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Panorama

Samstag, 07. Juli 2007

Todesspritze für 1200 Vögel: H5N1 in Deutschland

Nach dem Nachweis der hochansteckenden Variante der Vogelgrippe bei einer Hausgans ist das gesamte Hausgeflügel in einem Umkreis von drei Kilometern um den Fundort im thüringischen Wickersdorf getötet worden. Die Landesregierung teilte mit, insgesamt seien rund 1200 Gänse, Enten und Hühner mit Spritzen getötet worden, um eine Ausbreitung des Vogelgrippe-Erregers H5N1 zu verhindern. Weil die an der besonders aggressiven Asia-Variante des Virus gestorbene Gans nicht als Nutztier, sondern zu therapeutischen Zwecken eines Behinderten-Wohnheims gehalten wurde, wurden alle Bewohner der Einrichtung medizinisch untersucht. Hinweise auf eine Infizierung gebe es nicht, berichtete der Sprecher des Erfurter Sozialministeriums, Thomas Schulz.

Teilweise sehr enger Kontakt

Die geistig Behinderten hatten teilweise sehr engen Kontakt mit dem Tier, das viele auch gestreichelt und liebkost hatten. Stunden nach Bestätigung des Vogelgrippe-Virus H5N1 durch das bundeseigene Friedrich-Loeffler-Institut rückten am Freitagabend in vier betroffenen Landkreisen Feuerwehrleute, Polizisten, Veterinäre und sogar Gemeindebürgermeister aus, um das gesamte Hausgeflügel im Drei-Kilometer-Radius mit Giftspritzen zu töten. Entgegen den Erwartungen seien weitaus mehr als die bei den Behörden angemeldeten Tiere gefunden worden, berichtete Schulz. Viele Haushalte hätten nur ein oder einige wenige Tiere als "Martinsgans oder für die Frühstückseier" gehalten. Teilweise habe es "emotionale Situationen" gegeben: "Die Tiere, die getötet werden mussten, hatten sogar teilweise Vornamen", beschrieb der Ministeriumssprecher das enge Verhältnis vieler Halter zu ihren Tieren. Hinweise auf ein Überspringen der Tierseuche auf Menschen gebe es aber dennoch nicht.

Der Deutsche Tierschutzbund hat die vorsorgliche Tötung der Vögel scharf kritisiert. Angemessen sei es, die Bestände in der Region intensiv zu beobachten, nicht aber die direkte Tötung offenbar auch gesunder Tierbestände, sagte der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel.

Weltweit 320 Erkrankte

Weltweit sind bislang rund 320 Menschen an der Tierseuche erkrankt, Schwerpunkt des Vogelgrippe-Ausbruchs ist Asien. Besonders betroffen waren Hühnerhalter, die dort auf engem Raum mit den Tieren leben. Wissenschaftler befürchten, dass das Virus nach einer Mutation auch von Mensch zu Mensch übertragbar werden könnte. Das Risiko einer weltumspannenden Grippe-Pandemie mit Millionen Toten schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als hoch ein. Die behinderten Menschen, die Kontakt mit der Gans hatten, sollen nach Schulz' Worten noch über die Inkubationszeit des Virus über die kommenden zwei Wochen weiter beobachtet werden. "Wir haben aber keinerlei Anzeichen auf Symptome", betonte der Ministeriumssprecher.

Bislang nur bei Wildvögeln

In diesem Jahr ist die Vogelgrippe in Deutschland bislang nur bei Wildvögeln nachgewiesen worden. Am Donnerstag hatte das Friedrich-Loeffler-Institut das Vogelgripperisiko für Nutzgeflügel in einer neuen Bewertung von mäßig auf hoch gestuft. Der Grund ist neben neuen Vogelgrippefällen in Ostdeutschland auch das Auftreten der Seuche in Lothringen im Osten Frankreichs. Vor über einer Woche waren infizierte Wildvögel in Bayern und Sachsen gefunden worden.

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