Siebenschläfer stellt die WeichenErst Tornados, dann die Sonne

Das Wetter zum Sommeranfang ist nicht schlecht - aber auch nicht wirklich gut. Nach ein paar durchwachsenen Tagen wird es nächste Woche wärmer. Aber ob pünktlich zum Siebenschläfer der Sommer wirklich ausbricht, ist noch mehr als fraglich.
Wer am kalendarischen Sommerbeginn, am 21. Juni, den Sommer tatsächlich finden wollte, der musste in diesem Jahr schon mal etwas genauer hinsehen. Denn die warme Jahreszeit machte sich eigentlich nur im Süden so richtig bemerkbar. Gefühlt hatten wir ja auch im Frühjahr schon einiges an Sommer. War es das in Sachen Sonnenschein und Wärme oder geht's bald auch wieder in die Freibäder und an die Badeseen? n-tv Meteorologe Björn Alexander über Trockenheit, Tornados und den Siebenschläfer.
n-tv.de: Björn, der Sommer hat in diesem Jahr schon früh losgelegt. Das wird es doch wohl nicht schon gewesen sein?
Björn Alexander: Früh losgelegt trifft auf jeden Fall schon mal zu. Denn das meteorologische Frühjahr - vom 1. März bis zum 31. Mai - erinnerte in vielerlei Hinsicht an den Sommer. Nicht nur, dass es - landesweit betrachtet und verglichen mit dem statistischen bzw. den klimatischen Durchschnittswerten - etwa 2,5 Grad zu warm war, es gab in den drei Monaten rund 700 Stunden Sonnenschein. Das sind mehr als 7,5 Sonnenstunden pro Tag. Passend zum sonnigsten Frühjahr, und das betrifft mindestens die letzten 100 Jahre, war es aber auch das trockenste, mit nur etwa der Hälfte der üblichen Niederschläge.
Um auf die ursprüngliche Frage zurückzukommen: Geht der Sommer genau in die entgegengesetzte Richtung?
Schwer zu sagen. Denn unsere Wettermodelle berechnen ja "nur" die nächsten Tage. Und da würde ich sagen: Es gibt auch für alle diejenigen, die in den vergangenen Tagen mehr Grau als Blau am Himmel mit weniger als 25 Grad erlebten, sehr gute Hoffnung auf Aufwärtstendenzen.
Passiert das noch vor dem Wochenende?
Nein, leider nicht. Zunächst einmal werden die Reste der mitunter schwülwarmen Sommerluft heute im Südosten durch teils schwere Gewitter mit Unwetterpotenzial abgedrängt. Stellenweise drohen Platzregen, Hagelschlag und Sturmböen. Selbst einzelne Tornados sind dabei nicht ganz auszuschließen. Zuvor gibt es zwischen den Alpen und der Lausitz nochmals 25 bis 30 Grad, dahinter werden es meist 17 bis 23 Grad.
An dieser Stelle noch eine Zwischenfrage: Kann man Tornados eigentlich genau vorhersagen?
Im Grunde genommen nicht. Zwar sind einige Randbedingungen zur Entstehung von Tornados in den Wettermodellen abgebildet. Grundsätzlich zeigen sie uns aber nur, dass das meteorologische Potenzial für die Entstehung erfüllt ist. Genau das können wir vorhersagen. Dass es tatsächlich einen Tornado gibt beziehungsweise gegeben hat, zeigen uns dann eigentlich erst bestimmte Formen und Strukturen in Radarbildern. Zur endgültigen Absicherung und auch zur Klassifizierung benötigt man aber die tatsächliche Ausprägung der Schäden sowie, optimalerweise, Bild- und Filmbelege des Tornados.
Zurück zum Sommer ...
Ja, der pausiert dann am Donnerstag und Freitag bei wechselhaften Aussichten, am Donnerstag an den Alpen teils noch mit ergiebigeren Regenfällen. Ansonsten geht es kurz freundlicher weiter, bevor von Nordwesten Schauer und einzelne Gewitter aufziehen. Dazu gibt es 16 bis 24 Grad. Am Freitag wird es dann neben vielen Schauern, die am ehesten im Südwesten seltener sind,nochmals kühler bei 13 bis 21 Grad. Erst danach geht es allmählich aufwärts.
Das heißt?
Am Samstag gibt es im Norden und Osten noch öfter Schauer, sonst ist es unter zunehmendem Hochdruckeinfluss mehrheitlich trocken. Dabei geht es mit den Temperaturen auf 16 bis 24 Grad rauf. Dieser Trend hält auch anschließend an: Sonntag schon vielfach freundliche und trockene 18 bis 27 Grad, Montag 20 bis 28, im Südwesten vielleicht auch schon bis etwa 30 Grad.
Und das pünktlich zum Siebenschläfer. Besser könnte es doch wohl nicht sein, oder?
Na ja, also ein mittelgroßes "aber" gibt es da schon noch. Denn voraussichtlich wird die Luft relativ rasch wieder schwül, so dass zur Wochenmitte - bei sommerlich warmen bis heißen 22 bis 32 Grad - Schauer und Gewitter zulegen könnten. Schlussendlich ist es bei der Siebenschläferregel so, dass die Interpretation sich nicht auf den Siebenschläfertag beziehen sollte, sondern vielmehr auf den Zeitraum um Ende Juni/Anfang Juli. Stellt sich dann eine stabile Wetterlage ein, dann hat sie gute Chancen, Wochen zu überdauern.
Klingt aber wohl nicht so richtig stabil?
Das müssen wir dann abwarten. Aus heutiger Sicht würde ich sagen: Der Sommer bringt uns zunächst einmal ein mitteleuropäisches Wechselspiel aus sommerlich warmen Vorstößen vom Mittelmeer her und kühleren, atlantisch geprägten Phasen. Da kann man aber fast jede Woche aufs Neue darüber sprechen.