Panorama

Angst, dass die Stimmung kipptBergleute über Zeitplan informiert

26.08.2010, 07:47 Uhr
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Ercilia Carrizo Munoz zeigt das Bild ihres Sohnes Esteban Rojas Carrizo, der noch bis Weihnachten ausharren muss. (Foto: AP)

In vier Monaten ist Weihnachten. Bis dahin sollen die eingeschlossenen Bergleute in Chile befreit werden. Erst jetzt erfahren sie von dem Zeitplan. Die chilenischen Behörden erwarten, dass die Stimmung nun schlechter wird. Mit Bewegungsspielen und Singen sollen die Kumpel bei Laune gehalten werden. Unter ihnen ist ein Ex-Fußballprofi.

Die in einem Bergwerk in Chile verschütteten 33 Bergleute haben erfahren, dass sie noch Monate auf ihre Rettung warten müssen. Den Verschütteten sei mitgeteilt worden, "dass wir hoffen, Weihnachten mit ihnen zusammen zu sein", sagte Gesundheitsminister Jaime Mañalich. Er erwarte, dass die Stimmung bei den seit dem 5. August eingeschlossenen Minenarbeitern nun schlechter werde.

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33 Fahnen erinnern an die eingeschlossenen Bergleute. (Foto: AP)

Den Verschütteten sei gesagt worden, dass eine Rettung vor dem chilenischen Nationalfeiertag am 18. September auf keinen Fall möglich sei, sagte Mañalich. Als Ziel sei den Bergleuten genannt worden, sie bis Weihnachten zu befreien. Mañalich räumte ein, dass dies "immer noch ein großes Zeitfenster" für den Zeitpunkt ihrer Befreiung sei, der aber nach und nach genauer bestimmt werden könne.

"Depressionen, Angst und Niedergeschlagenheit"

Die 33 Bergleute sitzen seit dem 5. August in knapp 700 Metern Tiefe fest. Damals stürzte die kleine Gold- und Kupfermine San José am Rand von Copiapo in der Atacama-Wüste, etwa 850 Kilometer nördlich der Hauptstadt Santiago, ein. Dass die für ihre Rettung notwendige Bohrung eines neuen Schachts voraussichtlich drei bis vier Monate dauern wird, wussten die Verschütteten bislang nicht. Mit der Bohrung des Rettungsschachts soll in den nächsten Tagen begonnen werden.

Bislang sei bei den 33 Verschütteten keine Verschlechterung der Stimmung festzustellen, sagte der Gesundheitsminister. "Es wäre jedoch naiv anzunehmen, dass sie fähig sein werden, ihren unglaublichen Lebensmut zu bewahren, den sie jetzt schon so lange gezeigt haben." Er erwarte, dass die nach dem ersten Kontakt am Sonntag unter den Verschütteten entstandene Euphorie nun in "Depressionen, Angst und Niedergeschlagenheit" umschlage. Am Sonntag wurde der erste Kontakt zu den Verschütteten hergestellt, am Tag darauf wurden die Kumpel über ein acht Zentimeter dünnes Rohr erstmals mit Vorräten versorgt.

"Aus dieser Hölle herauskommen"

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Die 33 Bergleute müssen wohl noch länger unter der Erde ausharren. (Foto: REUTERS)

Die Regierung bereitet nun ein medizinisches und therapeutisches Programm vor, um die Bergleute zu unterstützen. Jeden Tag sollen Ärzte die Männer befragen, zudem sind Bewegungsspiele und andere Beschäftigungen wie Singen geplant, wie Mañalich erklärte. Neben Medikamenten, Nahrungsmitteln, Stiften und Spielkarten erhalten die Männer über das dünne Rohr auch Post von ihren Familien.

Bevor die Arbeiter über ihre langwierige Rettung informiert wurden, flehten sie in einem Telefonat mit Chiles Staatschef Sebastián Piñera um rasche Hilfe. "Wir hoffen, dass ganz Chile sich anstrengen wird, damit wir aus dieser Hölle herauskommen", sagte der Vorarbeiter Luis Urzua. "Sie werden nicht alleingelassen, und sie wurden nicht eine Sekunde alleingelassen", versicherte Piñera dem Arbeiter. "Das ganze Land ist bei Ihnen und ich möchte Ihnen versichern, dass Ihre Familien begleitet und unterstützt werden." Piñera sprach vom Präsidentenpalast aus über Funktelefon mit dem Sprecher der Arbeiter, zu denen ein Kabel in die Tiefe führt.

Ex-Nationalspieler betroffen

Unter den Minenarbeitern befindet sich auch der chilenische Ex-Fußball-Profi Franklin Lobos. Der heute 53-Jährige spielte in seiner aktiven Zeit für chilenische Erstliga-Clubs und auch für die Nationalmannschaft ("La Roja"). Nationalcoach Marcelo Bielsa schickte Lobos ein von den Nationalspielern signiertes Trikot. Zuvor hatte Lobos von Chiles früherem Mannschaftskapitän, Iván Zamorano, Grüße und Glückwünsche erhalten. "Danke für alle die Worte, danke den Fans. Ich hoffe, bald rauszukommen. Ich danke auch Iván Zamorano für seine Worte", ließ der Ex-Profi ausrichten.

Quelle: AFP