Panorama

Wollersheim vor dem HaftrichterGeschädigte in aller Welt

04.07.2012, 12:58 Uhr
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Die Vorwürfe lauten: schwerer Raub, Erpressung, Betrug, Computerbetrug, schwerer Bandendiebstahl und gefährliche Körperverletzung. Im Fall des Düsseldorfer Rotlicht-Königs Bert Wollersheim ist wohl erst die Spitze des Eisbergs bekannt, denn es melden sich immer mehr Opfer.

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Die Gäste müssen vorläufig auf andere Etablissements ausweichen. (Foto: dpa)

Nach der Festnahme der stehen bei der Polizei die Telefone kaum noch still. "Wir haben zahlreiche Anrufe von Geschädigten bis aus den USA. Das Dunkelfeld scheint unfassbar groß", sagte ein Polizeisprecher. In Düsseldorfer Bordellen sollen Freier reihenweise mit K.o.-Tropfen betäubt und dann ihre Kreditkarten geplündert worden sein.

Um die Stammkunden nicht zu verprellen, waren offenbar gezielt weit gereiste Männer ausgewählt worden. Die Polizei richtete für die Opfer eine Telefon-Hotline ein (+ 49 211 8705701). Unterdessen begannen einen Tag nach der großen Bordell-Razzia die Vorführungen der elf Festgenommenen beim Haftrichter.

Den Ermittlungen zufolge sollen die Opfer inmitten von Prostituierten und großen Champagnerflaschen abgelichtet worden, um sie von Strafanzeigen abzuhalten. Damit sollte ein vermeintlicher erheblicher Konsum von sexuellen Dienstleistungen und teuren Getränken dokumentiert werden. Die Fotos seien dann als Druckmittel verwendet worden. Es wird gegen 80 Verdächtige ermittelt.

Freier im Krankenhaus

Zu den Gästen, deren Personalie bei der Razzia aufgenommen worden waren, gehörte auch Sebastian Kamps, der Sohn des ehemaligen Bäckerei-Königs Heiner Kamps und Ehemann von TV-Moderatorin Gülcan Kamps. Er ist aber kein Beschuldigter. Die Polizei hatte in einem "Verrichtungszimmer" einen Freier nicht ansprechbar angetroffen und mit einem Krankenwagen in eine Klinik gebracht. Blutanalysen sollten zeigen, ob es sich bei ihm um ein weiteres Opfer handelt. Es seien 150.000 Euro Bargeld, 70 Gramm Kokain, 210 Gramm Amphetamine und Flüssigkeiten entdeckt worden, die nun analysiert werden.

Bordellbesitzer Wollersheim ist seit vielen Jahren eine schillernde Figur im Rotlichtmilieu. Bundesweit bekannt wurde der 61-Jährige im vergangenen Jahr durch die TV-Serie "Die Wollersheims". 400 Polizisten hatte am Dienstag seine Etablissements und sein Anwesen durchsucht.

Wollersheim war Mitte der 1990er Jahre wegen erpresserischen Menschenraubs verurteilt worden. Eine Prostituierte hatte sich in einen Rechtsanwalt verliebt und war zu ihm gezogen. Als der Anwalt eine "Ablösesumme" verweigerte, war die Frau auf Wollersheims Ranch am Niederrhein verschleppt und gefangen gehalten worden.

Die aktuellen Tatvorwürfe lauten: schwerer Raub, Erpressung, Betrug, Computerbetrug, schwerer Bandendiebstahl und gefährliche Körperverletzung. Ein ehemaliger Mitarbeiter soll bereits ausgepackt und die Vorwürfe bestätigt haben.

Quelle: ntv.de, dpa