Freitag, 03. Juli 2009
Erste Resistenzen: H1N1-Infizierter stirbt in London
In Großbritannien verdoppelt sich derzeit die Zahl der Schweinegrippe-Infektionen wöchentlich. Die WHO mahnt vor allem die Menschen auf der Südhalbkugel zur Vorsicht.
In einem Pharma-Unternehmen im chinesischen Hangzhou werden zur Serum-Gewinnung Embryonen in Hühnereiern mit dem Virus H1N1 geimpft.
(Foto: dpa)
In Großbritannien ist ein 19-Jähriger nach einer Infektion mit dem Schweinegrippe-Virus gestorben. Der junge Mann habe jedoch noch weitere "grundlegende Gesundheitsprobleme" gehabt, sagte ein Sprecher der Londoner Gesundheitsbehörden. Erst nach seinem Tod sei er positiv auf das Virus A (H1N1) getestet worden. Zuvor waren bereits drei Schweinegrippe-Patienten im Vereinigten Königreich gestorben. Alle drei hatten neben dem Virus noch andere Grunderkrankungen. Dadurch ist nicht klar, ob die Schweinegrippe tatsächlich die Todesursache war.
Wöchentliche Verdopplung der Infektionen
Großbritannien ist das Land mit der höchsten Zahl an Schweinegrippe-Fällen in Europa, bisher infizierten sich dort rund 7500 Menschen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums könnte die Zahl der Neuinfektionen mit dem Virus bis Ende August auf 100.000 täglich steigen, wenn der derzeitige Trend anhält. Gesundheitsminister Andy Burnham betonte, es handle sich "lediglich um eine Hochrechnung", doch derzeit verdopple sich die Zahl der Erkrankungen mit dem neuartigen Virus wöchentlich.
Warnung an Menschen auf der Südhalbkugel
Angesichts des beginnenden Winters auf der Südhalbkugel fordert die Weltgesundheitsorganisation vor allem die Menschen dort zu besonderer Vorsicht auf. Die Pandemie sei vermutlich nur von moderater Gefährlichkeit, sagte WHO-Direktorin Margaret Chan auf einer internationalen Grippekonferenz im mexikanischen Cancún. Doch die Weltgemeinschaft habe sie noch nicht im Griff. Vor allem im Süden seien Menschengruppen betroffen, die ursprünglich nicht als gefährdet gegolten hätten.
"Aus Gründen, die wir noch nicht verstehen, sind junge Menschen gestorben, die vollkommen gesund waren," sagte Chan. Es seien auch Fälle unverstanden, in denen sich der Zustand der Infizierten äußerst schnell verschlechtert habe. Die kanadische Gesundheitsministerin Leona Aglukkaq sagte, zu den besonders gefährdeten Gruppen gehörten auch die meist jungen schwangeren Frauen.
Keine Panik, aber Wachsamkeit
Vor Ministern und Gesundheitsexperten aus 43 Ländern warnte Chan zudem vor einem panischen, aber auch vor einem zu arglosen Umgang mit der Krankheit. "Wichtig bleibt die Wachsamkeit", sagte sie. Die WHO zählte nach jüngsten Angaben weltweit etwa 80.000 Fälle und mehr als 330 Tote in rund 120 Ländern. In Deutschland hat das Robert Koch-Institut bislang mehr als 400 Fälle registriert. Die meisten Infektionen seien mild verlaufen.
Serum von der WHO für Entwicklungsländer
Den armen Ländern will die Weltgesundheitsorganisation 150 Millionen Impfdosen gegen die Schweinegrippe zur Verfügung stellen. Laut Chan ist noch nicht bekannt, wann der Impfstoff gegen das Virus A/H1N1 entwickelt sein wird. Doch stehe die in Genf residierende WHO mit zwei Unternehmen in entsprechenden Verhandlungen. "Sobald wir diesen Impfstoff bekommen, werden wir ihn in die Entwicklungsländer schicken", sagte Chan. Sie rechne damit, dass die ersten Spritzen im August dieses Jahres fertig sein könnten. Die Anwendung werde aber erst später möglich sein.
Erste Resistenzen
Unterdessen wurden bei Schweinegrippe-Patienten in Hongkong, Japan und Dänemark erste Resistenzen gegen das Grippemittel Tamiflu beobachtet. Die Gesundheitsbehörden nannten die Einzelfälle jedoch nicht beunruhigend. Alle drei Patienten sind bereits wieder gesund.
Tamiflu-Hersteller Roche betonte, ein geringer Anteil von Resistenzen sei zu erwarten gewesen und werde stets auch bei der saisonalen Grippe beobachtet.
hdr/dpa/AFP
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