Panorama

Alarmstufe zwei in OstbayernDonau-Pegel steigt rasant

14.01.2011, 13:40 Uhr

Bayerns Osten kämpft mit dem Hochwasser. Binnen 24 Stunden schwillt der Pegel der Donau um drei Meter an. Koblenz wappnet sich indes für das zweite große Hochwasser

Die Donau ist im Osten Bayerns rasant angeschwollen. In Passau stieg das Wasser bis zum Morgen auf 8,97 Meter - 24 Stunden zuvor waren es noch drei Meter weniger. Damit galt die höchste Hochwasser-Meldestufe vier, die ab 8,50 Meter ausgesprochen wird. Feuerwehr und städtische Mitarbeiter verbauten bis weit in die Nacht hinein rund 2500 Sandsäcke, wie die Stadtverwaltung mitteilte.

Im Laufe des Tages wird ein weiterer Anstieg um etwa einen halben Meter erwartet, dann wird auch der Rathausplatz in Passau unter Wasser stehen. Obwohl die Menschen in Passau gut auf das Hochwasser vorbereitet waren, wurden sie in der Nacht von dem rasanten Anstieg des Pegelstandes überrascht. Von Regensburg über Straubing nach Passau lag der Donaupegel am Morgen bei Alarmstufe zwei.

Chaos wohin das Auge sieht

Autofahrer mussten wegen zahlreicher überschwemmter Straßen lange Umwege in Kauf nehmen. In der Oberpfalz blieb eine Familie mit ihrem Auto stecken und musste von der Feuerwehr geborgen werden. Ein anderer Autofahrer wurde von einem Traktor aus dem Wasser gezogen.

Vor allem an der Donau und der Schwarzen Laber spitzte sich nach Angaben der Polizei in der Oberpfalz und in Niederbayern die Lage zu: Überflutete Ortsdurchfahrten, Keller unter Wasser und Autos, die von Parkplätzen abgeschleppt werden mussten. Der Fluss Regen stand am Freitagmorgen ebenfalls kurz vor der Meldestufe vier, betroffen war unter anderem die oberpfälzische Stadt Cham.

Suche nach Vermisstem unterbrochen

In Hessen und Baden-Württemberg fielen die Pegelstände zumeist. Beim Hochwasserschutz hat letzteres Bundesland nach Ansicht eines Experten noch viel Nachholbedarf. Man habe nicht genug getan, um die Bevölkerung zu schützen, sagte Christian Damm vom WWF-Auen- Institut in Rastatt der Nachrichtenagentur dpa. In Heidelberg atmeten die Menschen auf. In der alten Universitätsstadt nahe der Mündung des Neckars in den Rhein blieb das erwartete Hochwasser in der Altstadt aus.

Auch Hessen kann zunächst Entwarnung geben. Die erste Scheitelwelle des Hochwassers am Main passierte das Bundesland am Freitag. "Für die nächsten 24 Stunden wird zunächst ein leichter Rückgang der Wasserstände und somit eine Entschärfung der Hochwassersituation erwartet", berichtete das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie. Im Stadtgebiet waren dennoch rund 100 Helfer damit beschäftigt, weitere 15 000 Sandsäcke zu füllen.

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In Dresden musste das Terrassenufer gesperrt werden. (Foto: picture alliance / dpa)

Nach dem Sturz eines 59-jährigen Mannes in die Steinach in Südhessen schwinden die Chancen, den Vermissten lebend zu finden. Er war in den kleinen Fluss bei Neckarsteinach gefallen, der sich mit dem Hochwasser in einen gefährlichen Strom verwandelt hatte. Die Suche sei derzeit zu gefährlich, sagte ein Polizeisprecher "Wir haben keine große Hoffnung mehr, ihn lebend zu finden."

Koblenz vor zweiter Probe

Die Rhein-Mosel-Stadt Koblenz erwartet an diesem Wochenende bereits das zweite große Hochwasser des Jahres. "Der Scheitel wird bei etwa 7,40 Meter morgen Abend erwartet", sagte Bianca Dohm-Müller vom Hochwassermeldezentrum in Mainz. Stündlich steige der Rhein am Pegel Koblenz derzeit um etwa zwei Zentimeter.

Heftiger Regen hat auch die Flüsse in Sachsen weiter ansteigen lassen. Schwerpunkte seien die Weiße Elster, die Schwarze Elster und die Elbe, teilte das Landeshochwasserzentrum mit. Im Raum Leipzig galt für die Pleiße die zweithöchste Alarmstufe 3. Der Pegel in Dresden solle am Samstagmorgen zwischen 5,50 und 5,70 Meter liegen. Am Freitagmorgen wurden 5,10 Meter gemessen. Die Stadt Dresden sperrte das Terrassenufer und somit eine wichtige Zufahrtsstraße zur Semper-Oper, wo am Abend der Opernball geplant war. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Leipzig gab bis Freitagnachmittag wegen starken Tauwetters eine Unwetterwarnung für das Bergland im Vogtland sowie für den gesamten Erzgebirgskreis heraus.

Die nächsten Tage sollen überall in Deutschland mild und wolkig werden, aber nicht mehr verregnet, sagte der DWD voraus

Quelle: dpa