Schnee-Rekord in den USADas große Freischaufeln
Für viele Menschen im Nordosten der USA ist es der vierte Tag in Folge, den sie im Haus bleiben müssen. Die Großstadt Baltimore verhängt Fahrverbote. Die Kinder fangen an, sich zu langweilen: Sie können nicht raus zum Spielen, weil es zu stürmisch und zu kalt ist.
Nach den schwersten Schneefällen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen hat im Nordosten der USA das große Freischaufeln begonnen. Millionen Menschen in der Region zwischen Washington und New York konnten den vierten Tag in Folge nicht zur Arbeit gehen, viele nutzten die freie Zeit, um Gehwege und Autos freizuschippen. Verwehungen türmten den Schnee mancherorts auf weit über einen Meter auf.
In Washington fielen nach Angaben des Wetteramtes in diesem Winter bis Mittwochabend über 1,39 Meter Schnee - mehr als in den fünf vorangegangenen Wintern zusammengerechnet und so viel wie nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen 1884. Der bisherige Rekord stammte aus dem Winter 1898/99 mit 1,38 Meter. Ein Schneeorkan (Blizzard) hatte am Mittwoch die Schneedecke über der ohnehin schon tief verschneiten Region noch einmal wachsen lassen.
Wetter zu gefährlich für Schneepflüge
Arktische Sturmböen peitschten mit beinahe 90 Stundenkilometern übers Land. Schneeverwehungen ließen den Verkehr selbst auf Hauptverkehrsstraßen zwischen New York und Washington komplett zusammenbrechen. In einigen Teilen des Bundesstaats Maryland riefen die Behörden zeitweise sogar die Schneepflüge zurück, weil die Wetterbedingungen so gefährlich waren. Die Großstadt Baltimore verhängte vorübergehend ein Fahrverbot für Autos. Der Gouverneur von Pennsylvania, Ed Rendell, warnte: "Sie riskieren Ihr Leben und das von anderen, wenn Sie auf Autobahnen oder Straßen im Schnee steckenbleiben."
In Washington und Umgebung konnten sich etwa 230.000 Regierungsangestellte über einen vierten freien "Schneetag" freuen - auch das ein neuer Rekord. Die Behörden kamen nur langsam in ihrem Bemühen voran, die Straßen vom Schnee zu befreien. Auf den Hauptstraßen im Zentrum von Washington türmte sich der Schneematsch am Donnerstag knöcheltief. In Baltimore wurden Schneepflüge zum Hafen umgeleitet, um eine Schiffslieferung Tau-Salz aus Lateinamerika zu entladen. Heimatschutzministerin Janet Napolitano rief die Bürger auf, "den Straßen fernzubleiben, wenn es nicht absolut notwendig ist".
Regale der Supermärkte leer
Das andauernde Schneechaos zerrte zunehmend an den Nerven der Menschen. In den Supermärkten in Innenstadtlage blieben die Regale weiterhin leer, weil die Belieferung lahmlag. Hundebesitzer konnten nicht ihre Tiere nicht zum Gassigehen ausführen, da zumindest die kurzbeinigen Hundeexemplare komplett in den Schneeverwehungen versanken.
Schwierig ist es auch für Eltern und Kinder - die Langeweile nimmt zu. "Es ist nicht einfach, mit den Kindern im Haus eingepfercht zu sein", sagte Anwohnerin Maria Abousleiman aus einem Vorort von Washington. "Sie können nicht raus zum Spielen, weil es zu stürmisch und zu kalt ist."