Panorama

Heiß wie nirgendwo in EuropaDeutschland ächzt

10.07.2010, 21:32 Uhr

Es ist heiß in Deutschland, rekordverdächtig heiß. Wer kann, rettet sich ins Kühle oder fährt ans Wasser. Im Norden Deutschlands wollen das einige per Auto – und finden sich in kilometerlangen Staus wieder. Die europäische Wetterkarte zeigt: Der Ausweg liegt im Atlantik.

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(Foto: dpa)

Deutschland glüht dem Rekord entgegen: Bei Temperaturen von knapp unter 40 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit herrschte Tropenklima. Schon am Morgen wurden vielerorts Werte um 30 Grad gemessen. "Solche Temperaturen um diese Tageszeit sind rekordverdächtig", sagte Christoph Hartmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach.

In vielen Orten, darunter in Berlin oder in Bayern, wurde nachmittags die Rekord-Marke des bisherigen Jahres geknackt. Die Spitzenmarken aus dem Supersommer 2003 wurden aber noch nicht erreicht. Damals wurde im August in Roth bei Nürnberg der Rekordwert von 40,4 Grad Celsius gemessen. Mit 38,8 Grad war es im rheinland-pfälzischen Bendorf am heißesten, in Trier erreichten die Temperaturen 38,3 Grad, in Koblenz und im brandenburgischen Lenzen an der Elbe 38,2 Grad. In Hannover, Berlin und Karlsruhe schwitzten die Menschen bei 38,0 Grad. Und am Sonntag sollte es mancherorts noch heißer werden.

Riesige Staus

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Geht immer: Eine kalte Dusche. (Foto: dpa)

Viele Hamburger, die der Großstadthitze ans Meer entfliehen wollten, mussten besonders auf der Autobahn 1 Richtung Lübeck starke Nerven haben: Dort staute sich der Verkehr zwischen dem Kreuz Hamburg-Ost und Bad Oldesloe zeitweise auf 25 Kilometern. Wer die Nordsee bevorzugte, gelangte ebenfalls nicht ohne Probleme ans Ziel. Auf der Autobahn 23 Richtung Heide gab es bei Itzehoe vier Kilometer Stau, auf der Autobahn 7 Richtung Flensburg stockte der Verkehr zwischen Kaltenkirchen und Kreuz Rendsburg.

Auch Urlauber und Ausflügler in Richtung Ostseeküste mussten im Stau schwitzen. Auf der Straße zu Deutschlands größter Insel, Rügen, staute sich der Verkehr vor der Rügenbrücke auf drei Kilometern. Weitere 14 Kilometer standen die Autos auf der B96 auf der Insel. Da der alte Rügendamm wegen einer Sanierung bis nächstes Jahr gesperrt ist, empfahl die Polizei, die Fähre Stahlbrode-Glewitz zu nutzen. Auch vor der Insel Usedom ging es nur langsam in Kolonnen voran. Schon in Anklam fließe der Verkehr nur zäh, hieß es.

Nadelöhr Tauernautobahn

Auch deutsche Urlauber in Österreich standen stundenlang im Stau. Größter Problempunkt war wie immer die Tauernautobahn von Bayern Richtung Süden mit ihrem rund 6,5 Kilometer langen Tauerntunnel. Bereits am Vormittag bildeten sich dort 13 Kilometer Stau, am Wochenende wird kaum Besserung erwartet. "Die Deutschen kommen!", warnte der österreichische Verkehrsclub in fetten Lettern auf seiner Homepage vor dem Ferienbeginn in mehreren Bundesländern - und damit vor den Urlauberkolonnen Richtung Italien, Slowenien oder Kroatien.

Der befürchtete Kollaps auf den bayerischen Straßen blieb dagegen zunächst aus. Stressig wurde die Ferienfahrt nur auf der Autobahn 3 zwischen Frankfurt und Nürnberg. Dort stockte der Verkehr zwischen Wertheim und Kitzingen auf 40 Kilometern.

Abkühlung am Dienstag

Mit Abkühlung ist wohl frühestens am Dienstag zu rechnen. Dann sollen die Temperaturen in Teilen Nordwestdeutschlands kurzzeitig auf etwa 25 Grad sinken. In Ostdeutschland bleibt es allerdings glühend heiß.

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Fluchtpunkt Island? (Foto: picture alliance / dpa)

Wer es nicht mehr aushält, sollte jetzt nach Island fahren oder fliegen – dort liegt die Temperatur momentan bei 12 Grad. Aber auch in typischen Sonnenländern wie Griechenland ist es angenehmer als in Hitze-Deutschland. Dort herrschten Temperaturen um die 31 Grad mit niedriger Luftfeuchtigkeit.

Hupkonzert weckt Lkw-Fahrer

Einem Lkw-Fahrer wurde bereits am Freitag die Hitze fast zum Verhängnis: Weil er nicht zu viel, sondern zu wenig getrunken hatte, fuhr er auf der Autobahn 60 in Hessen in Schlangenlinien. Der Mann war am Lenkrad eingeschlafen. Erst das Eingreifen der Polizei und ein Hupkonzert anderer Lastwagen weckten den Fahrer, und er konnte sein Gefährt im letzten Moment auf die Ausfahrt Bischofsheim lenken. Er erklärte, er habe vermutlich zu wenig getrunken und sei daher eingeschlafen. Er saß weder zu lange hinter dem Steuer noch hatte er Alkohol getrunken. Dem müden Fahrer wurde eine Zwangsruhe von mindestens acht Stunden verordnet.

Quelle: rpe/dpa