Mittwoch, 02. Juli 2008
Fünf Flaschen Bier gefordert: Geiselnahme in Marl
Aus Sorge vor der Unterbringung in einer Klinik hat ein psychisch kranker Mann im nordrhein-westfälischen Marl eine Frau und einen Mann als Geisel genommen und sie mit einem Messer bedroht. Rund zweieinhalb Stunden später gab der 45-Jährige nach Gesprächen mit einem Arzt auf. Die Geiseln blieben unverletzt, wie die Staatsanwaltschaft Essen mitteilte.
Die Anklagebehörde und das nordrhein-westfälische Justizministerium widersprachen ersten Angaben der Polizei, wonach der Mann ein Strafgefangener im offenen Vollzug war, der mit der Tat bessere Haftbedingungen erpressen wollte. "Es handelte sich weder um einen Strafgefangenen, noch ging es um Strafvollzug", stellte Oberstaatsanwalt Willi Kassenböhmer klar. Der Mann sei ein psychisch kranker Straftäter, der 1993 wegen verschiedener Delikte in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht worden war, wie Sprecher beider Behörden klarstellten.
Im Jahr 2004 sei der Mann vom Maßregelvollzug beurlaubt worden. Zur Vorbereitung auf sein künftiges Leben wohnte er seither in einer Caritas-Einrichtung in Marl, sagte Oberstaatsanwalt Kassenböhmer. Grund für die Geiselnahme sei die Sorge des Mannes gewesen, wegen einer psychischen Krise wieder in eine Klinik gebracht zu werden.
Der 45-Jährige hatte zunächst eine 52 Jahre alte Frau bedroht, die in der Caritas-Einrichtung als Betreuerin arbeitet. Anschließend nahm er noch einen Mann als Geisel, der ebenfalls in dem Wohnheim als Betreuer beschäftigt ist, wie die Staatsanwaltschaft weiter mitteilte. Außerdem verlangte der Täter noch fünf Flaschen Bier.
Die Polizei war mit einem Großaufgebot am Einsatzort, darunter auch Beamte eines Sondereinsatzkommandos und Experten, die für solche Situationen besonders psychologisch und kommunikativ geschult wurden.
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