In 6200 Metern HöheGift auf Aconcagua entdeckt

Giftstoffe sind in großer Höhe ungewöhnlich. Umso mehr sind Wissenschaftler überrascht, dass sie auf dem Cerro Aconcagua in Südamerika PCB entdeckt haben.
Die weiße Pracht täuscht: Auf Amerikas höchstem Berg, dem Cerro Aconcagua in den Anden, hat ein internationales Wissenschaftler-Team Giftstoffe in geringen Konzentrationen nachgewiesen. Wie das Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) mitteilte, enthielt der Schnee aus 6200 Metern Höhe sogenannte polychlorierte Biphenyle (PCB). Noch nie wurden den Angaben zufolge Schadstoffe in solcher Höhe auf einem Berg nachgewiesen. PCB sind giftige und krebsauslösende Chlorverbindungen.
Über die Ergebnisse ihrer Forschungen schreiben die UFZ- Wissenschaftler gemeinsam mit Kollegen von Wissenschaftseinrichtungen in Spanien und Chile. Der Aconcagua erhebt sich in den südlichen Anden nahe der chilenisch-argentinischen Grenze und hat fünf große Gletscher.
In den Proben fanden sich vor allem besonders langlebige Verbindungen wie Hexachlorbiphenyl (PCB 138) und Heptachlorbiphenyl (PCB 180). Gebirgsketten könnten eine natürliche Barriere für langlebige organische Schadstoffe sein, die über die Atmosphäre weltweit verbreitet werden, hieß es. Welche Rolle Gebirge bei der Ausbreitung von Schadstoffe spielen, muss nach Ansicht der Wissenschaftler noch weiter erforscht werden. Die Forschungsergebnisse sind auch vor dem Hintergrund des Klimawandels von Bedeutung. Der Rückgang der Gletscher könnte nach Ansicht der Experten dazu führen, dass die im Gletscherschnee abgelagerten Schadstoffe mit dem Schmelzwasser nach unten transportiert werden.
PCB zählen zu den zwölf als "dreckiges Dutzend" bekannten organischen Giftstoffen. Bis in die 80er-Jahre wurden sie vor allem in Transformatoren, Kondensatoren sowie als Hydraulikflüssigkeit und Weichmacher verwendet. Neben chronischen Auswirkungen wie Akne, Haarausfall oder Leberschäden stehen die Stoffe auch im Verdacht, Unfruchtbarkeit bei Männern auszulösen.