Panorama

Geheime StörfallanalyseBahn kämpft mit Ausfällen

20.07.2010, 19:40 Uhr

Wie heiß darf es in einem ICE sein? Egal ob nun gefühlte 70 oder gemessene 61 Grad Celsius – beide Werte dürften sehr hoch über dem Erträglichen liegen. Der bundeseigene Konzern, der Berichte über derartige Temperaturen in Fahrgasträumen vehement zurückweist, hat aber noch eine ganze Menge anderer „hitziger“ Störungen zu beklagen.

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Getränkewerbung auf dem Berliner Hauptbahnhof. (Foto: dpa)

Die Bahn hat offenbar neben dem Ausfall etlicher ICE-Klimaanlagen noch mit zahlreichen anderen Störungen zu kämpfen. So seien etwa am vergangenen Freitag mehr als 200 Störfälle bei Signalen, Weichen und in Stellwerken aufgetreten, berichtete das ZDF unter Berufung auf interne Unterlagen der Deutschen Bahn. Nach Angaben des Senders soll es in einem überhitzten ICE bis zu 70 Grad heiß gewesen sein. Dies nannte der bundeseigene Konzern allerdings „in keiner Weise nachvollziehbar“.

Am 10. Juli waren in einem ICE mehrere Schüler kollabiert, neun von ihnen wurden in Bielefeld ins Krankenhaus gebracht. Wie das ZDF berichtete, ergab eine „interne Störfall-Analyse“ der Bahn, dass die Temperatur in den Wagen auf mehr als 70 Grad Celsius gestiegen sein dürfte. Die Bahn entgegnete, es lägen „keinerlei Anhaltspunkte“ dafür vor, dass in dem ICE 846 Temperaturen um 70 Grad gemessen worden seien. Anders als dargestellt seien Temperaturen von bis zu 61 Grad im Energieversorgungsblock der Klimaanlage festgestellt worden, teilte die Bahn mit. „Dieses Aggregat befindet sich jedoch außerhalb des Fahrgast-Innenraums an der Unterseite des Zuges.“ Ein Bahnsprecher verwies darauf, dass Bahn und Bundespolizei ermittelten. „Die Vorfälle werden also lückenlos aufgeklärt.“

Nach Angaben der Bahn wurden in den vergangenen anderthalb Wochen „wegen Störfällen an der Klimaanlage rund 50 Züge gestoppt oder ausgesetzt“. Die Klimaanlagen in ICE-2-Zügen sind nur für Temperaturen bis 32 Grad ausgelegt.

Von Betriebsstörungen am vergangenen Freitag seien 670 Züge betroffen gewesen, berichtete das ZDF weiter. Die Bahn teilte mit, tatsächlich sei es am Freitag „aufgrund der Witterungsverhältnisse“ zu mehr Störungen im Netz gekommen. Zu internen Zahlen äußere sich das Unternehmen grundsätzlich nicht. Das ZDF stufte den Freitag als „ganz normalen Verkehrstag“ ein. Tatsächlich war er ein heißer Sommertag, am späten Abend örtlich mit Gewittern, Hagel und starken Regenfällen. Ohne S-Bahnen sind in Deutschland täglich rund 2200 Personenzüge unterwegs.

Quelle: dpa/AFP