Donnerstag, 04. Januar 2007
"Ach, der hat meine Nase": Der Kardinal und die Mütter
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat sich für die Anerkennung von Müttern als Berufstätige ausgesprochen. Hier sei die Politik gefragt, sagte der 73-Jährige am Donnerstag in einem dpa-Gespräch. "Das müsste in der Gesellschaft ein anerkannter Beruf sein, der sich auch in der Alters- und Krankenversicherung niederschlägt. Dann bekommt es auch in der Öffentlichkeit eine ganz andere Akzeptanz, Mutter zu sein." Denkbar sei zum Beispiel eine Rente für Mütter, doch die Einzelheiten könne nicht er ausarbeiten, das sei Sache der Politik.
Leider würden die Leistungen der Mütter in Deutschland nur unzureichend gewürdigt. "Ich mache dieses Theater jetzt zum zweiten Mal mit. In der DDR hat man den Frauen gesagt: 'Wenn ihr zu Hause bleibt, verpasst ihr euer Leben.'" Ähnliche Töne seien heute auch zu hören, sagte Meisner, der zu DDR-Zeiten Weihbischof von Erfurt und später Bischof von Berlin war. Dabei gibt es seiner Ansicht nach keine größere Form von Selbstverwirklichung, als Kinder zu haben. "Da sieht eine Mutter dann: 'Ach, der hat meine Nase.' Was gibt es Schöneres?"
Meisner wies darauf hin, dass die katholische Kirche nichts dagegen habe, wenn in einer Familie die Frau arbeiten gehe und der Mann zu Hause bleibe und die Kinder versorge. Nur während der ersten drei Lebensjahre des Kindes sei es besser, wenn die Mutter daheim sei. "Das Kind hat schließlich neun Monate unter dem Herzen der Mutter - und nicht des Vaters - gelebt", sagte Meisner. Dadurch entstehe eine ganz besondere Bindung, die auch von Hirnforschern nachgewiesen sei. Im Übrigen wisse auch er, dass es heute oft eine wirtschaftliche Notwendigkeit sei, dass Vater und Mutter arbeiteten: "Die Eltern machen das ja nicht zum Spaß."
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