Panorama

VergewaltigungsvorwürfeFreilassung auf Kaution

12.05.2010, 13:41 Uhr

Die zwei Gymnasiasten aus Lübeck, die auf einer Klassenfahrt in London eine 15-Jährige aus Bremen vergewaltigt haben sollen, sind wieder frei.

Zwei Lübecker Gymnasiasten, die in London eine 15-jährige Bremerin vergewaltigt haben sollen, befinden sich vorerst wieder auf freiem Fuß. Die beiden seien gegen Kaution freigelassen worden, teilte das zuständige Gericht, der Southwark Crown Court, nach einem Haftprüfungstermin mit.

Die Kaution wurde vom Gericht auf 10.000 Pfund (umgerechnet knapp 12.000 Euro) festgesetzt. Dafür dürfen die Schüler der Lübecker Emil- Possehl-Schule bis zum Prozessbeginn nach Hause zurückkehren. Hier müssen sie innerhalb von 48 Stunden nach der Ankunft ihre Pässe bei der Polizei abgegeben und dürfen außer zum Prozess nicht ins Ausland reisen.

Die Gerichtsverhandlung gegen die Schüler werde am 14. Juli in London stattfinden, sagte ein Sprecher. Die beiden 19-Jährigen sollen am Freitag während einer Klassenfahrt in einer Londoner Jugendherberge eine Realschülerin aus Bremen nach einer Party vergewaltigt und mit einer Handykamera gefilmt haben.

Die Lübecker Staatsanwaltschaft eröffnete ein Ermittlungsverfahren gegen die Männer. Es gebe aber noch keine eigenen Erkenntnisse. "Wir müssen die Ermittlungsergebnisse der britischen Behörden abwarten und deren Entscheidung, ob sie das Verfahren selbst weiterführen oder an uns abgeben wollen", sagte der Pressesprecher Klaus-Dieter Schultz.

Party mit viel Alkohol

Die Lübecker Schüler gehörten zur 12. Klasse des Fachgymnasiums Technik der Emil-Possehl-Schule, einer berufsbildenden Schule in der Hansestadt. Nach einem Bericht der "Lübecker Nachrichten" hatte die Bremer Schülerin mit mehreren Lübeckern in einer Jugendherberge gefeiert. Dabei sollen größere Mengen Alkohol geflossen sein, schreibt das Blatt. In der Nacht hätten dann die Gymnasiasten das Mädchen vergewaltigt und dies gefilmt.

Das Mädchen habe sich unmittelbar danach einer Lehrerin anvertraut, die die Behörden eingeschaltet habe. Die Polizei habe zunächst fünf Schüler festgenommen. Drei von ihnen seien jedoch nach 36 Stunden wieder auf freien Fuß gesetzt worden, da ihnen keine Tatbeteiligung nachgewiesen werden konnte, heißt es in dem Bericht weiter. Die Realschülerin ist inzwischen nach Hause zurückgekehrt. Sie soll von der Bremer Polizei zum Tatgeschehen befragt werden.

AA eingeschaltet

Der Vorfall in der britischen Hauptstadt beschäftigt nicht nur die Justiz. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, die deutsche Botschaft in London kümmere sich um die konsularische Betreuung der Gymnasiasten und stehe in Kontakt mit den britischen Behörden.

Aufsichtspflicht verletzt?

Das schleswig-holsteinische Bildungsministerium schaltete den schulpsychologischen Dienst ein. "Aus unserer Sicht ist es wichtig zu klären, was genau vorgefallen ist und ob möglicherweise Lehrkräfte ihre Aufsichtspflicht verletzt haben, besonders im Fall der noch minderjährigen Realschülerin", sagte Ministeriumssprecher Thomas Schunck.

Quelle: dpa