Sonntag, 01. Juni 2008
Abflusskanal fertig: Gefahr vorerst gebannt
Die Gefahr einer Überflutung im chinesischen Erdbebengebiet ist nach einwöchigen Bemühungen vorerst offenbar gebannt. Hunderte chinesische Soldaten stellten einen Abflusskanal für den durch das Beben entstandenen Stausee in Tangjiashan fertig. Der große Erdwall hatte sich bei dem Beben am 12. Mai durch einen Bergrutsch gebildet und einen Fluss gestaut. Über eine zehn Meter breite Öffnung und einen 475 Meter langen Kanal soll das ansteigende Wasser des Stausees in den nächsten Tagen abfließen. Rund 20 Soldaten blieben nach der Fertigstellung des Kanals als Wache an dem Damm, um die Lage zu beobachten.
Nach heftigen Regenfällen steigt der Wasserpegel täglich um 1,6 Meter, lag zuletzt aber noch sieben Meter unter der niedrigsten Stelle des Dammes, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Aus Angst vor Überflutungen hatten die Behörden in den vergangenen Tagen fast 200.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Notfallplänen zufolge hätten weitere 1,3 Millionen Menschen das Gebiet verlassen müssen.
Sirenen und Warnschüsse sollen die Bevölkerung zur Evakuierung auffordern. In den vergangenen Tagen hat es bereits mehrere Übungen dafür gegeben. Xinhua berichtete, dass die Innenstadt von Mianyang wie ausgestorben wirkte. Sandsäcke seien vor Türen und Gebäuden aufgeschichtet, um sich auf erwartete Überschwemmungen vorzubereiten.
Eltern protestieren gegen Pfusch am Bau
Am Internationalen Kindertag warfen Eltern den Behörden vor, beim Bau von Schulen Pfusch zugelassen zu haben. Nach amtlichen Angaben kamen bei dem Beben 7.000 Kinder ums Leben, 16.000 wurden verletzt. Rund 7.000 Klassenzimmer stürzten ein und die chinesische Zentralregierung räumte ein, dass minderwertiges Material verbaut worden sei.
Der Ermittler des Bauministeriums, Chen Baosheng, sagte, in der Mittelschule Juyuan, in der 900 Kinder begraben wurden, seien die Stahlgitter zu dünn gewesen, mit denen Beton verstärkt wird. In Juyuan demonstrierten 100 Eltern. Ein Vater verteilte einen Brief, in dem er der Kommunistischen Partei und der Regierung für Hilfe dankte. Er schrieb zugleich, dass Eltern die Schulleitung und örtliche Behörden wegen des Einsturzes der Schule bei dem Beben verklagten. Einer rief Journalisten zu: "Stellt auf der nächsten Pressekonferenz viele Fragen! Helft uns, Gerechtigkeit für unsere toten Babys zu bekommen!"
Junge heißt "China-Deutschland"
Im mobilen DRK-Krankenhaus in der Stadt Dujiangyan wurde das erste Kind geboren, wie die Hilfsorganisation mitteilte. Der Junge heiße Zhong-De Fang, was "China-Deutschland" bedeute. Bisher hätten mehr als 3.000 Patienten eine Behandlung erhalten; mit inzwischen mehr als 500 Patienten pro Tag behandele das Krankenhaus etwa doppelt so viele Patienten wie ursprünglich geplant.
Rettungshubschrauber abgestürzt
Bei einem Hilfseinsatz stürzte unterdessen ein Militärhubschrauber mit 14 Menschen an Bord ab. Das Unglück passierte bei starken Turbulenzen und Nebel in der Bergregion nahe der Stadt Yingxiu in der Provinz Sichuan. Das Schicksal der zehn transportierten Verletzten an Bord und der vier Besatzungsmitglieder war zunächst nicht klar.
Bei dem Beben kamen nach offiziellen Angaben mehr als 68.000 Menschen ums Leben, knapp 18.000 Menschen werden noch vermisst. Mehr als 30 Flüsse wurden durch Erdrutsche aufgestaut.
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