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(Foto: picture alliance / dpa)

Letzte Zuflucht im Heiligen Land : Esel explodiert am Kontrollpunkt

Die Britin Lucy Fensom gründet vor Jahren die Organisation "Zuflucht für Esel im Heiligen Land". Dort versorgen Israelis und Palästinenser gemeinsam verletzte und verschundene Esel und Pferde.

In einer mobilen Tierklinik im Norden der Palästinensergebiete untersucht Dschaber Kaadar vorsichtig das geschwollene Bein eines großen braunen Fohlens. "Röntgen!" ruft er. Dann wendet sich der arabisch-israelische Tierarzt einem kränklichen Esel zu, der gierig Wurmmittel aus einer Spritze saugt. Neben ihm beschlägt ein palästinensischer Hufschmied ein Maultier, das nur noch aus Haut und Knochen besteht. Hier am Straßenrand im Westjordanland nahe Kalkilia kümmern sich israelische und palästinensische Freiwillige um kranke, verletzte und misshandelte Tiere. Die Britin Lucy Fensom hat die Organisation Zuflucht für Esel im Heiligen Land gegründet.

"Das Schlimmste, was ich erlebt habe, war ein mit Sprengstoff beladener Esel. Palästinensische Extremisten hatten ihn zu einem israelischen Kontrollpunkt geschickt", erzählt Fensom. "Und er ist explodiert." Die blonde, energische Frau ist seit 1989 als Tierschützerin in Israel aktiv. Als sie eines Tages einen schwer misshandelten Esel sah, kaufte sie ihn seinem Besitzer ab und startete eine Kampagne zu seiner Rettung. Tierschutzorganisationen, darunter die französische Stiftung von Brigitte Bardot, wurden so auf Fensom aufmerksam und boten ihr Unterstützung an. So gründete sie schließlich die Eselhilfe.

Mobile Tierklinik versorgt Dutzende

Mit der mobilen Tierklinik fährt Fensom durch das Westjordanland und Israel. Um das Feldlazarett herum warten in Wind und Regen Dutzende von Eseln und Pferden. Manche sind an Wagen geschirrt, andere werden am Halfter geführt oder in Lastwagen gebracht. "Wir haben die Medikamente und das Werkzeug, Antibiotika, Verbände, Skalpelle, mit denen wir operieren und kranke, verletzte oder misshandelte Esel und Pferde behandeln können", sagt Kaadar.

In der Gegend um Kalkilia sprach sich schnell herum, dass die mobile Tierklinik Station macht, und so brachten Bauern und Händler mehr als 150 Tiere. "Wir sind zu sechst mit zwei palästinensischen Tierärzten und besuchen auch die Gegend um Bethlehem, Tulkarem und Hebron und die arabisch-israelische Stadt Taibe", sagt Projektleiter Adi Sahor. "Wir leisten auch wichtige Aufklärungsarbeit bei jungen Leuten und Erwachsenen, vor allem bei den Armen, die ihre Tiere überanstrengen und misshandeln, aus Unwissenheit oder einfach aus Grausamkeit."

In Ruhe sterben

Daneben betreibt die Organisation ein Tierasyl im israelischen Dorf Gan Joschija, in dem 148 ausgesetzte Esel leben. Einer davon heißt "Burnie", seit ein Teenager sein Fell anzündete. "Salaam" verlor bei einem Verkehrsunfall ein Bein. Andere sind blind, verstümmelt oder auch nur alt und klapprig. "Die Esel leiden normalerweise still vor sich hin", sagt Fensom. "Sie rühren mich mit ihrer bescheidenen, intelligenten und anhänglichen Art. Hier können sie ihre letzten Tage in Ruhe verbringen."

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Quelle: n-tv.de

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