Panorama

Vergewaltigung auf der Klassenfahrt?Deutsche Schüler verhaftet

11.05.2010, 11:30 Uhr

Mit Alkohol wehrlos gemacht? Zwei Gymnasiasten aus Lübeck stehen unter dem Verdacht, auf einer Klassenfahrt in London ein 14 Jahre altes Mädchen vergewaltigt und dies gefilmt zu haben.

Zwei Gymnasiasten aus Lübeck sollen auf einer Klassenfahrt in London eine 15 Jahre alte Realschülerin aus Bremen vergewaltigt und mit einer Handykamera gefilmt haben. Die beiden 19 Jahre alten Tatverdächtigen seien am Freitag festgenommen worden und sollten am Mittwoch erneut vor Gericht befragt werden, teilte die Londoner Polizei mit. Bis dahin blieben sie in Haft. Zunächst hatte es geheißen, das Mädchen sei 14 und die jungen Männer 18 und 19 Jahre alt.

Die Lübecker Staatsanwaltschaft eröffnete ein Ermittlungsverfahren gegen die Jugendlichen. Es gebe aber noch keine eigenen Erkenntnisse. "Wir müssen die Ermittlungsergebnisse der britischen Behörden abwarten und deren Entscheidung, ob sie das Verfahren selbst weiterführen oder an uns abgeben wollen", sagte der Pressesprecher Klaus-Dieter Schultz.

Feier in einer Jugendherberge

Die Lübecker Schüler gehörten zur 12. Klasse des Fachgymnasiums Technik der Emil-Possehl-Schule, einer berufsbildenden Schule in der Hansestadt. Nach einem Bericht der "Lübecker Nachrichten" hatte die Bremer Schülerin mit mehreren Lübeckern in einer Jugendherberge gefeiert. Dabei sollen größere Mengen Alkohol geflossen sein, schreibt das Blatt. In der Nacht hätten die Gymnasiasten dann das Mädchen vergewaltigt und dies gefilmt.

Das Mädchen habe sich unmittelbar danach einer Lehrerin anvertraut, die die Behörden eingeschaltet habe. Die Polizei habe zunächst fünf Schüler festgenommen. Drei von ihnen seien jedoch nach 36 Stunden wieder auf freien Fuß gesetzt worden, da ihnen keine Tatbeteiligung nachgewiesen werden konnte, heißt es in dem Bericht weiter. Die Realschülerin ist inzwischen nach Hause zurückgekehrt. Sie soll von der Bremer Polizei zum Tatgeschehen befragt werden.

Aufsichtspflicht verletzt?

Der Vorfall in der britischen Hauptstadt beschäftigt nicht nur die Justiz. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, die deutsche Botschaft in London kümmere sich um die konsularische Betreuung der Gymnasiasten und stehe in Kontakt mit den britischen Behörden.

Das schleswig-holsteinische Bildungsministerium schaltete den schulpsychologischen Dienst ein. "Aus unserer Sicht ist es wichtig zu klären, was genau vorgefallen ist und ob möglicherweise Lehrkräfte ihre Aufsichtspflicht verletzt haben, besonders im Fall der noch minderjährigen Realschülerin", sagte Ministeriumssprecher Thomas Schunck.

Quelle: AFP/dpa