Panorama

Bericht zum Seuchenherd in HaitiBlauhelme schleppen Cholera ein

07.12.2010, 17:19 Uhr

Einem französischem Bericht zufolge haben UN-Blauhelme aus Nepal die Cholera in Haiti eingeschleppt. Fäkalien seien aus dem Lager der Soldaten in den Fluss Artibonite gelangt, heißt es. Die UN will die Vorwürfe untersuchen. Derweil wütet die Seuche weiter in dem vom Erdbeben zerstörten Land.

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Vor allem Kinder leiden unter der Seuche. (Foto: AP)

Nepalesische UN-Blauhelme haben einem französischen Bericht zufolge die Cholera nach Haiti eingeschleppt. "Der Krankheitsherd war im nepalesischen Lager", sagten mit der Untersuchung befasste Kreise. Eine große Menge Fäkalien sei wahrscheinlich vom nepalesischen Lager auf einen Schlag in den Fluss Artibonite gelangt und habe diesen mit den Krankheitserregern verseucht. "Das ist die logischste Erklärung." An der Cholera starben in Haiti bereits weit mehr als 2000 Menschen.

Die ersten Cholera-Fälle waren im Oktober entlang des Artibonite im Zentrum des Landes aufgetreten. Weiter flussaufwärts liegt ein Stützpunkt nepalesischer UN-Blauhelme. Gerüchte, wonach der Erreger von den Nepalesen stammte, hatten Mitte November zu gewaltsamen Protesten gegen Vertreter der UN-Friedensmission (Minustah) geführt, dabei starben mindestens drei Menschen.

UN-Sprecher Martin Nesirky sagte in New York, die Vereinten Nationen würden den Verdacht "sehr ernst" nehmen. Die UN-Mission in Haiti (Minustah) weise entsprechende Berichte weder zurück noch stimme sie ihnen zu.

2100 Tote, 90.000 Infizierte

Das französische Außenministerium übergab den Expertenbericht nach Angaben eines Sprechers der UNO, die nun eine Untersuchung einleitete. Frankreichs führender Fachmann für Seuchen, Renaud Piarroux, war nach einem Besuch in Haiti ebenfalls zu dem Schluss gekommen, dass die worden war. Er hatte aber nicht ausdrücklich die nepalesischen Soldaten genannt.

Die internationalen Hilfsorganisationen und die haitianischen Gesundheitsbehörden haben die Cholera derweil immer noch nicht im Griff. Nach jüngsten Angaben des Gesundheitsministeriums starben an der Krankheit mehr als 2100 Menschen; weitere 90.000 erkrankten. Experten gehen davon aus, dass die Zahl der Toten doppelt bis dreimal so hoch ist.

Quelle: AFP/dpa