Ferngesteuerte EindringlingeDrohnenflüge alarmieren Akw-Betreiber

Verdächtige Flugbewegungen über Atomkraftwerken lösen in Frankreich große Besorgnis aus. Sind es harmlose Kameraflüge oder steckt mehr dahinter? Rund 150 Kilometer südlich von Paris schlagen die Sicherheitskräfte zu.
Nach einer Serie von Zwischenfällen mit unbemannten Flugobjekten über französischen Nuklearanlagen sind zwei Männer und eine Frau mit einer Drohne nahe eines der zahlreichen Kernkraftwerke des Landes festgenommen worden. Die Verdächtigen sind nach Justizangaben zwischen 21 und 31 Jahre alt sein. Weitere Angaben gaben die Behörden zunächst nicht bekannt.
In französischen Medienberichten war zuvor von "drei jungen Männern" die Rede. Die drei Verdächtigen wurden demnach rund hundert Meter von der Atomanlage Belleville-sur-Loire rund 150 Kilometer südlich von Paris festgenommen. Die Festnahme erfolgte damit im Sperrbereich um den Atommeiler. Die Drohne, die sie bei sich hatten, habe das Gelände aber nicht überflogen. Es blieb unklar, ob die kleine Gruppe für Drohnen-Überflüge in anderen Atomkraftwerken verantwortlich war. Die zuständige Staatsanwaltschaft von Bourges kündigte für Donnerstag eine Pressekonferenz an.
In den vergangenen Tagen waren über mehreren Atomkraftwerken in Frankreich Drohnen gesichtet worden, 15 Fälle sind seit Oktober bekannt. Zuletzt hatten unbemannte Flugobjekte fünf Nuklearanlagen im Norden sowie in Mittelfrankreich überflogen, darunter auch das umstrittene Kraftwerk Fessenheim nahe der deutschen Grenze. Kurz zuvor waren zwei andere Atomkraftwerke im Norden und Südwesten Ziel von solchen Flügen gewesen. Der Stromkonzern und Akw-Betreiber EDF erstattete nach eigenen Angaben bei jedem Überflug eine Strafanzeige.
Ausreichend geschützte Anlagen?
Die Kernenergie ist ein wesentlicher Bestandteil der französischen Energiepolitik. Ungeachtet der Debatte in Deutschland und der Bemühungen um eine Energiewende bezieht Frankreich knapp 80 Prozent seines Strombedarfs aus der nuklearen Energieerzeugung. Im Land verteilt stehen 58 Nuklearmeiler, einige davon in unmittelbarer Nähe der deutschen Grenze.
Bisher blieb unklar, wer hinter den für Sicherheitskräfte und Kraftwerksbetreiber beunruhigenden Flügen steckt und welche Motive dabei verfolgt werden. Das Spektrum der Vermutungen reicht von harmlosen Übungsflügen technikbegeisterter Jugendlicher bis hin zu Späh- und Erkundungsflügen mit womöglich terroristischen Hintergründen.
Verdächtigt werden in Frankreich auch Atomkraftgegner, die häufig versuchen, Sicherheitsmängel der Anlagen offenzulegen. Bislang hat sich jedoch keine Organisation zu den Aktionen bekannt. Greenpeace dementierte eine Beteiligung.