Panorama

Lungenpest in ZiketanEinwohner wollen weg

05.08.2009, 15:13 Uhr
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Eine Polizistin bewacht den Ausgang des städtischen Krankenhauses in Ziketan. (Foto: AP)

Niemand darf Ziketan verlassen. Wegen der tödlichen Krankheit steht die nordchinesische Stadt unter Quarantäne und ist komplett abgeriegelt. Doch aus Angst vor der Lungenpest versuchen immer mehr Menschen zu fliehen.

Einwohner berichteten am Telefon, dass die Behörden zur Eindämmung der Fluchtbewegung Straßensperren errichtet haben. "Man kann nur noch zu Fuß flüchten", so ein Geschäftsmann aus der 10.000-Einwohner-Stadt.

Die Nachrichtenagentur Xinhua vermeldete derweil einen vierten Todesfall. Ein in der Nähe von Ziketan wohnender Mann sei an Lungenpest gestorben, ein weiterer schwebe in Lebensgefahr. Ziketan in der tibetisch geprägten Provinz Qinghai war mit Auftreten der Lungenpest komplett unter Quarantäne gestellt worden.

Die Krankheit wird über Speichel und andere Körpersekrete übertragen und verbreitet sich daher leicht. Erkrankte leiden an Husten, blutigem Auswurf und Atemnot. Die Lungenpest ist die seltenste der vier Pest-Varianten. Ohne Behandlung sterben die meisten Infizierten, oft binnen 24 Stunden nach der Infektion.

Gute Heilungschancen

Vivian Tan, Sprecherin der Weltgesundheitsorganisation WHO in China, erklärte am Dienstag, ihre Organisation sei in der betroffenen Region nicht vertreten, man müsse sich deshalb auf die offiziellen Ministeriumsangaben verlassen. "Wir haben keinen Grund dafür, diese anzuzweifeln." Generell sei die Informationspolitik der Behörden in China gegenüber der WHO seit Auftreten der Infektionskrankheit SARS zunehmend offener und transparenter geworden. Dies gelte für die Schweinegrippe oder eben aktuell die Lungenpest.

"Die Pest ist sicherlich niemals ganz auszurotten, weil sie ein natürliches Reservoir in Tieren hat, besonders in Nagetieren", erläuterte der Internist Prof. Christian Meyer vom Bernhard-Nocht- Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Wenn rasch mit einem gängigen Antibiotikum behandelt werde, sei die Krankheit aber gut heilbar. Dieses sei sicher auch in China verfügbar. Dennoch nutze die Quarantäne, das sie die Ausbreitung eindämme. "Bei der Lungenpest ist das Übertragungspotenzial höher als bei der Beulenpest." Sie werde durch Tröpfchen übertragen, die Beulenpest aber durch Flöhe. "Wenn die Lungenpest auftritt, kann sie relativ schnell gestreut werden."

Quelle: AFP/dpa