Montag, 12. Juli 2010
Architekt des Münchner Olympiastadions: Günter Behnisch ist tot
Seine Bauten sollten das demokratische Deutschland widerspiegeln: Der Architekt Günter Behnisch ist 88-jährig gestorben. Zu seinen Werken zählen das Münchner Olympiastadion und der Bonner Plenarsaal des Bundestages.Der vielfach ausgezeichnete Architekt Günter Behnisch ist tot. Er sei im Alter von 88 Jahren gestorben, sagte sein Sohn Stefan Behnisch. Behnisch galt als einer der führenden deutschen Architekten der Moderne, unter anderem bekam er mehrfach den Deutschen Architekturpreis. Weltweite Bekanntheit erlangte Behnisch 1972 durch den Bau des Münchner Olympiastadions.
Der gebürtige Dresdner kehrte nach englischer Kriegsgefangenschaft 1947 ins zerbombte Deutschland zurück. Er zog nach Stuttgart, studierte dort an der Technischen Hochschule, war Mitarbeiter im Architektenbüro von Rolf Gutbrod und gründete Anfang der 50er Jahre mit zwei Mitarbeitern sein eigenes Büro.
1972 wurde Behnisch auf einen Schlag international bekannt: Der Wahl-Stuttgarter plante das schwebende Stadiondach im Münchner Olympiapark. Das viel diskutierte Dach aus Glas sollte ein Zeichen setzen für ein demokratisches Deutschland, das den Geist der Nationalsozialisten überstrahlen sollte. Glas dominiert auch das Hysolar-Institutsgebäude in Stuttgart aus dem Jahr 1987 und den Bonner Plenarsaal des früheren Bundestages von 1992.
Prinzip des "transparenten Bauens"
Zu Behnischs letzten spektakulären Arbeiten gehörte der Neubau der Berliner Akademie der Künste am Brandenburger Tor, den er zusammen mit Werner Durth von 1999 bis 2005 für etwa 56 Millionen Euro errichtete. Behnisch folgte auch hier seinem Prinzip des "transparenten Bauens" mit einer Glasfassade zum Pariser Platz und offenen Etagenübergängen im Inneren, was zu akustischen Problemen im Alltagsbetrieb der Akademie führte und auch Kritik auslöste.
Der baden-württembergischen Landeshauptstadt blieb Behnisch bis zu seinem Tod treu. Er sei zu Hause gestorben, wo ihn seine Frau in den vergangenen Jahren gepflegt habe. Nach mehreren Schlaganfällen sei Behnisch halbseitig gelähmt und auf Hilfe angewiesen gewesen. Er sei jedoch bis zum Schluss ansprechbar gewesen, sagte sein Sohn. "Er hatte ein langes, erfülltes Leben."
dpa
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