Panorama

Angst, Frust und gute WorteDie Bundeswehr in Kundus

21.10.2009, 21:13 Uhr
imageSolveig Bach

Was machen die Bundeswehrsoldaten in Afghanistan jeden Tag und wie geht es ihnen mit ihrem gefährlichen Job am Hindukusch? Das zweite Buch von Ex-Soldat Wohlgethan.

Als in der Nacht vom 3. auf den 4. September vom deutschen Feldlager in Kundus aus der Befehl für den Luftangriff auf die liegengebliebenen entführten Tanklaster erging, rückte damit nicht nur der wieder einmal sinnlose Tod von Zivilisten in den Fokus der deutschen Öffentlichkeit, sondern auch die Arbeit der Bundeswehr in Afghanistan. Kurz vor der Bundestagswahl diskutierte Deutschland, ob der Afghanistan-Einsatz ein Krieg ist und wie es damit eigentlich weitergehen soll. In Kundus und in anderen Landesteilen.

Achim Wohlgethan war von November 2003 bis Februar 2004 als Stabsunteroffizier in einem Spezialzug in Kundus eingesetzt. Über seinen ersten Einsatz in Kabul hat er bereits einen Bestseller veröffentlicht, nun folgt also "Operation Kundus - Mein zweiter Einsatz in Afghanistan". Damit ermöglicht er auch "Nicht-Afghanistan-Eingesetzten" eine Innensicht des Lagers in Kundus und des Alltags der Bundeswehr vor Ort. Wohlgethan ist auch in seinem zweiten Buch kein literarischer Erzähler, sondern ein zutiefst frustrierter und gekränkter Ex-Bundeswehrsoldat, der seinen Job nicht so machen konnte, wie er es gern getan hätte. Dennoch liest sich auch dieser Einblick wieder spannend.

Schlechtes Krisenmanagement

So berichtet er wiederum ausführlich von der Bürokratie bei der Bundeswehr, die es nicht nur zulässt, sondern geradezu wünscht, dass in Deutschland zusammengepacktes medizinisches Material unausgepackt in Kundus stehen bleibt, weil niemand vor Ort ist, der die Listen so wie in einer deutschen Kaserne führen kann. Am Ende flog der Container wohl wieder genauso nach Hause wie er gekommen war. Gleichzeitig hatten die Soldaten vier Monate lang größte Mühe an die wichtigste medizinische Ausrüstung zu kommen.

Überhaupt steht die Bundeswehr mit einer Ausrüstung im Krieg gegen die Taliban, deren Beschreibung beim Leser Kopfschütteln erzeugt und bei den Soldaten wahrscheinlich Angst und Wut. Geliehene Jeeps und zu wenig Munition werden im Einsatz zur konkreten Gefahr für die Soldaten. So wird Wohlgethan wie schon bei "Endstation Kabul" nicht müde, bessere Ausrüstung einzufordern, professionellere Arbeit und nicht zuletzt auch mehr Rückhalt in der Deutschen Öffentlichkeit.

Unbequeme Wahrheit

Denn was Wohlgethan berichtet, können viele Soldatenfamilien bestätigen und auch Journalisten in Gesprächen in Kundus bestätigt finden. Inzwischen hat Wohlgethan die Bundeswehr verlassen und sich nach einer Zeit im Bundeswehrkrankenhaus mit einer Sicherheitsfirma selbständig gemacht. Doch so lange deutsche Soldaten am Hindukusch im Einsatz ist, kann es von diesen Insider-Berichten gar nicht genug geben.

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