: AP)

In den USA gibt es einzigartiges System, wie Anwälte entschädigt werden. Das funktioniert so: Ich vertrete einen Klienten, aber dieser Klient muss nicht für mich zahlen. Er zahlt auch nicht für die Gutachter, die ich beauftrage. Mein derzeitiger Gutachter hat übrigens schon seinerzeit den Exxon-Valdez-Vorfall untersucht. Allein die Kosten für uns beide betragen mehrere Millionen. Aber - wenn die Klage keinen Erfolg hat, werden weder ich, noch der Experte entschädigt. Die BP-Anwälte hingegen bekommen jeden Tag ihr Gehalt. Ich bekomme nur Geld, wenn ich den Prozess gewinne.

Und davon gehen Sie aus?

Den werde ich gewinnen, das steht für mich außer Frage.

Mit Kuykendall sprach n-tv-Korrespondent Christian Wilp in Dauphin Island, Alabama.