Freitag, 11. Mai 2007
Gegen den Hedonismus: Benedikt in Brasilien
Papst Benedikt XVI. hat bei seinem Besuch in Brasilien die Abwanderung von immer mehr Gläubigen aus der katholischen Kirche in Lateinamerika beklagt. Dies sei ein "Grund zu echter Besorgnis", sagte er bei einem Treffen mit brasilianischen Bischöfen am Freitag in So Paulo. Zugleich warf er protestantischen Freikirchen und Sekten vor, "aggressive" Abwerbung der Katholiken zu betreiben. Erneut verteidigte er das Gebot der Ehelosigkeit für Priester.
Zuvor hatte Benedikt XVI. bei einer Messe unter freien Himmel den "Hedonismus (Streben nach Sinnenlust und Genuss) unserer Zeit" kritisiert und die Menschen zur sexuellen Enthaltsamkeit vor der Ehe aufgerufen. Den Massenmedien warf er vor, sie würden das Keuschheitsgebot der katholischen Kirche "ins Lächerliche ziehen".
Ursache der Abkehr von der katholischen Kirche sei oftmals ein "schwacher Glaube" sowie mangelnde religiöse Bildung, die die Menschen zu leichten Opfern "des Agnostizismus (Unglaube) und des Relativismus" machten, sagte der deutsche Papst. Allerdings müsse sich die Kirche auch Solidarität mit den Armen üben. "Die armen Menschen am Rand der Städte und auf dem Land müssen die Nähe der Kirche spüren."
Die Abkehr von der katholischen Kirche und der Zulauf für Freikirchen und Sekten ist in vielen lateinamerikanischen Ländern seit Jahrzehnten ein Problem. In Brasilien sind Umfragen zufolge derzeit nicht einmal mehr 75 Prozent der Einwohner katholisch. Vor rund 25 Jahren waren es noch über 90 Prozent. Das Problem ist auch Hauptthema bei der Sitzung der Lateinamerikanischen Bischofskonferenz in dem Wallfahrtsort Aparecida, die der Papst am Wochenende eröffnet.
Zum Thema Zölibat meinte der Papst, es handele sich um "ein Geschenk der Kirche, das die Kirche bewahren will, weil sie überzeugt sei, dass dies gut für sie und für die Welt ist". Aufgabe der Kirche sei es, "die fundamentalen moralischen Werte, wie sie in der biblischen Tradition überliefert werden, gegen die Zerstörung in einer Kultur des Relativismus und des Konsumismus zu verteidigen".
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