Panorama

Lebensmittel-Krise in AfrikaDie Ärmsten stark betroffen

03.07.2008, 08:11 Uhr

Der weltweite Anstieg der Lebensmittelpreise hat die Menschen in Afrika gleich mehrfach getroffen. Zum einen sind viele afrikanische Staaten von Nahrungsmittelimporten abhängig. Zum anderen bleibt vor allem der ärmeren Bevölkerung immer weniger für andere Ausgaben übrig.

Wenn Akin Adesina sein Heimatdorf in Nigeria besucht, muss er feststellen, dass sich die Lebensverhältnisse dort in den vergangenen 20 Jahren nicht allmählich verbessert haben, sondern schlechter geworden sind. "Die Kinder, die dort heute aufwachsen, haben schlechtere Chancen, als ich sie dort hatte", sagt der Vizepräsident der Allianz für eine grüne Revolution in Afrika (AGRA) in Nairobi. Er weiß: Das ist kein Einzelfall.

Afrika ist der einzige Kontinent der Welt, in dem die Mehrheit der Menschen ärmer geworden ist als die vorangegangene Generation. Während die Bevölkerung Afrikas jährlich um durchschnittlich drei Prozent wächst, hinkt die Lebensmittelproduktion hinter diesem Wachstum hinterher.

Dramatische Lage

In den vergangenen Monaten hat auch der weltweite Anstieg der Lebensmittelpreise die Menschen in Afrika gleich mehrfach getroffen. Zum einen sind viele afrikanische Staaten von Nahrungsmittelimporten abhängig. Zum anderen bleibt vor allem der ärmeren Bevölkerung immer weniger für andere Ausgaben übrig. Selbst in Mittelstandsfamilien wurden in den vergangenen Wochen liebgewonnene Essgewohnheiten geändert, weil das Familienbudget durch die Lebensmittelpreise gesprengt wurde.

Für die Hilflosesten, die Menschen in den Flüchtlingslagern der zahlreichen Konflikte des Kontinents oder den von Dürre und Klimawandel besonders getroffenen Regionen, ist die Lage dramatisch. Das Welternährungsprogramm (WFP) musste etwa die Lebensmittelrationen für die mehr als 2,5 Millionen Flüchtlinge in der westsudanesischen Krisenprovinz Darfur seit Mai um 40 Prozent kürzen.

Förderung der Landwirtschaft vernachlässigt

Angesichts der hohen Preise kann die Hilfsorganisation nicht mehr alle benötigten Lebensmittel finanzieren. Dabei zeichnet sich gerade jetzt am Horn von Afrika eine neue Hungerkatastrophe ab, von der in den kommenden Monaten etwa 14 Millionen Menschen in Äthiopien, Eritrea, Somalia, Nordkenia und Teilen Ugandas betroffen sein werden.

"Die weltweite Lebensmittelpreiskrise ist ein Weckruf für die Politiker, nachhaltige Lösungen zu finden", unterstrich der kenianische Landwirtschaftsminister William Ruto kürzlich auf einem Treffen mit Regierungsvertretern und Wissenschaftlern aus 15 afrikanischen Staaten in Nairobi. Doch staatliche Programme zur Förderung der Landwirtschaft seien Jahrzehnte lang vernachlässigt werden. Nirgends sonst auf der Welt gebe es Bauern, die nicht einmal genug zum eigenen Lebensunterhalt produzierten.

In der "Armutsfalle"

"Afrika ist es leid, ein Bettler zu sein", betont Adesina. "Wir wollen unsere eigenen Nahrungsmittel produzieren." Die "grüne Revolution" soll den Weg zur Eigenversorgung weisen und zugleich dem Beispiel asiatischer Staaten folgen. Ein erster Schritt ist die Entwicklung von Saatgut, das dürreresistent und besonders an die klimatischen Verhältnisse Afrikas angepasst ist.

Mit einem Etat von 150 Millionen Dollar unterstützen mehrere internationale Stiftungen AGRA und ihre Partnerorganisationen. Ein zweites, in diesem Jahr gestartetes Programm widmet sich den Ackerböden. Denn in Afrika sind doppelt so viele Wälder abgeholzt worden als im weltweiten Durchschnitt, entsprechend groß ist das Problem der Bodenerosion. Doch beim Einsatz von Düngemitteln bilden die Länder südlich der Sahara weltweit das Schlusslicht.

Gefragt sind nicht nur Förderprogramme für die Agrarproduktion, sondern auch Finanzhilfen gerade für die Bauern, fordert AGRA- Vizechef Adesina. Solange die Bauern keinen Zugang zu günstigen Krediten hätten, weil Banken das Risiko scheuten, werde sich für Millionen nichts ändern. "Die Mehrheit der Bauern steckt in der Armutsfalle fest", klagt er. "Es ist kein Wunder, dass die Verhältnisse so sind, wie sie sind."

Von Eva Krafczyk, dpa