Panorama

17 Tote durch Giftmüll in AfrikaErdölkonzern muss zahlen

23.07.2010, 15:34 Uhr
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Experten reinigen das mit Giftmüll verseuchte Gebiet in der Elfenbeinküste (Archivbild). (Foto: picture-alliance/ dpa)

17 Menschen starben, Tausende wurden verletzt: 2006 sorgte ein Giftmüllskandal in der Elfenbeinküste weltweit für Aufsehen. In den Niederlanden wird nun der verantwortliche Erdölkonzern Trafigura zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Gericht urteilt jedoch nur über die falsche Deklarierung des Mülls, nicht über die verursachten Schäden.

Vier Jahre nach einem folgenschweren Giftmülltransport in die Elfenbeinküste ist in den Niederlanden der Erdölkonzern Trafigura zu einer Geldstrafe von einer Million Euro verurteilt worden. Bei einem Zwischenstopp in Amsterdam seien falsche Angaben zu dem Müll gemacht worden, urteilte ein Amsterdamer Gericht. Ein Trafigura-Mitarbeiter und der Kapitän des Transportschiffs "Probo Koala" bekamen Bewährungsstrafen.

Mit dem Giftmülltransport habe das in der Schweiz ansässige Unternehmen Trafigura gegen die EU-Vorschriften für den Import und Export von Müll verstoßen, urteilte Richter Frans Bauduin. Der Konzern habe die Art des transportierten Mülls während des Zwischenstopps der von ihm gecharterten "Probo Koala" in Amsterdam verschleiert. Der Vorwurf der Urkundenfälschung gegen Trafigura wurde fallengelassen.

17 Menschen sterben, Tausende werden vergiftet

Die "Probo Koala" hatte am 2. Juli 2006 im Amsterdamer Hafen angelegt. Sie hatte Abfälle geladen, die bei der Reinigung von Treibstofftanks des Schiffes angefallen waren. Die Abfälle - Natronlauge und Erdöl-Reststoffe - sollten ursprünglich in den Niederlanden aufbereitet werden. Das Vorhaben wurde aber nach Angaben des Gerichts fallengelassen, weil sich der Müll als giftiger als angegeben erwiesen habe. Die Amsterdamer Hafenbehörden forderten demnach einen höheren Preis für die Entsorgung als ursprünglich vorgesehen.

Drei Tage nach ihrer Ankunft in Amsterdam verließ die "Probo Koala" Amsterdam, im August 2006 wurde ihr Giftmüll auf offenen Halden in Abidjan, dem Regierungssitz der Elfenbeinküste, entdeckt. Die Giftstoffe führten nach Angaben der dortigen Behörden zu 17 Todesfällen. Tausende weitere Menschen erlitten demnach Vergiftungserscheinungen. Auch wenn das Gericht nicht über die Giftmüllfunde in der Elfenbeinküste verhandelt hatte, rügte es in seinem Urteil, dass Trafigura nicht genau geprüft habe, ob Abidjan über geeignete Anlagen zur Aufbereitung des chemischen Mülls verfügte.

In dem Amsterdamer Prozess hatte Trafigura eine Geldstrafe von bis zu 2,1 Millionen Euro gedroht. Die Verurteilung zu einer Million Euro Strafe war das erste Gerichtsurteil gegen Trafigura im Zusammenhang mit dem Giftmülltransport. Zur Beilegung des Giftmüll-Skandals hatte sich das Unternehmen im Februar 2007 bereiterklärt, umgerechnet 152 Millionen Euro an die Elfenbeinküste zu zahlen.

Berufung wird geprüft

In dem Amsterdamer Prozess wurde außerdem der Trafigura-Mitarbeiter, der den Zwischenstopp in den Niederlanden organisiert hatte, zu sechs Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 25.000 Euro verurteilt. Der ukrainische Kapitän der "Probo Koala" bekam eine fünfmonatige Bewährungsstrafe. Beiden hatten bis zu 21 Jahre Gefängnis und eine Strafe von 134.000 Euro gedroht. Zur Beurteilung der Rolle der Stadt Amsterdam, die den Hafen betreibt, erklärte sich das Gericht nicht befugt.

Trafigura kündigte an, es werde prüfen, ob es gegen das Urteil Berufung einlege. Das Gericht habe anerkannt, dass die geladenen Abfälle "ein beschränktes Risiko für die menschliche Gesundheit" dargestellt hätten. Tatsächlich sei in Amsterdam keinerlei Schaden entstanden.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace begrüßte das Urteil als "Anfang der Gerechtigkeit". "Der nächste logische Schritt ist, dass Trafigura für die Entsorgung in der Elfenbeinküste verfolgt wird", sagte Greenpeace-Sprecherin Marietta Harjono.

Quelle: AFP