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Freitag, 19. September 2008

Melamin-Skandal weitet sich aus: Gift in Futter und Frischmilch

Der Skandal um verseuchtes Milchpulver in China weitet sich immer mehr aus: Wie die Behörden mitteilten, wurde nun auch in Frischmilch die giftige Chemikalie Melamin gefunden. Der Stoff sei in haltbarer Frischmilch der drei führenden Hersteller Chinas nachgewiesen worden. In 24 von über 1200 in dieser Woche überprüften Milchtüten sei man fündig geworden, teilte die Behörde für Qualitätsüberwachung mit.

Betroffen sind die Produkte der Firmen Yili, Mengniu und Bright Dairy, die in ganz China im Handel sind. Die Unternehmen wurden aufgefordert, die Milch zurückzurufen. In vielen Supermärkten in Peking waren die Milchregale bereits am Donnerstag leer.

Fast zehn Prozent der Proben verseucht

Eine Untersuchung von Milch aus den größten chinesischen Molkereien ergab, dass fast zehn Prozent der Proben mit Melamin versetzt waren. Zuvor war bekanntgeworden, dass der gefährliche Zusatzstoff Melamin auch von einem Sponsor der Olympischen Spiele in Peking verwendet worden war.

In Südkorea entdeckten Ermittler die Chemikalie Melamin in Fischfutter aus China. Spuren von Melamin seien in Fischfutter aus chinesischem und südkoreanischem Tintenfisch entdeckt worden, teilte das Ministerium für Ernährung, Land- und Forstwirtschaft und Fischerei in Seoul mit. Dem Ministerium zufolge stellte eine einheimische Firma von April bis Juli 612 Tonnen Fischfutter aus chinesischem und südkoreanischem Tintenfisch her und verkaufte davon 586 Tonnen an Fischfarmen. Der Rest sei zurückgerufen oder entsorgt worden. 16 Fischfarmen, die dieses Futter verwendeten, hätten 400 Tonnen Wels an Händler und Restaurants verkauft.

"Die Firma hat Pulver aus Teilen von Tintenfischen verarbeitet, die hier gefangen oder aus China importiert worden sind", sagte ein Ministeriumssprecher der Nachrichtenagentur AFP, ohne den Namen der Firma zu nennen. Es seien Ermittlungen aufgenommen worden, um festzustellen, welche Teile mit Melamin verseucht gewesen seien.

EU besorgt

Wegen des Milchpulver-Skandals in China sollen im Saarland Milch und Baby-Milchpulver vorsorglich verstärkt kontrolliert werden. Auch wenn in Europa und Deutschland bislang keine Fälle von verseuchtem Babymilchpulver bekannt geworden seien, werde in den nächsten Tagen schwerpunktmäßig Milch- und Baby-Milchpulver im Handel auf die verbotene Chemikalie Melamin untersucht, teilte der saarländische Verbraucherschutzminister Gerhard Vigener (CDU) in Saarbrücken mit.

Die Europäische Union forderte China indes zu einer vollständigen Aufklärung des Milchskandals auf. "Unsere Priorität ist, die europäische Versorgungskette sicherzustellen", sagte Robert Madelin, Generaldirektor für den Gesundheits- und Verbraucherschutz bei der Europäischen Kommission in Peking. Bisherigen Erkenntnissen zufolge seien keine verseuchten Milchprodukte in Europa entdeckt worden. "Wir versuchen, die Fakten zu erfahren. Wir reden über alle Aspekte dieser Krise bilateral mit unseren Kollegen in China", sagte Madelin. Dies gelte auch für die Frage, ob der Skandal vertuscht worden sei. Die EU ist Chinas größter Handelspartner und hat in der Vergangenheit wiederholt die Zustände bei der Lebensmittelaufsicht kritisiert.

Wegen verseuchten Milchpulvers sind in der Volksrepublik vier Babys gestorben und mehr als 6000 Kinder erkrankt. Durch das Zufügen der Chemikalie Melamin wollten die Hersteller einen hohen Eiweißgehalt in den Produkten vortäuschen.

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