Panorama

Wer tanzt am hässlichsten?Blamage muss sein

16.10.2011, 11:03 Uhr
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Die diesjährigen Gewinner. Sie erhielten die meisten Buhrufe vom Publikum. (Foto: picture alliance / dpa)

Glitzertops, Aerobic-Anzüge oder Leggins mit bunt schillernden Blusen: Schlechter Geschmack ist Trumpf bei der Weltmeisterschaft im Hässlichtanzen in Hamburg. Weitere wichtige Voraussetzung für die Teilnehmer: Kein Gefühl für Rhythmus und vor allem nicht für Scham.

Luzifer und Melony bereiten sich auf ihren großen Auftritt vor. In rund drei Stunden sollen sie auf der Bühne stehen. In der Männertoilette eines Hamburger Clubs malen die 20 und 21 Jahre alten Frauen sich Zahnlücken, kleben falsche Augenbrauen auf, schnallen Knieschoner über die Leggins und binden die Haare nach oben. Darüber ein pinker Spitzenschlüpfer und ein geblümtes Top - fertig ist das Bühnen-Outfit.

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Tanzen will gelernt sein. Wer's nicht kann, hat bei dieser WM die besten Chancen. (Foto: picture alliance / dpa)

Als "Ohkakas" stehen Melony und Luzifer beim "Ugly Dance World Cup" auf der Bühne. Die Weltmeisterschaft im Hässlichtanzen findet bereits zum dritten Mal in Hamburg statt. Zehn Teams aus ganz Deutschland versuchen dieses Mal, die geschmacklosesten Tanzeinlagen aufs Parkett zu zaubern. Das Ziel: so hässlich zu tanzen wie nur möglich. In der ersten Runde entscheidet eine Jury, welche Teams eine Runde weiter kommen. Dann kürt das Publikum mit lauten Buhrufen die neuen Weltmeister.

"Hässlichtänzer gibt es überall"

Christian Müller hat den Wettbewerb 2009 mit drei Freunden ins Leben gerufen. Die Jungs sind selbst leidenschaftliche "Ugly Dancer", wie sie sagen. Blau-graue Trainingsanzüge mit "Ugly Dance"-Logo, dazu Turnschuhe und Stirnband oder Schirmmütze - so sieht ihr WM-Outfit aus. "Wenn man sich umguckt, sieht man immer mehr Leute, die nicht tanzen können, als Leute, die tanzen können. Das ist einfach ein Riesen-Potenzial", erklärt Müller. Für ihn ist das Wichtigste beim Hässlichtanzen: unrhythmische Bewegungen, Tanzeinlagen außerhalb der Normen, Kreativität und Humor.

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Hässlichtänzer gibt es überall. Aber die Deutschen sind führend. (Foto: picture alliance / dpa)

In diesem Jahr haben sich für den Wettbewerb Teams aus mehreren europäischen Ländern und sogar aus Ghana beworben. "Wir haben schnell gemerkt, das ist ein weltweiter Trend", sagt Müller. "Hässlichtänzer gibt es überall." Durch den Vorentscheid schafften es dann aber nur zehn deutsche Teams. "Die Deutschen sind anscheinend führend", sagt Müller schmunzelnd.

Lust auf Blamage

Für den Titelverteidiger "Dezentiner", vier Jungs aus dem niedersächsischen Vechta, ging es dieses Mal vor allem ums Spaß haben und dabei sein. Ihr Ziel für den Abend: sich so richtig zu blamieren. "Ehre darf man auf jeden Fall nicht mitbringen", sagten Michael und Thomas vor der Show. Allerdings wollten die vier Jungs, die alle schon einmal einen Tanzkurs gemacht haben, "kontrolliert hässlich tanzen" und nicht einfach nur "rumzappeln".

Schon Stunden vor der Show warten Hunderte Menschen vor dem Eingang. Auffälligstes Merkmal: Die meisten von ihnen haben ihren schrägsten Fummel aus dem Schrank gekramt. Leopardenweste und Bademantel reihen sich an pinke Perücken und Paillettenröcke. Selbst Vokuhila-Frisur und Oberlippenbart werden hier wieder gesellschaftsfähig. Rund 700 Hässlichtanz-Fans sind am Ende vor der Bühne mit dabei.

Vom Himmelsbummser zur Bodenschnecke

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"Du bist so hässlich" ist hier das größte Kompliment. (Foto: picture alliance / dpa)

Als zweite Gruppe stehen die späteren Sieger "Ohkakas" auf der Bühne. Begrüßt werden Melony, die in Hamburg studiert, und Luzifer, die gerade ein Auslandsjahr in Australien verbracht hat, mit lauten Buhrufen. "Pfui" und "Ihr seid so hässlich" schallt es ihnen aus dem Publikum entgegen. Zu dem 90er Jahre-Song "Boomerang" von "Blümchen" tanzen die beiden über die Bühne, werfen sich auf den Boden, wackeln wild umher und schneiden Grimassen. Ihren Tanzeinlagen haben sie sogar Namen gegeben. Mit dem "Himmelsbummser" und der "Bodenschnecke" holen die beiden Freundinnen schließlich den Sieg. Ihr Erfolgsrezept: "Man darf keine Schamgefühle kennen."

Quelle: Miriam Schmidt, dpa