Verschollen im Grünen GewölbeGotha erhält Kunst zurück
Lange galten sie als Kriegsverlust - doch Dank umfangreicher Provenienzforschung im Rahmen des "Daphne"-Projekts kehren jetzt 13 kostbare Kunstwerke in die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha zurück.
Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha in Thüringen 13 bisher als Kriegsverluste geltende Kunstwerke zurückgegeben. Die kostbaren Bestecke und die Statuette einer Venus aus Elfenbein befanden sich im Depot des Grünen Gewölbes, teilten die Dresdner Kunstsammlungen und die Thüringer Stiftung gemeinsam mit. Die Werke konnten dem Gothaer Museum im Sommer bei der Überprüfung von Inventareinträgen des Grünen Gewölbes eindeutig zugeschrieben werden, hieß es. Bereits im September 2008 sei der Fund bei der Stiftung angezeigt worden.
Die Dresdner gehen davon aus, dass sich die Stücke mit anderem Kunstgut bis 1958 als Trophäen in der Sowjetunion befanden und nach ihrer Rückkehr versehentlich den Kunstsammlungen zugeordnet wurden. Angesichts häufiger Falschzuordnungen seien weitere Funde aus dem Eigentum anderer Museen nicht ausgeschlossen, die Recherchen im Grünen Gewölbe dazu noch nicht beendet, hieß es.
Die Kunstsammlungen lassen seit Mitte 2008 ihren gesamten Bestand von Provenienzforschern in einer Datenbank erfassen, inventarisieren und fragwürdige Herkünfte aufklären. Eine der Prämissen dieses vom Freistaat finanzierten "Daphne"-Projekts ist es, bei Zugängen seit 1933 nachzuprüfen, ob es sich möglicherweise um Kunstwerke handelt, die ihren jüdischen Eigentümern entzogen oder geraubt wurden. Deutschland hat sich mit Unterzeichnung der "Washingtoner Erklärung" zur Herausgabe von Kunstobjekten, die von den Nazis beschlagnahmt wurden, verpflichtet.
Zurückgekehrte Beutekunst aus Gotha
1958 kehrten 62 Gemälde und Plastiken alter Meister aus der Sowjetunion auf das Schloss Friedenstein in Gotha zurück. Dazu gehören: Das "Gothaer Liebespaar" eines unbekannten altdeutschen Meisters, "Die Anbetung der Könige", "Verdammnis und Erlösung" sowie "Judith an der Tafel von Holofernes und Tod des Holofernes" von Lucas Cranach d. Ä., das "Parisurteil" von Lucas Cranach d. J., der "Heilige Basilius" und der "Heilige Athanasius" von Peter Paul Rubens, das "Stillleben mit Weinglas" von Jan Davidsz de Heem, die Plastiken "Adam und Eva" von Conrat Meit als auch ein Sündenfallrelief um 1525.