Überraschung in Cannes erwartetDie Goldene Palme geht an...
Ein Topfavorit ist nicht in Sicht. Das Filmfestival in Cannes bleibt auch zum Ende hin weniger aufregend als in den vergangenen Jahren. Doch Tim Burton wird schon einen Film finden, der es verdient hat, die Goldene Palme mit nach Hause zu nehmen.
Die Überraschung ist gewiss, wenn am 23. Mai bei dem 63. Filmfestival in Cannes die Goldene Palme verliehen wird. Denn wie so häufig sprießen die Spekulationen, welcher der 19 Wettbewerbsfilme mit dem Preis ausgezeichnet wird. Und mit jedem Tag der vergangen zehn Tage wurde wieder eine andere Vermutung laut. Geht es nach den Kritikern, hat der französische Beitrag "Des Hommes Et Des Dieux" von Xavier Beauvois gute Chancen, andere sehen den recht konventionellen zugleich durchaus beeindruckenden Film "Another Year" des Briten Mike Leigh vorne.
Als langweilig und flach war das Programm vor Beginn des Festivals bezeichnet worden, bei dem die ganz großen Namen fehlten. Und dennoch überraschte der ein oder andere Beitrag etwa "Chongqing Blues" des Chinesen Wang Xiaoshuai, "A Screaming Man" von Mahamat-Saleh Haroun aus dem Tschad oder "Poetry" des Südkoreaners Lee Chang-dong. Den einzigen Superstar, hatte im Wettbewerb "Biutiful" des Mexikaners Alejandro González Iñárritu mit Javier Bardem, der auch als bester Darsteller gehandelt wird. Auch Sean Penn in "Fair Game" ließe sich noch dazu rechnen, wäre der Amerikaner zur Premiere an die Côte d'Azur gekommen.
Burton liebt schrille Töne
Ansonsten kamen die massenkompatiblen Stars an die Croisette, um ihre Filme außerhalb der Konkurrenz vorzustellen. Cate Blanchett und Russell Crowe spielten die Hauptrollen in dem Eröffnungsfilm "Robin Hood" und schritten am ersten Abend über den Roten Teppich, Woody Allen präsentierte seine neueste Komödie "You Will Meet A Tall Dark Stranger" und Oliver Stone präsentierte "Wall Street - Money Never Sleeps", die Fortsetzung de Blockbusters aus den 80er Jahren, und brachte seinen damaligen und aktuellen Hauptdarsteller Michael Douglas mit.
So dürften es Jury-Präsident Tim Burton und seine acht Kollegen schwer gehabt haben. Sicher scheint aber, dass sich der experimentierfreudige Regisseur Burton nicht für einen leichtverdaulichen Wohl-Fühl-Film entscheiden wird. Er ist ein Mann der schrillen Töne, aber das eher aus dem Hintergrund. Auf den schlagzeilenbringenden Partys und Events des Festivals ließ sich der 51-jährige Amerikaner mit der blaugetönten Brille und den wirren Haaren sowieso nicht blicken - vermutlich schaute er Filme.