Panorama

Millionen für AlkoholschädenBrasilien verklagt Bierkonzerne

29.10.2008, 13:15 Uhr

Brasilien hat eine Klage gegen die größten Bierkonzerne des Landes angestrengt, um von ihnen die Kosten für die Folgen von Alkoholschäden ersetzt zu bekommen.

Der brasilianische Staat fordert von den großen Bierherstellern im Land für alkoholbedingte Gesundheitsschäden Entschädigungen in Höhe von fast einer Milliarde Euro. Die Staatsanwaltschaft der Region So Paulo leitete nach eigenen Angaben ein Zivilverfahren gegen die in Brasilien führenden Brauereien Ambev, Shincariol und Femsa ein.

Da Alkohol Verbrauchern gesundheitlich schaden könne und die Kosten für das staatliche Gesundheitssystem in die Höhe treibe, sollten die Konzerne 2,75 Milliarden Real (970 Millionen Euro) als Entschädigung zahlen, erklärte Staatsanwalt Fernando Lacerda. Der Anteil der drei genannten Konzerne an Brasiliens Biermarkt beträgt etwa 90 Prozent.

Die Entschädigungsforderung sei gerechtfertigt, weil Ambev, Shincariol und Femsa durch "aggressive Werbeaktionen" den Alkoholkonsum steigerten, führte der Staatsanwalt aus. "Die jungen Leute trinken immer mehr und immer früher", kritisierte Lacerda. Die Höhe der Entschädigungsforderung beruht auf Daten des staatlichen Gesundheitssystems und der Sozialversicherungen sowie auf Studien zu alkoholbedingten Problemen.

Nach einer Untersuchung der Universidad Federal de So Paulo ist Alkoholkonsum für mehr als zehn Prozent der Todesfälle und 60 Prozent der Verkehrsunfälle in Brasilien verantwortlich. Ambev, Shincariol und Femsa gaben zunächst keine Stellungnahmen zu den Forderungen ab.