Kollaps im überhitzten ICEGegen Zugchef wird ermittelt
Der Kollaps mehrerer Schüler in einem überhitzten ICE hat auch ein juristisches Nachspiel: Gegen den Zugchef wird wegen des Verdachts auf fahrlässige Körperverletzung und unterlassene Hilfeleistung ermittelt. Die Bahngewerkschaften warnen derweil vor übereilten Schlüssen.
Nach dem Hitze-Kollaps mehrerer Schüler in einem brütend heißen ICE ermittelt die Justiz jetzt gegen den Zugchef. Derzeit werde geprüft, ob er den Zug früher als in Bielefeld hätte anhalten müssen, nachdem die Klimaanlage ausgefallen war, sagte Oberstaatsanwalt Reinhard Baumgart. Technische Probleme mit älteren ICE sind laut Bundesverkehrsministerium schon länger bekannt, bisher aber nicht mit Klimaanlagen.
Der Verdacht gegen den ICE-Zugchef laute auf fahrlässige Körperverletzung und unterlassene Hilfeleistung, sagte Staatsanwalt Baumgart. Am Samstag waren mehrere Schüler auf dem Rückweg von einer Klassenfahrt an Bord zusammengebrochen. Neun Jugendliche mussten in ein Krankenhaus gebracht werden.
Zusatzpersonal gefordert
Die Gewerkschaften Transnet und GDBA warnten vor einer Vorverurteilung ihres Kollegen. Die Bahn sei es Kunden und Beschäftigten schuldig, dass die Technikprobleme untersucht und Schwachstellen beseitigt würden. Die Zugbegleiter arbeiteten derzeit unter extrem schwierigen Bedingungen. Eventuell brauche es Zusatzpersonal zur Betreuung von Fahrgästen.
Nach Angaben der Bahn gab es seit Samstag Klimaanlagen-Probleme bei rund 40 Zügen. Der bundeseigene Konzern hat angekündigt, die Probleme aufzuklären und begutachtet Klimaanlagen bei der nächtlichen Wartung in den Werkstätten besonders gründlich. Massiv betroffene Reisende sollen Reisegutscheine als Entschädigung bekommen.
Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums sind bei älteren Zügen der ICE-Flotte bereits seit einiger Zeit technische Probleme bekannt. "Wir kennen die Themen mit den ICE 1 und ICE 2 schon seit etwas längerem", sagte der Parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann dem RBB. Dies betreffe oftmals die ganze Bordtechnik, die häufig ausfalle. Es liefen dazu auch Prüfungen des Eisenbahn-Bundesamts. Laut einer nachträglichen Präzisierung des Ministeriums waren bisher aber keine Klimaanlagen-Probleme bekannt.