Panorama

Rätsel um Luxemburg-LeicheGroßnichte schickt Haare

19.07.2009, 12:36 Uhr

Im Rätselraten um die Leiche der 1919 ermordeten und in den Berliner Landwehrkanal geworfenen KPD-Führerin Rosa Luxemburg könnte es bald neue Hinweise geben.

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Rosa Luxemburg. (Foto: picture-alliance / dpa)

Im Rätselraten um die Leiche der 1919 ermordeten und in den Berliner Landwehrkanal geworfenen KPD-Führerin Rosa Luxemburg könnte es bald neue Hinweise geben. In Jerusalem lebt nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" die in der Öffentlichkeit bisher nicht bekannte Großnichte der Sozialistin.

Die 79-jährige Irene Borde habe dem Berliner Rechtsmediziner Michael Tsokos für eine DNA-Probe eine Haarprobe zukommen lassen, mit deren Hilfe nun geklärt werden könnte, ob 1919 auf dem Zentralfriedhof in Berlin womöglich die Leiche einer anderen, unbekannten Frau begraben wurde.

Ende Mai war bekanntgeworden, dass Tsokos im Medizinhistorischen Museum in Berlin eine vergessene Wasserleiche ohne Kopf, Hände und Füße entdeckt hat. Aufgrund zahlreicher Indizien vermutet er, dass es sich dabei um die sterblichen Überreste der einstigen KPD-Führerin Luxemburg (1871-1919) handelt. Ein eindeutiger Nachweis fehlt jedoch bislang. Zur Identifizierung sind an der Berliner Charité bereits mehrere hundert Hinweise aus der ganzen Welt eingegangen. Die in dem Grab beigesetzte Leiche zu exhumieren, ist nicht möglich, da die Nazis das Grab 1935 schändeten und plünderten. Eine Probe vom Erbgut der Wasserleiche soll nun mit der Haarprobe der Verwandten von Rosa Luxemburg verglichen werden.

"Im günstigsten Fall 60 bis 70 Prozent"

Tsokos warnte allerdings vor zu hohen Erwartungen durch die neue Haarprobe: "Wenn wir das DNA-Profil einer Großnichte und ihrer vermuteten Großtante isolieren können, kann man im günstigsten Fall nur mit einer Sicherheit von 60 bis 70 Prozent feststellen, ob sie tatsächlich miteinander verwandt sind."

Denkmal
Rosa-Luxemburg-Denkmal am Landwehrkanal in Berlin. (Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Irene Borde ist laut "Bild am Sonntag" die Enkelin eines Bruders der von Freikorps-Soldaten ermordeten und in den Landwehrkanal geworfenen KPD-Mitbegründerin. Die in der Sowjetunion aufgewachsene Frau wanderte 1973 nach Israel aus, wo sie als Professorin für Verfahrenstechnik lehrte. Der Zeitung sagte sie, sie habe sich mit ihrer Verwandtschaft zu Rosa Luxemburg "nicht wichtigtun" wollen. "In Russland hatten wir mit dem Namen Luxemburg nur Nachteile." Rosa Luxemburg sei dort als Gegnerin Lenins eine unerwünschte Person gewesen.

Borde wünscht sich nun eine schnelle Lösung des Rätsels um die Leiche: "Bitte klären Sie den Fall so schnell wie möglich, damit ich wieder besser schlafen kann. Weg mit allen Gerüchten", sagte sie der Zeitung.

Quelle: dpa