Panorama

Bienensterben verursachtBayer zahlt zwei Millionen

25.06.2008, 19:50 Uhr

Nach dem Bienensterben am Oberrhein will der Hersteller des umstrittenen Pflanzenschutzmittels Hunderten von Imkern Ausgleichszahlungen bieten. "Zu wenig", kritisiert der Badische Imkerverband.

Nach dem Bienensterben am Oberrhein will der Hersteller eines umstrittenen Pflanzenschutzmittels Hunderten von Imkern Ausgleichszahlungen für ihre zerstörten Insektenvölker bieten. Insgesamt will Bayer CropScience zwei Millionen Euro für die Bienenzüchter zur Verfügung stellen. "Zu wenig", kritisierte der Badische Imkerverband. Mit dem Geld könnten die Kosten der Züchter nicht annähernd ersetzt werden.

Dagegen zeigte sich die Landesregierung zufrieden. "Wir konnten uns mit der Herstellerfirma des Pflanzenschutzmittels Poncho Pro auf den Umfang der Ausgleichszahlungen für die betroffenen Imker einigen", teilte der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) mit.

Das staatliche Julius-Kühn-Institut hatte den Wirkstoff von Poncho Pro (Clothianidin), mit dem Maissaatgut behandelt wurde, für das Bienensterben verantwortlich gemacht. Die bei der Aussaat des Saatgutes entstandenen clothianidinhaltigen Stäube seien über Pflanzen auf die Bienen gelangt.

Mehr als 700 Imker betroffen

Vom Massensterben der Bienen sind nach Angaben des Ministers mehr als 700 Imker mit knapp 11 500 Bienenvölkern betroffen. "Der Schädigungsgrad der Völker ist sehr unterschiedlich", sagt Hauk. Mit den Ausgleichszahlungen soll für den direkten Schaden an den Völkern ebenso aufgekommen werden wie für einen Neukauf von Bienen und für die entgangenen Erträge aus der Honigernte. "Mit den nun zur Verfügung stehenden Mitteln kann ein fairer Ausgleich für die entstandenen Schäden der Imker erreicht werden", sagte Hauk.

Das sehen die Imker anders: "Das Angebot ist unterm Strich nicht ausreichend, es muss dringend überarbeitet werden", forderte der stellvertretende Landesvorsitzende der badischen Imker, Manfred Raff, in Linkenheim-Hochstetten.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hatte am Mittwoch rund sechs Wochen nach dem Stopp für mehrere Pflanzenschutzmittel einige der Stoffe zur Behandlung von Rapssaatgut mit Auflagen wieder in Kraft gesetzt. Mitte Mai war die Zulassung für insgesamt acht Saatgut-Schutzmittel wegen des Bienensterbens auf Eis gelegt worden. "Da beim Rapssaatgut das als Ursache des Bienensterbens festgestellte Ausbreiten des Wirkstoffs in die Umgebung verhindert wird, kann das BVL die Behandlung von Rapssaatgut mit Insektiziden nun wieder zulassen", teilte die Behörde mit. Künftig dürfen die Saatgut-Mittel Antarc, Chinook, Cruiser OSR und Elado wieder angewendet werden. "Maissaatgut darf auch weiterhin nicht mit Insektiziden behandelt werden", betonten die Experten des Bundesamtes. Die Zulassung der Bayer-Chemiekalie Poncho Pro ruht folglich weiter.