Mittwoch, 08. Juli 2009
Kirchen protestieren: Bank verleiht Geld gegen Seele
Wer als Lette Geld braucht, aber keine Sicherheiten bieten kann, hat nun die Möglichkeit, seine Seele zu verkaufen.
Für schlappe 365 Prozent Jahreszins und die eigene Seele bekommt man als Lette nun einen Kredit.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Das Angebot eines lettischen Kreditunternehmens an seine Kunden, als Sicherheit für geliehenes Geld ihre Seele zu verpfänden, sorgt derzeit bei den Kirchen des baltischen Staates für scharfe Proteste.
"Wir nehmen den Fall sehr ernst", sagte Kardinal Janis Pujats. Das Oberhaupt der katholischen Landeskirche forderte gemeinsam mit seinen russisch-orthodoxen und lutherischen Kollegen, das Innenministerium müsse den Vorgang förmlich untersuchen. Die Kirchenväter vermuten, dass hinter dem Vorschlag "Satanisten und nicht nur zynische Geldverleiher" stehen.
Jahreszins von 365 Prozent
Allerdings ist nicht nur der Seelenpfand ein dicker Happen: Das Unternehmen Kontora mit Sitz in Riga bietet derzeit allen Bürgern, die knapp bei Kasse sind, Kredite zwischen umgerechnet 70 und 700 Euro zum Jahreszins von 365 Prozent an. Einzige Bedingung, so schreibt es auf seiner Internetseite, sei, dass der Antragsteller zur Verpfändung seiner Seele bereit sei.
"Das ist nur fair", verteidigte ein anonymer Mitarbeiter gegenüber der russischsprachigen Lokalzeituntg "Westi Segodna" das unmoralische Angebot. "Jeder, dem seine Seele teuer ist, wird sich bemühen das Geld zurückzuzahlen". Ob Kontora mit dem Angebot bereits Kunden gewinnen konnte, ist aber unklar.
Lettland ist von der internationalen Finanzkrise besonders schwer getroffen: Seiner Wirtschaft wird dieses Jahr ein Rückgang um 18 Prozent vorhergesagt.
tis/AFP
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