Antisemitischer Mord in Frankreich"Barbaren" erhalten härtere Strafe
Sieben der insgesamt 18 Mörder des 23-jährigen Ilan Halimi erhalten im Berufungsprozess härtere Strafen. Die Strafe des Haupttäters konnte nicht mehr verschärft werden.
Im Berufungsprozess um den brutalen Mord an einem jungen Juden in Frankreich hat das Schwurgericht im Pariser Vorort Creteil die Strafen für sieben der 17 Angeklagten verschärft. In zehn Fällen verhängte das Gericht nach einem zweimonatigen Prozess die gleichen Strafen, wie sie beim ersten Prozess ausgesprochen worden waren. Den Angeklagten, 18 Mitgliedern der so genannten "Bande der Barbaren", wurde zur Last gelegt, den 23 Jahre alten Ilan Halimi im Januar 2006 entführt und drei Wochen lang gequält zu haben.
Anschließend legten ihn seine Peiniger nackt, geknebelt und voller Brandwunden nahe eines Bahndamms ab. Der junge Mann starb, während er in ein Krankenhaus gebracht wurde. Die Tat hatte über Frankreich hinaus Entsetzen und Abscheu hervorgerufen.
In erster Instanz war der Hauptangeklagte Youssouf Fofana im Juli 2009 von einem Pariser Gericht zu lebenslanger Haft mit 22 Jahren Sicherungsverwahrung verurteilt worden - der höchsten Strafe, die das französische Gesetz vorsieht. 24 Komplizen erhielten Haftstrafen zwischen einem halben Jahr auf Bewährung und 18 Jahren, zwei Angeklagte wurden freigesprochen. Die Familie des Opfers hatte eine Reihe der Strafen als zu milde kritisiert. So kam ein zur Tatzeit 17 Jahre altes Mädchen, das den jungen Mann in die Falle gelockt hatte, mit neun Jahren Haft davon.
Die Strafe für das Mädchen wurde nun nicht erhöht, wie der Anwalt der Opferfamilie sagte. Dagegen wurde die Strafe für einen jungen Mann, der als zweiter Anführer der Gruppe galt, verschärft. Die damalige Freundin des Opfers sagte, die Strafen hätten letztlich wenig Bedeutung. "Am härtesten bin ich bestraft worden, für den Rest meines Lebens." Die am Freitag ausgesprochenen Strafen gehen von acht Monaten bis 18 Jahren Haft, ein Angeklagter wurde freigesprochen.
Nach Angaben einiger Mittäter der "Bande der Barbaren" entführte die Gruppe gezielt einen Juden, weil sie bei ihm "viel Knete" vermutete. Sie forderten Lösegeld von der Familie, das nie gezahlt wurde. Um den Druck auf die Angehörigen zu erhöhen, unterzogen die Peiniger den 23-Jährigen während der Geiselhaft einem regelrechten Martyrium. Neben der Familie des Opfers hatten auch jüdische Organisationen die in erster Instanz verhängten Strafen als zu milde kritisiert; einige von ihnen sahen auch das antisemitische Motiv der Tat nicht stark genug berücksichtigt.
Die Berufung wurde von der Generalstaatsanwaltschaft eingelegt: Sie forderte eine Überprüfung aller Urteile, die unter den Strafmaßforderungen der Staatsanwaltschaft geblieben waren. Der Haupttäter Fofana war damit von dem Berufungsprozess nicht direkt betroffen.