Zugausfälle bleiben unerwähntBahn legt Pünktlichkeit offen

Die Deutsche Bahn führt schon länger intern eine Statistik über die Pünktlichkeit ihrer Fernzüge, hält diese jedoch bislang unter Verschluss. Nun veröffentlicht sie erstmals die Zahlen. Kunden können ab sofort online einsehen, wie pünktlich die Nah- und die Fernverkehrszüge sowie der gesamte Personenverkehr in einem Monat war.
Die Deutsche Bahn legt erstmals die Pünktlichkeit ihrer Züge offen. Monatlich soll die Statistik nun aufgeschlüsselt nach Nah- und Fernzügen im Internet abrufbar sein. "Die Zahlen in diesem Jahr zeigen, dass wir deutlich pünktlicher unterwegs sind, als uns von Kritikern vorgeworfen wird", sagte Bahn-Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg.
2011 war etwa jeder fünfte Fernzug unpünktlich. Im Januar erhöhte das Winterwetter, im Juni der Brand eines Stellwerks die Quote etwas. Als pünktlich gilt ein Zug mit weniger als sechs Minuten Verspätung. Zugausfälle tauchen in der Statistik allerdings nicht auf und werden auch in die Pünktlichkeit nicht eingerechnet. Laut Homburg fällt weniger als ein Zug von hundert aus. Ziel der Bahn sei es, dass dauerhaft mehr als 80 Prozent der Fernzüge und 93 Prozent der Züge insgesamt pünktlich seien.
Eigene Erhebungen der Stiftung Warentest
Die Bahn führt seit Langem intern Statistik über die Pünktlichkeit ihrer Fernzüge, hielt diese jedoch bislang unter Verschluss. Immer wieder sickerten aber Informationen über Verspätungen durch. Die Stiftung Warentest machte auch eigene Erhebungen. Berichte über die Pünktlichkeit von IC und ICE konterte das Unternehmen meist mit einer Gesamtpünktlichkeitsquote, die praktisch immer klar über 90 Prozent liegt. Darin sind aber auch Regionalzüge und S-Bahnen enthalten, die in Takten von wenigen Minuten fahren und den Großteil des Personenverkehrs ausmachen.
Gemessen wird die Pünktlichkeit an jedem Halt eines Fernzuges und an einer ausgewählten Zahl von Stationen des Nahverkehrs. Hat ein Zug also an einem von fünf Haltepunkten eine Verspätung von mehr als sechs Minuten, so geht dies mit einer Pünktlichkeitsquote von 80 Prozent in die Statistik ein.
Informationen sollen zuverlässiger werden
Bereits in der Vergangenheit konnten Bahn-Kunden im Internet ablesen, ob ihr Zug voraussichtlich pünktlich an ihrer Station ankommt. Homburg kündigte an, diese Informationen sollten künftig noch zuverlässiger werden.
Homburg wies zudem daraufhin, dass extremes Wetter, der zunehmende Diebstahl von Kupferkabeln und Selbstmorde auf Schienen der Bahn erheblich zu schaffen machten. Auch der zunehmende Verkehr auf der Schiene mache sich bemerkbar. Zudem würden im Zweifel Anschlusszüge für die Kunden warten, auch wenn diese dann selbst unpünktlich würden.