Tragödie in SchwalmtalBluttat war geplant

Der Todesschütze von Schwalmtal hat gezielt auf seine vier Opfer geschossen. Er habe die Personen bestrafen wollen, die für das langwierige Verkaufsverfahren des Hauses verantwortlich seien.
Das Blutbad mit drei Toten im niederrheinischen Schwalmtal ist durch den Streit um ein Haus im Zuge einer Scheidung ausgelöst worden. Bei dem Täter handelt es sich um den 71-jährigen Vater der Miteigentümerin des Hauses, wie die Polizei bekanntgab. Der Rentner tötete demnach bei einem Termin zur Zwangsversteigerung des Hauses zwei Rechtsanwälte und einen Gutachter.
Der Rentner habe ausgesagt, diejenigen bestrafen zu wollen, die das Verfahren um das Haus in die Länge zögen, sagte der Leitende Kriminaldirektor der Polizei Düsseldorf, Jürgen Schneider. Er habe ein Zeichen setzen wollen, dass so nicht mit ihm und seiner Verwandtschaft umgegangen werden könne.
Zu dem Blutbad kam es am späten Dienstagnachmittag während eines Termins zur anstehenden Zwangsversteigerung des Hauses, zu dem die Rechtsanwälte beider Seiten sowie zwei Gutachter des Kreises Viersen gekommen waren. Während eines ersten Gesprächs im Hausflur sei der 71-Jährige nach eigenen Aussagen in einen Nebenraum gegangen, aus dem er sich die in einer Plastiktüte versteckte Pistole und Munition geholt habe, sagte Schneider. Kurz darauf habe er plötzlich auf die Anwesenden geschossen. Dabei seien die 38 und 70 Jahre alten Rechtsanwälte sowie ein 48-jähriger Gutachter getötet worden. Der zweite Gutachter im Alter von 40 Jahren sei durch zwei Schüsse schwer verletzt worden.
Was wussten Tochter und Ehefrau?
Die 44-jährige Tochter des 71-Jährigen lebte laut Schneider seit dem Jahr 2001 von ihrem ebenfalls 44 Jahre alten Mann getrennt. Im vergangenen Jahr kam es zur Scheidung. Im Zuge der Trennung sei es zu einem "dauerhaften Zerwürfnis" des Täters mit dem Schwiegersohn gekommen, sagte der Kriminaldirektor. Die 44-jährige Tochter und auch die 69-jährige Ehefrau wurden nach seinen Angaben als Beschuldigte befragt. Es sei nicht auszuschließen, dass sie von dem sich abzeichnenden Geschehen gewusst hätten, sagte der Kriminaldirektor.
Die Pistole, mit der der Mann geschossen hatte, stammte nach dessen eigenen Angaben von seinem Vater. Er habe sie ohne waffenrechtliche Erlaubnis aufbewahrt. Laut Schneider gibt es auch keine Hinweise darauf, dass der Mann Mitglied in einem Schützenverein war. Die Waffe sowie eine größere Menge Munition fanden die Ermittler in einem Versteck im Dachgeschoss des Hauses. Der Tatverdächtige habe zudem ausgesagt, er habe ursprünglich hundert Schuss Munition besessen.
Weißes Hemd gezeigt
Der 71-Jährige war im Jahr 2006 bereits wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt gewesen. Er soll zwei Menschen mit einem Baseballschläger geschlagen haben, wie der Oberstaatsanwalt Peter Aldenhoff von der zuständigen Staatsanwaltschaft Mönchengladbach sagte. Das Verfahren sei aber eingestellt worden, weil der Mann als verhandlungsunfähig eingestuft worden sei. Bei den Opfern habe es sich um "Verwandtschaft im weitesten Sinne" gehandelt.
Der Täter hatte sich nach dem Blutbad zunächst in dem Haus verschanzt, aber nach drei Stunden aufgegeben. Er sei an einem Fenster im Obergeschoss erschienen und habe mit einem weißen Hemd signalisiert, dass er sich ergeben werde, sagte Schneider.