Kühler Juli ungewöhnlichDer Sommer kommt zurück

Der Juli bisher: eine große Enttäuschung. Kalt, windig, nass. Geht das so weiter? n-tv-Meteorologe Björn Alexander sagt: Der Tiefpunkt des Sommer ist bald überwunden. Es kann nur besser werden.
Der Juli bisher: eine große Enttäuschung. Kalt, windig, nass. Grillen nur mit Decke über den Knien, Bräune tanken nur im Solarium. Geht das so weiter? n-tv-Meteorologe Björn Alexander sagt: Der Tiefpunkt des Sommer ist bald überwunden. Es kann nur besser werden.
n-tv.de: Björn, wie sieht die Großwetterlage aus?
Björn Alexander: Grundsätzlich hat sich das Azorenhoch recht weit nach Norden ausgedehnt. Und immer, wenn über dem Atlantik in Richtung Grönland ein kräftiges Hoch dominiert, dann ist der Weg frei für Tiefdruckgebiete, die über Skandinavien herunter nach Mitteleuropa und ans Mittelmeer ziehen können. Wolken, Regengüsse und polare Kaltluftvorstöße mit einer nordwestlichen Strömung inklusive.
Aber irgendwo muss der Sommer doch wohl sein, oder?
Natürlich. Auf der Vorderseite der Tiefdruckgebiete, die über Mitteleuropa liegen, hat sich die Sommerluft nach Norden ausgedehnt. Das heißt, in Russland bis herauf nach Finnland über den Polarkreis hinaus dominiert teils große Hitze. Selbst nördlich des Polarkreises mit Werten jenseits der 30-Grad-Marke.
Das ist doch nicht normal …
Normal ist bekanntlich "66", also wenn etwas in zwei Dritteln aller Fälle oder öfter vorkommt. Und insofern muss man sagen: normal vielleicht nicht. Aber durchaus im Bereich des Möglichen und dementsprechend auch nicht unbedingt ungewöhnlich. Statistisch seltener ist auf jeden Fall ein Juli, wie wir ihn erlebt haben. Bis zum Monatsende dürfte das Temperaturdefizit im Vergleich zum langjährigen Mittel bei etwa einem Grad liegen. Das ist absolut ungewöhnlich, denn in den letzten zehn Jahren gab es nur einen etwas zu kühlen Juli, dem im Jahr 2004 allerdings ein zu warmer August folgte. Dazu gab es in diesem Juli im Schnitt etwa die 1,5-fache Regenmenge und viel zu wenig Sonne. Wenn der Juli zu Ende ist, dann wird es Orte geben, an denen es gerade mal für durchschnittlich rund vier Stunden Sonne pro Tag gereicht hat.
Genug des trüben Rückblickes, was macht der Ausblick?
Der verspricht zumindest mittelfristig einen Trend zu mehr Sommer. Kurzfristig gibt es aber auch schon ein paar Lichtblicke. Heute betrifft das tendenziell die östlichen und nördlichen Landesteile. Dort ist die Sonne häufiger mit dabei und das Schauerrisiko ist bei 20 bis 26 Grad geringer.
Gibt es also auch Hoffnung fürs Wochenende?
Das kommt ein bisschen drauf an, was man vorhat. Da es insgesamt leicht wechselhaft und etwas kühler werden dürfte, gibt es Aktivitäten, die weiterhin Vorteile gegenüber anderen genießen. Wer sich sportlich betätigt, für den sind die gemäßigten Temperaturen vielleicht günstiger. Badespaß am Baggersee ist hingegen nach wie vor eher problematisch. Zumal sich auch die Wassertemperaturen zuletzt eher unterdurchschnittlich entwickelt haben.
Gilt das auch in Nord- und Ostsee?
Leider schon. Auch wenn die Sonne an den Küsten derzeitig wieder gut durchkommt - Regen, Wind und Wolken haben die Temperaturentwicklung nach dem sehr warmen Frühjahr stark gebremst. Die Wassertemperatur – gemessen in einem Meter Tiefe und nicht etwa im knöcheltiefen Uferbereich – liegt derzeitig bei meist 15 bis 17 Grad. Grundsätzlich sind in guten Sommern dort aber durchaus mal 18 bis 24 Grad drin. Da haben in diesem Jahr bislang eben die klassischen Fernziele die Nase vorn. Im westlichen Mittelmeer liegt die Wassertemperatur bei meist 20 bis 25, im östlichen Mittelmeer sogar bei rund 28 Grad. Dort erwarten die Urlauber außerdem Lufttemperaturen von deutlich über 30 Grad.
Und auf die müssen wir natürlich weiter verzichten?
Sagen wir es mal so: Nach dem kommenden Wochenende deuten die Wettermodelle auf eine dauerhafte Umstellung der Lage hin. Nach der kältesten Luft, die uns im Sommer erreichen kann, wird sich der tiefe Druck westlich von uns verstärken, so dass wir mal wieder Luft aus südlichen Breiten schnuppern dürfen.
Ein Sommer-Comeback?
Momentan deutet eben einiges darauf hin. Ob es allerdings der Sommer Marke "strahlend schön und heiß" wird, das steht leider in den Sternen. Derzeitig würde ich sagen: verbreitet freundlich, örtlich im Tagesverlauf mal ein paar Schauer oder Gewitter bei Werten zwischen 20 im Norden und 30 Grad im Südwesten. Inwieweit sich eben auch die Beständigkeit und Dauerhaftigkeit bei uns durchsetzt, das schauen wir mal. Auf alle Fälle haben wir den Tiefpunkt des Sommers bald hinter uns gelassen.