Freitag, 27. August 2010
Weiterer Damm bricht in Pakistan: Eine Million Menschen fliehen
In südlichen Pakistan bricht ein Damm, die Wassermassen treiben Hunderttausende vor sich her. In zwei Tagen fliehen insgesamt weitere eine Million Menschen vor den nicht enden wollenden Fluten. Derweil spenden Europäer immer mehr - und die EU fürchtet Unruhen im krisengeschüttelten Land.In den Flutgebieten der südpakistanischen Provinz Sindh haben die Wassermassen des Indus innerhalb von 48 Stunden mehr als eine Million weitere Menschen in die Flucht getrieben. Das teilte eine Sprecherin der Vereinten Nationen mit. Etwa 300.000 Menschen mussten nach Angaben der Behörden ihre Häuser und Höfe verlassen, nachdem in der Region Thatta am ein Deich brach. Zuvor mussten sich bereits in dem Küstendistrikt, in dem der Indus ins Arabische Meer fließt Hunderttausende vor den Wassermassen in Sicherheit bringen.
Viele Menschen suchen Schutz auf Anhöhen in der Region. Zehntausende Flüchtlinge hätten sich mit ihren Habseligkeiten auf den Weg in die 100 Kilometer westlich gelegenen Hafenmetropole Karachi gemacht, sagte ein Sprecher der örtlichen Behörden. Nach UN-Angaben sind von der Jahrhundertflut landesweit mehr als 17,2 Millionen Menschen betroffen. Etwa die Hälfte davon ist auf Hilfe angewiesen.
Spendenbereitschaft wächst
Das US-Außenministerium warnte Helfer in Pakistan unterdessen vor möglichen Anschlägen. Es gebe Informationen über eine Bedrohung durch Gruppen wie die radikal-islamischen Taliban, sagte Sprecher Philip Crowley. "Dass die Extremisten das überhaupt erwägen, zeigt, wie sehr sie das Wohlergehen der Bevölkerung missachten."
Im Swat-Tal versuchen Pakistaner über den Fluss zu kommen - das Wasser hatte die Brücke mitgerissen.
(Foto: REUTERS)
Trotz anhaltender Skepsis wächst in Europa die Spendenbereitschaft für die Flutopfer. Bei der deutschen TV-Sendung "Hilfe für Pakistan" wurden mehr als 7,9 Millionen Euro gesammelt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die Deutschen zum Spenden ermuntert und gesagt, wer deutschen Hilfsorganisationen spende, könne sicher sein, dass das Geld in die richtigen Hände komme. Von Leipzig aus soll ein Großraumflugzeug der Bundeswehr mit Hilfsgütern in Richtung Pakistan starten.
Bei einer Spendenaktion von Rundfunk- und Fernsehsender in den Niederlanden kamen sogar 16,1 Millionen Euro zusammen. Statistisch gesehen spendete damit fast jeder der 16,5 Millionen Niederländer einen Euro. Eine von den Salzburger Festspielen organisierte Benefizgala mit großem Staraufgebot brachte für die Notleidenden in dem südasiatischen Land zudem 300.000 Euro ein.
Angst vor Unruhen
Die EU-Kommission erklärte, sie wolle darauf achten, dass die Millionen-Hilfe der Europäischen Union tatsächlich alle Opfer der Flutkatastrophe erreicht. "Die Gefahr besteht darin, dass wir einige Bevölkerungsgruppen erreichen, andere aber nicht", sagte die für humanitäre Hilfe zuständige EU-Kommissarin Kristalina Georgiewa. Dies dürfe nicht geschehen, wenn auf Dauer Unruhen und Instabilität verhindert werden sollten.
dpa

